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Fußball-Übertragungsrechte : Auf’m Platz

Der Bezahlsender Sky wird für weitere vier Jahre die Spiele der Fußball-Bundesliga live übertragen. Er zahlt dafür die Rekordsumme von fast 2 Milliarden Euro. Ob sich das für den Sender auszahlt wird davon abhängen, wie Sky die zusätzlich erworbenen Rechte für Internetfernsehen und mobile Endgeräte nutzt.

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          Adi Preißlers überkommene Fußball-Weisheit „Entscheidend ist auf’m Platz“ hat für das deutsche Bezahlfernsehen noch nie so viel Gültigkeit gehabt wie nach der jüngsten Ausschreibung der Übertragungsrechte der Bundesliga. Denn für Sky Deutschland stand die Existenz auf dem Spiel. Ohne die Live-Berichterstattung von den Spielplätzen hätte sich das Unternehmen von Großaktionär Rupert Murdoch wohl aus dem schwierigen deutschen Fernsehmarkt zurückziehen müssen. Dass es dazu nun nicht kommt, liegt an der stattlichen Summe von 485 Millionen Euro, die Sky sich das Fußball-Vergnügen für jede der vier Spielzeiten der Jahre 2013 bis 2017 kosten lässt. Sky zahlt damit pro Saison durchschnittlich 210 Millionen Euro mehr als bislang.

          Schon in der jüngeren Vergangenheit war es der Kirch-Nachfolgegesellschaft nicht geglückt, Geld zu verdienen. Viel wird davon abhängen, wie Sky die zusätzlich erworbenen Rechte für Internetfernsehen und mobile Endgeräte nutzt. Denn erst seit dieser Ausschreibung kann Sky seinen Abonnenten Fußball auf allen Plattformen zeigen, die es gibt - daheim im Wohnzimmer im Fernsehen oder vor dem Rechner, unterwegs auf dem Tablet-PC oder Smartphone.

          Die Vervielfachung der Vertriebskanäle ist zugleich eine Wette auf den in seiner Breitenwirkung noch unbekannten Umgang der Menschen mit den jungen Medien. Immerhin gehören Bewegtbilder aus der Bundesliga zu den wenigen Internetangeboten, für die Kunden bereit sind, einen nennenswerten Geldbetrag zu zahlen. Darauf setzt das Berliner Verlagshaus Axel Springer, das die erstmals ausgeschriebenen Rechte für Webvideo-Zusammenfassungen gekauft hat.

          Wenn Ligapräsident Rauball am Dienstag davon sprach, es habe in der Auktion keine Verlierer gegeben, so ist das aus Sicht der 36 Bundesliga-Klubs richtig. Sie erlösen die Rekordsumme von 2,5 Milliarden Euro. Die Rechnung bezahlt am Ende der Zuschauer. Im Bezahlfernsehen von Sky ist er so frei, das Abonnement bei Nichtgefallen zu kündigen. Der deutsche Gebührenzahler indes muss wieder einmal hinnehmen, dass der mit acht Milliarden Euro im Jahr ausgestattete teuerste öffentlich-rechtliche Rundfunk der Welt bei diesem Fußball-Wettbieten munter mitgemischt hat. In dem milliardenschweren Finale waren ARD und ZDF von vorneherein gesetzt.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

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