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F.A.Z. exklusiv : Dieser Ökonom ist Favorit für das Kieler Forschungsinstitut

Gabriel Felbermayr forscht derzeit am Ifo-Institut in München. Bild: Ifo-Institut

Das Institut für Weltwirtschaft sucht einen Nachfolger für seinen langjährigen Chef. Ein Österreicher ist im Gespräch. Dabei geht es auch um Grundsätzliches.

          Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel sucht einen Nachfolger für seinen Präsidenten Dennis Snower, der im Februar 2019 ausscheidet. Ein Favorit ist nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus Wissenschaftskreisen Gabriel Felbermayr, bislang Direktor des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft in München. Die Kieler Berufungskommission bemühte sich zudem auch um weibliche Kandidaten.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Mitte nächster Woche wird die Berufungskommission, bestehend aus Vertretern des IfW und der Kieler Universität, eine Liste mit voraussichtlich zwei Namen beschließen, über die dann der Senat, der Convent und der Rektor der Christian-Albrechts-Universität entscheiden. Das IfW-Präsidentenamt hängt mit einer Professur an der Universität Kiel zusammen. Felbermayr wollte sich auf Anfrage nicht zu der Personalie äußern. Auch Sonja Peterson, die Wissenschaftliche Geschäftsführerin des IfW, lehnte jeden Kommentar ab.

          Die Suche nach einem Nachfolger für den 66 Jahre alten Snower wird in Kiel seit längerem unter größter Geheimhaltung betrieben. Dabei spielt ein Trauma eine Rolle. Denn bevor Snower 2004 das Institut übernahm, waren mehrere anderer Kandidaten als Präsident ausgewählt worden. Als Dritter gab schließlich der Makroökonom Michael Burda den Kielern 2003 einen Korb. Dies führte zu einer unangenehmen Hängepartie.

          „Weltwirtschaftliches Profil“

          Snower führt die traditionsreiche Kieler Denkfabrik nun seit mehr als dreizehn Jahren. Das IfW galt unter seinen Vorgängern Herbert Giersch und Horst Siebert als klar marktwirtschaftliches Institut, das von den siebziger Jahren bis nach der Jahrtausendwende wichtige Reformimpulse für Deutschland lieferte. Der in Wien geborene Amerikaner Snower rückte von dieser ordnungspolitischen Ausrichtung ab und wählte einen eher „weichen Kurs“, der soziale Belange stärker betont.

          Das gefiel nicht allen. „Es rumort mächtig im Institut, und das seit Jahren“, sagte ein ehemaliger Abteilungsleiter der F.A.Z. Unter Snower fiel das IfW in der öffentlichen Wahrnehmung zurück, diese dominierten das Münchner Ifo-Institut und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

          Nun ist die Überlegung, wieder klarer das „weltwirtschaftliche“ Profil des IfW zu schärfen. Dafür wäre Felbermayr geeignet. Der gebürtige Österreicher, 41 Jahre alt, hat sich als Außenhandelsökonom einen Namen gemacht und kann starke wissenschaftliche Publikationen, mehrere Forscherpreise und Erfahrung beim Führen von Forscherteams vorweisen.

          Zudem ist er in der öffentlichen Debatte als Stimme deutlich vernehmbar, etwa in der aktuellen Diskussion über die protektionistische Handelspolitik der amerikanischen Regierung. Er ist ein engagierter Vertreter von Freihandelspolitik und hat für die Abkommen Ceta und TTIP geworben. Auch zum Brexit hat sich Felbermayr geäußert. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung warnte er vor einer Politik der EU, die Briten bestrafen zu wollen.

          Am Kieler Institut für Weltwirtschaft arbeiten rund 170 Personen, davon 90 Forscher. Das Jahresbudget beläuft sich auf rund 14 Millionen Euro.

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