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Fußball : Die Klubs der Milliardäre

Ball spielen, Steuern sparen, Spaß haben: Immer mehr namhafte Fußballvereine der englischen Spitzenliga werden zum Spielball branchenfremder Investoren.

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          Immer mehr namhafte Fußballvereine der englischen Spitzenliga werden zum Spielball branchenfremder Investoren. Die Milliardäre aus dem Ausland wittern im zunehmend globalisierten Profisport eine attraktive Kapitalanlage, und sie gehen bei ihren sportlichen Engagements in Großbritannien stets diskret und möglichst steuersparend vor. Ob nach dem vor wenigen Wochen vollzogenen Eigentümerwechsel beim Londoner Traditionsverein "FC Chelsea", den der russische Milliardär Roman Abramowitsch vollständig übernommen hat, oder im Zuge des Einstiegs neuer Großaktionäre beim börsennotierten Sportkrösus "Manchester United" - bei allen größeren Transaktionen in der englischen "Premier League" waren Investmentvehikel mit im Spiel, die ihren Geschäftssitz in beliebten Steuerparadiesen wie Guernsey, Zypern oder den britischen Virgin Islands haben. Am Rande geht es aber immer noch um Sport. Niederlagen gegen den reichsten Fußballklub der Welt bringen Ken Bates auf den moralischen Tiefpunkt. Der Chairman vom Londoner Klub "FC Chelsea", dessen Jähzorn gefürchtet ist, holt danach meist zum verbalen Gegenschlag aus: "Wir sind das Manchester United des Südens", tönt er, "während die in einer tristen Industriestadt residieren, liegt bei uns eine Nobeleinkaufsmeile wie die King's Road gleich um die Ecke."

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Rivale im englischen Norden reagiert auf die Attacken des Sprücheklopfers kühl: "Sportlich liegen zwischen uns und Chelsea Welten", heißt es in der Klubzentrale. Der Hieb sitzt. Denn während die Stars der "Reds" aus Manchester seit Jahren die Spitze der "Premier League" dominieren, dümpelten die "Blauen" aus London im Mittelfeld der englischen Oberliga. Geht es nach Bates, sind die Tage des Frusts aber bald vorbei. Um endlich mit dem Angstgegner aus Manchester sportlich wie finanziell gleichzuziehen, rang sich der 71 Jahre alte Geschäftsmann vor wenigen Wochen sogar zu einem Eigentümerwechsel bei seinem Verein durch: Bates, der 1982 den damals konkursreifen "FC Chelsea" zum symbolischen Preis von einem Pfund übernahm, reichte im Juli den Londoner Traditionsklub für 140 Millionen Pfund an den russischen Milliardär Roman Abramowitsch weiter.

          Der jüngste Einstieg eines ausländischen Investors bei einem britischen Erstligisten stellt den vorläufigen Höhepunkt einer Übernahmewelle dar, die nach Ansicht von Fachleuten künftig weitere Spitzenvertreter des englischen Profifußballs erfassen dürfte: Neben vergleichsweise erschwinglichen Vereinen wie "Aston Villa" oder "Westham United" gilt inzwischen auch der im Besitz von Mohamed Al Fayed befindliche "FC Fulham" als attraktives Kaufobjekt: Der Eigentümer des britischen Nobelkaufhauses "Harrods" und des feudalen Hotels "Ritz" in Paris hatte sich 1997 den damals zweitklassigen Fußballverein aus dem Süden Londons für 10 Millionen Pfund einverleibt und dann in die Spitzenliga gehievt. Doch mittlerweile scheint das Interesse des Millionärs aus Ägypten an Geschäften in Großbritannien und somit am heimischen Fußball erloschen zu sein. Nach jahrelangem Streit mit den heimischen Finanzbehörden zog sich Al Fayed schmollend in die Schweiz zurück. Falls er einen Käufer findet, sagen Vertraute, würde er sich von seinem Klub trennen.

          Ganz im Gegensatz zu Rupert Murdoch. Der amerikanisch-australische Medienzar wollte vor drei Jahren unbedingt "Manchester United" übernehmen, blieb dabei aber erfolglos. Kaum hatten allerdings britische Kartellwächter und Londons Premier Tony Blair den kühnen Plan von Murdoch durchkreuzt, rückten dort reiche Investoren aus dem Ausland an: Im Aktionärskreis von "Manchester United" haben jetzt die irischen Millionäre John Magnier und John Patrick McManus das Sagen. Murdochs Bezahlfernsehsender BSkyB, der die Spiele der "Premiere League" landesweit vermarktet, sitzt mit 10 Prozent mit im Boot. Doch beim englischen Fußballmeister fühlen längst weitere Privatinvestoren aus Europa und den Vereinigten Staaten vor, heißt es im Umfeld des Klubs.

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