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Angeschlagene Warenhäuser : Galeria geht schon wieder das Geld aus

Altes Markenzeichen von Galeria Kaufhof auf einem Kölner Kaufhaus Bild: dpa

Der Warenhauskonzern hat den Sanierungstarifvertrag gekündigt, die Gewerkschaft Verdi nennt das den „Gipfel sozialer Verantwortungslosigkeit“.

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          Die Geschäftsführung des Warenhauskonzerns Galeria hat einseitig den Sanierungstarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi gekündigt. Stefanie Nutzenberger, die einst selbst bei Karstadt ihre Ausbildung begonnen hatte und heute im Bundesvorstand von Verdi für den Handel zuständig ist, nannte das den „Gipfel sozialer Verantwortungslosigkeit“. Dabei kritisierte sie nicht nur das Management sondern auch die Eigentümergesellschaft Signa , die dem österreichischen Immobilienunternehmer René Benko gehört.

          Wirtschaftlich angespannte Situation

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Gerade die Beschäftigten hätten in der Vergangenheit das Überleben der Kaufhäuser durch einen Verzicht auf Entgelterhöhungen und Zusatzleistungen möglich gemacht. „Die Rettung des Unternehmens liegt jetzt in der Hand des Eigentümers und des Managements“, sagte Nutzenberger. Das Unternehmen hatte am Freitag mitgeteilt, dass es wegen der „wirtschaftlich angespannten Situation“ gezwungen sei, den Tarifvertrag mit Verdi zu kündigen, „um unser Unternehmen wieder insgesamt nachhaltig zu stabilisieren“.

          Der gesamte Einzelhandel leidet unter der Kaufzurückhaltung aufgrund der Inflation und steigenden Energiepreisen, die Warenhäuser machen da keine Ausnahme. Mit der Tarifvertragskündigung werden die Gehälter nun auf dem aktuellen Lohnniveau eingefroren, zudem wolle Galeria mit Verdi verhandeln, um den Tarifvertrag anzupassen. Der Warenhauskonzern sei weiterhin tarifgebunden.

          Nachdem die beiden letzten Warenhauskonzerne Karstadt und Galeria Kaufhof fusioniert waren, hatte das Gemeinschaftsunternehmen Ende 2019 mit der Gewerkschaft Verdi einen „Überleitungs- und Integrationstarifvertrag“ unterzeichnet, darin ging es unter anderem um Entgeltsteigerungen für die Mitarbeiter in Anlehnung an den Flächentarifvertrag – und auch um den Erhalt von Standorten.

          Der schon angeschlagene Konzern war dann jedoch eines der ersten Opfer der Corona-Pandemie: Im April 2020 musste Galeria Karstadt Kaufhof ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung anmelden. In der Entschuldung verzichteten Gläubiger auf mehr als 2 Milliarden Euro, die Zahl der Kaufhäuser sank von 172 auf 131, Tausende Mitarbeiter verloren ihre Stellen. Doch die Krisenstimmung hörte nicht auf, im Jahr 2021 hatte Galeria vom Bund über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds ein erstes Darlehen in Höhe von 460 Millionen Euro bekommen, erst im Januar kamen weitere staatliche Hilfen in Höhe von 220 Millionen Euro hinzu.

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