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G-20-Gipfel : Merkel kämpft gegen die Killerkeime

  • -Aktualisiert am

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Bild: AFP

Viele Menschen sterben, weil immer mehr Bakterien gegen Antibiotika immun sind. Kanzlerin Merkel setzt das Thema beim G-20-Treffen hoch auf die Agenda.

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          Als Hamburger, sagt Stephan Hofmeister, könne man die Abkürzung „G20“ ja nur noch „mit Zahnschmerzen“ aussprechen. Doch dann fällt dem Allgemeinmediziner, der seit kurzem Vizechef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Berlin ist und den Trubel in seiner Heimatstadt aus der Ferne verfolgt, doch noch etwas Positives zu dem Großereignis ein. Auf der Tagesordnung des Gipfels, die vom Freihandel bis zum Klimaschutz reicht, stehe mit dem Kampf gegen Antibiotikaresistenzen „mindestens ein vernünftiges Thema“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Tatsächlich befasst sich die Runde erstmals mit Gesundheitspolitik. Am Samstag, dem zweiten Gipfeltag, stehen Themen wie Antibiotikaresistenzen und internationale Gesundheitssicherheit an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das schon in einer kleineren Runde beim Treffen der G-7-Staaten debattieren lassen, vor zwei Jahren im bayerischen Elmau. In Hamburg will Merkel, die weder Flugzeugträger nach Nordkorea schicken noch Marschflugkörper gegen die Terroristen des IS abfeuern kann, diese Karte deutscher politischer Softpower noch einmal ausspielen.

          Globale Gesundheitspolitik sei „zu einem Markenzeichen der internationalen Verantwortung unseres Landes geworden“, sagt Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Erst Mitte Mai hatte er seine Ministerkollegen der G20 nach Berlin geladen. Zum Programm gehörte auch eine ministerielle Notfallübung nach einem angenommenen Seuchenausbruch.

          Merkels Botschaft

          Notfallübungen hat Merkel in der Hamburger Messehalle nicht eingeplant. Aber sie hat den seit einer Woche amtierenden Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, geladen und bietet ihm die Bühne für seinen ersten großen Aufritt im neuen Amt. Dass Tedros aus Äthiopien kommt, passt zum Generalthema des Gipfels: die Entwicklung Afrikas.

          Merkel und Tedros haben eine Botschaft: Ohne ausreichende medizinische Versorgung und eine schnelle, zuverlässige Bekämpfung von Seuchen wie Ebola mit 11.300 Toten vor drei Jahren, Cholera- oder Gelbfieber-Epidemien ist eine wirtschaftliche Entwicklung nicht möglich. Ohne ökonomische Basis aber werden Armut und Flucht beherrschende Themen der internationalen politischen Tagesordnung bleiben.

          Tedros hat gerade erst darauf verwiesen, dass 400 Millionen Menschen in der Welt ohne Zugang zu Gesundheitsversorgung seien. Auch deshalb kann sich die internationale Gesundheitspolitik Hoffnung auf ein, zwei Absätze im G-20-Abschlusskommuniqué machen. Einfach wird das nicht, denn der isolationistische Kurs von Amerikas Präsident Donald Trump hat auch Folgen für sie. Amerika steht als einer der größten Geldgeber auf der Bremse. Neue Initiativen, die auch von irgendwem bezahlt werden müssen, sind deshalb kein Selbstläufer.

          CDU verankert Thema im Regierungsprogramm

          In Deutschland steht das Thema Resistenzen gegen Antibiotika, die auch hier Zehntausende vorzeitig das Leben kosten, ganz oben auf der gesundheitspolitischen Tagesordnung. Immer öfter fehlen wirksame Arzneien gegen bösartige Keime, weil die Leute sich durch das viele, oft unnötige Einnehmen von Antibiotika gegen die Wirkstoffe immunisieren. Auch die großzügige Gabe von Antibiotika in der Tierhaltung spielt dabei eine unrühmliche Rolle.

          Das war ein wichtiges Thema im „Pharmadialog“, den Regierung und Industrie vier Jahre lang geführt haben. Ein Ergebnis war die 2015 verabschiedete Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie. Wie wichtig Merkel das Thema ist, zeigt auch die Tatsache, dass Pharmaforschung und Antibiotika ein Absatz im „Regierungsprogramm“ der CDU für die Zeit nach der Wahl gewidmet wurde. Drei Milliarden Euro, so hat die Kanzlerin an anderer Stelle gesagt, sollten in die Erforschung von Krebs, Diabetes und Demenz sowie in neue Antibiotika investiert werden.

          Keine Antibiotika bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit

          Zur Beantwortung der Frage, wie man die Industrie dazu bewegen könne, Wirkstoffe teuer zu entwickeln, die sie am Ende nur in kleinen Mengen verkaufen kann, hat Gröhe ein voluminöses Gutachten schreiben lassen. Das Resultat: Der Staat sollte für Hersteller für vorab bestellte Wirkstoffe eine Milliardenprämie ausloben. Ein globaler Fonds könnte zudem die Grundlagenforschung stärken. Die WHO erstellt schon eine neue Liste der weltweit gefährlichsten Bakterien.

          Merkel hat zum Gipfel noch einen Antibiotika-Bericht bestellt. Autoren sind diesmal die WHO, die Industriestaaten-Organisation OECD samt den Weltorganisationen für Ernährung (FAO) und Tiergesundheit (OIE). Im Ergebnis, sagen Fachleute, stehe da wenig Neues drin, wohl aber werde die Dringlichkeit des Handelns betont. Wie so oft gebe es kein Problem mit der Erkenntnis, sondern mit deren Umsetzung in Handlungen.

          Hausarzt Hofmeister jedenfalls betreibt ganz unabhängig vom Ausgang des Gipfeltreffens ein eigenes Widerstandsprojekt. Das heißt Resist und hat nichts mit den Protesten gegen den Gipfel zu tun. Das mit den Ersatzkassen aufgelegte Pilotprojekt soll bis zum Herbst 3000 Ärzte dazu bringen, mit ihren Patienten zumindest bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit eine Therapie möglichst ohne Antibiotika zu verabreden – damit die Mittel, die heute auf dem Markt sind, noch lange wirksam bleiben.

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