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Fußball : Zwischen Privatsphäre und Publizitätspflicht

  • -Aktualisiert am
Am Boden: Heiko Herrlich
          2 Min.

          Am frühen Morgen lief es über die Ticker der Agenturen. Unter dem Stichwort „Ad-hoc-Service Borussia Dortmund“ war zu lesen: „Bei dem Lizenzspieler Heiko Herrlich sind Sehstörungen aufgetreten. Zwischenzeitliche medizinische Untersuchungen haben ergeben, dass die Sehstörungen auf einen Gehirntumor zurückzuführen sind. Die fachärztlichen Untersuchungen dauern an. Eine vollständige Genesung erscheint aus jetziger Sicht möglich.“

          So weit, so bedauerlich.Die Veröffentlichung der Privatsphäre des Fußballspielers hat jedoch Methode. Sie kann durchaus unterschiedlich bewertet werden. Auf der einen Seite wird der Veröffentlichungspflicht eines börsennotierten Unternehmens Genüge getan. Dazu hat sich Borussia Dortmund mit dem Börsengang als erster deutscher Fußballverein verpflichtet.

          Spieler aus Investorensicht

          Die Profispieler sind aus Sicht des Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) Teil des Unternehmenskapitals. „Wichtige Personalveränderungen sind grundsätzlich dazu geeignet, relevante Kursauswirkungen zu initiieren“, sagt Regina Nößner, Pressesprecherin des BAWe. „Damit ist eine Ad-hoc-Mitteilung geboten.“ Eine solche Meldung soll allen Marktteilnehmern die gleichen Chancen geben, ihr betroffenes Investment zu überdenken und Insiderhandel aufgrund exklusiver Informationen vorzubeugen.
          Auf der anderen Seite wird die Krankheit einer Person über die Nachrichtenagenturen aktiv auf den Markt getragen. Im Fall Heiko Herrlich war die Mitteilung mit dem betroffenen Spieler abgesprochen, erklärte Michael Meier, Manager von Borussia Dortmund. Die Betreuerbanken und die Anwälte hätten dem Verein empfohlen, angesichts der Ernsthaftigkeit der Erkrankung die Nachricht zu veröffentlichen, so Meier.

          Details sind nicht wichtig

          Das genau ist jedoch der Punkt. Die Empfehlung eine „ernste Erkrankung“ als Ad-hoc-Meldung in die Welt hinaus zu entlassen. Das entscheidende Kriterium war nicht der Wille Herrlichs, Spekulationen über sein Leiden vorzubeugen. Anders als die Beraterbanken des BVB sieht es Nößer von der BAWe: „Die Details der Krankheit sind nicht von Interesse. Es genügt zu sagen, dass der Spieler ausfällt und wie lange er nach aller Voraussicht ausfällt.“ Diese Aussage wird auch von Investorenseite gestützt: Thomas Jökel, Manager eines Sport-Fonds der Union Investment, sagt: „Für mich ist es nicht entscheidend, wegen welcher Ursachen ein Spieler nicht eingesetzt werden kann. Die Tatsache, dass er nicht eingesetzt werden kann, ist wichtig.“

          Mit seiner Meldung ist der BVB weit über das Ziel, kursrelevante Nachrichten zu publizieren, hinausgeschossen. Heiko Herrlich, mag es diesmal recht gewesen sein. Die Publikationspflicht verlangt jedenfalls keine Intimitäten dieser Art.

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