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Gabriel Felbermayr : Renommierter Ökonom verlässt Deutschland

Gabriel Felbermayr Bild: Frank Röth

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft sucht schon wieder einen neuen Chef – nach gerade einmal zweieinhalb Jahren. Den bisherigen Präsidenten zieht es zurück in seine Heimat.

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          Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, steht vor einem Wechsel nach Wien. Der renommierte Handelsökonom soll vom 1. Oktober dieses Jahres an Christoph Badelt an der Spitze des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung ablösen. Zuvor hatte die Wiener Zeitung „Der Standard“ über die Personalie berichtet.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Felbermayr, Jahrgang 1976 und gebürtig aus Steyr in Oberösterreich, steht erst seit März 2019 an der Spitze des IfW. Eine Amtszeit von nur zweieinhalb Jahren ist für einen Präsidenten des mehr als 100 Jahre alten Kieler Instituts unüblich – zumal die reguläre Vertragslaufzeit fünf Jahre beträgt. Felbermayrs Vorgänger Dennis Snower leitete das Institut mehr als 14 Jahre lang. Auch bekannte Ökonomen wie Herbert Giersch und Horst Siebert residierten weitaus länger als zweieinhalb Jahre an der Kieler Förde.

          Das IfW zählt rund 160 Mitarbeiter, davon gut 90 Wissenschaftler, und gehört zu den fünf großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten. Intern wurde der plötzliche Abgang Felbermayrs mit Bedauern aufgefasst. Nach stürmischeren Jahren unter Vorgänger Snower habe der Österreicher das Institut organisatorisch wie wissenschaftlich neu aufgestellt, ist zu hören. Familiäre Gründe haben dem Vernehmen nach eine Rolle gespielt.

          In österreichischen Medien fiel der Name Felbermayr als angesehener Ökonom zuletzt häufiger. Für das IfW beginnt nun die Suche nach einem Nachfolger. Am Berufungsverfahren beteiligt sind das Land Schleswig-Holstein und die Universität Kiel, wo der IfW-Präsident zugleich eine Professur innehat.

          Felbermayr war zuvor Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft am Münchner Ifo-Institut gewesen, hatte sich in jüngster Zeit aber nicht nur zu seinen fachlichen Schwerpunkten wie Brexit und Globalisierung geäußert. Auch in der Corona-Krise brachte er sich in die Debatte ein. Er übte Kritik an den staatlichen Corona-Hilfen in Deutschland und entwickelte zusammen mit dem IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths ein Alternativmodell, das zielgerichteter das Eigenkapital der krisengeplagten Unternehmen stärken sollte statt pauschal Hilfsprogramme an Umsatz und Fixkosten auszurichten. Felbermayr gilt als liberaler Ökonom, der für Freihandel und offene Märkte streitet und auch in der Klimapolitik Protektionismus und staatliche Lenkung ablehnt.

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