https://www.faz.net/-gqe-70r6z

G-20-Gipfel : Ernährung der Welt ist das größte Problem

  • Aktualisiert am

Positiv wurde aber aufgenommen, dass die G20-Staaten im Kommuniqué chronische Mangelernährung als „enorme Belastung“ für Gesellschaften anerkannten Bild: REUTERS

Wegen des starken Anstiegs der Weltbevölkerung müsse die Produktion von Nahrungsmitteln um bis zu 70 Prozent anwachsen. Dies stellten die größten Industrie- und Schwellenländer im Abschlusskommuniqué fest.

          2 Min.

          Die Ernährung der Welt wird aus Sicht der G20-Staaten eine der größten Herausforderungen in den nächsten Jahrzehnten. Wegen des starken Anstiegs der Weltbevölkerung von heute 7 auf 9,3 Milliarden bis 2050 müsse die Produktion von Nahrungsmitteln um 50 bis 70 Prozent anwachsen, stellen die größten Industrie- und Schwellenländer (G20) in dem Abschlusskommuniqué auf ihrem Gipfel in Los Cabos in Mexiko fest. In Entwicklungsländern müsse die Produktion sogar fast verdoppelt werden, hieß es weiter.

          Die G20-Gruppe bekräftigte, ihre Kernziele seien „starkes, nachhaltiges und ausgewogenes Wachstum“ sowie der Kampf gegen Armut. Mehr als die Hälfte der Ärmsten der Welt lebt in G20-Ländern. Doch wurden keine neuen Finanzmittel zugesagt. Hilfsorganisationen übten scharfe Kritik an der unentschlossenen Haltung der G20-Staaten, die Probleme konkret anzugehen. „Politischer Mut scheint in Los Cabos Mangelware zu sein“, sagte der Präsident der Hilfsorganisation One, Michael Elliott.

          Kritik von Aktionsgruppen

          Es kam zu einem Eklat, als Mexikos Außenministerium drei Stunden vor Gipfel-Ende eine Pressekonferenz von Aktionsgruppen unterbrach, als diese ihre Kritik äußerten. Christina Weller von der katholischen britischen Entwicklungsorganisation CAFOD bescheinigte den G20 „einen Mangel an konkretem Engagement und einen noch größeren Mangel an Taten“. Die Aktivisten beklagten auch, dass die Probleme mit Biosprit als Treiber von Nahrungsmittelpreisen ausgeklammert worden seien.

          Positiv wurde aber aufgenommen, dass die G20-Staaten im Kommuniqué chronische Mangelernährung als „enorme Belastung“ für Gesellschaften anerkannten. Die G20 wollen auch eine stärkere Beteiligung an der SUN-Initiative (Scaling Up Nutrition) der Vereinten Nationen zur Verbesserung der Ernährungslage fördern. Im Kampf gegen starke Preisschwankungen bei Nahrungsmitteln soll die Transparenz von Warentermingeschäften verbessert und Missbrauch verhindert werden, was auch außerbörslichen Handel einbeziehen soll.

          Das Landwirtschaftliche Marktinformationssystem (AMIS) wird dafür unterstützt, um etwa bessere Kenntnisse über Lagerbestände von Agrarrohstoffen zu erlangen, was Spekulationen eindämmen könnte. Die G20 ermutigen auch die Einhaltung der freiwilligen Richtlinien der UN für den verantwortlichen Umgang mit Land, Wald und Fischbeständen, die den Kleinbauern mehr Rechte und Mitsprache einräumen, was Aktivisten begrüßten. Damit kann besser dem Ausverkauf von Land mit zweifelhaften Methoden (Landgrabbing) an Investoren begegnet werden.

          Die G20 beauftragten ihre Arbeitsgruppe für Entwicklung, Nahrungsmittelsicherheit, Infrastruktur und sozial gerechtes, grünes Wachstum in den Mittelpunkt zu rücken. Die G20 wollen auch besser Rechenschaft über die Einhaltung ihrer selbst gesteckten Ziele geben.

          Weitere Themen

          Boeing bringt Produktionsstopp ins Gespräch Video-Seite öffnen

          Unglücksmaschine : Boeing bringt Produktionsstopp ins Gespräch

          Das Startverbot für die Unglücksmaschine 737 Max hat den US-Flugzeugbauer drastische Reaktionen in Erwägung ziehen lassen. Der US-Flugzeugbauer könnte die Produktion der 737 drosseln oder vorübergehend einstellen.

          Was wissen Sie von 2019?

          Gewinnspiel : Was wissen Sie von 2019?

          Der Jahresrückblick als Quiz mit einem Auto als Hauptpreis: Was haben Sie sich gemerkt von Managern, Marken und der Politik? Noch drei Tage können Sie teilnehmen.

          Topmeldungen

          „Mächtig stolz“ auf die sozialdemokratische Politik: die kommissarische SPD-Vorsitzende Malu Dreyer nach ihrer Rede auf dem Parteitag in Berlin

          Parteitag in Berlin : „Die SPD ist Volkspartei, und wird es immer bleiben“

          Die SPD könne „mächtig stolz“ sein auf das, was sie erreicht habe, findet die kommissarische Vorsitzende Malu Dreyer. Viele Menschen würden die SPD aber nicht mehr als Wertepartei erleben, sondern als „Taktikpartei“.
          Historischer Altbau oder doch die Hochhauswohnung? Was sich die Deutschen leisten können, hängt nicht nur von der Region ab, sondern kann auch je nach Stadtviertel stark variieren.

          F.A.Z. exklusiv : So teuer ist Wohnen in Deutschland

          Eine Bude in München oder doch lieber das große Traumhaus in Thüringen? Der F.A.Z. liegen exklusiv Zahlen vor, die belegen, wie groß die Preisunterschiede zwischen Städten, Regionen und sogar Stadtteilen tatsächlich sind.

          Bei Auftritt in Iowa : Joe Biden beschimpft Wähler

          Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa beschimpft Joe Biden einen 83 Jahre alten Mann als Lügner, weil der ihn wegen der Ukraine-Affäre kritisiert: „Ich wusste, dass Sie mich nicht wählen werden, Mann, Sie sind zu alt.“
          Erinnert ein wenig an einen Fernsehturm: Der Baum auf dem Weihnachtsmarkt in Vilnius.

          Europas Weihnachtsbaum-Contest : O Tannenbaum!

          Der Weihnachtsbaum ist auch nicht mehr, was er einmal war. Verstößt er gegen die ökologische Correctness? Soll eine Attrappe aus Plastik her? Wenigstens wissen wir, wo Europas angeblich schönster Christbaum steht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.