https://www.faz.net/-gqe-6z5qt

Fußball an der Börse : Die Aktie Borussia

Dortmund wird deutscher Fußballmeister. Soll man deshalb Borussia-Aktien kaufen?

          2 Min.

          Jetzt ist die Zeit der kessen Lippe. Aus Dortmund trötet es: Kauft Borussia-Aktien! Was ist passiert? Die operative Abteilung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA hat im Kerngeschäft Fußball einen Erfolg gegen den wichtigsten Gegner FC Bayern München AG (nicht börsennotiert) erreicht und nährt damit die Hoffnung, das Team werde deutscher Fußballmeister. Die Meisterschaft im Business Fußball bedeutet zusätzliches Geld aus der Fernsehvermarktung und von Sponsoren.

          Der Aktien-Tipp ist gleichwohl mies. Das Timing stimmt nicht, und aus ganz prinzipiellen Gründen kann man Aktionäre nur vor einem Engagement im Fußballgeschäft warnen.

          Gegen den Zeitpunkt spricht zweierlei: Wenn der letzte Hansel erwartet, dass eine börsennotierte Gesellschaft erfolgreich sein wird, dann ist es höchste Zeit, eine Aktie zu verkaufen. Profi-Anleger tun das ohnehin, weshalb die Borussia-Aktie zuletzt leicht verloren hat: Von 2,58 Euro auf 2,56 Euro.

          Das Erpressungspotential des operativen Personals

          Das andere Argument hängt am Erpressungspotential des operativen Personals. In wenigen börsennotierten Gesellschaften ist der sportliche und damit der wirtschaftliche Erfolg von so wenigen zentralen Figuren abhängig wie bei Fußball-AGs.

          Die Spieler und ihre Berater wissen das und pokern ungeachtet geltender Anstellungsverträge um mehr Geld. Dabei geht es nicht um vier bis fünf Prozent, wie wir es aus Tarifauseinandersetzungen kennen, sondern gerne um hundert Prozent. Mit zwei Schlüsselspielern wird in Dortmund über eine Gehaltsverdoppelung auf drei Millionen Euro verhandelt, ein dritter junger Mann hat seinen privaten, höchst lukrativen Tarifabschluss schon hinter sich gebracht.

          Fußball ist für Aktionäre meist ein schlechtes Geschäft

          Es geht nicht um Details, sondern um viel Geld für eine Fußball-Firma, die lange verlustträchtig war und erst seit kurzem knapp zweistellige Millionen-Gewinne vor Steuern schreibt. Schon zuletzt sind die Personalkosten kräftig gestiegen, obwohl ein Großverdiener vor Saisonbeginn Richtung Real Madrid verschwand. Fußball ist ein tolles Geschäft für gute Spieler. Es ist auch nicht schlecht für Marken-Konzerne, denen er zur Bekanntheit verhilft. Schließlich ist er geradezu zentral für das Bezahlfernsehen. Es gibt in Europa so gut wie kein Pay-TV, dass ohne Fußballübertragungsrechte funktioniert. Allein für die Fußball-Aktionäre ist es ein schlechtes Geschäft.

          Das lehrt nicht zuletzt ein Blick in das Mutterland des Fußballs und der börsennotierten Fußball-Clubs. Der britische Fußball hat Schulden in Höhe von mehr als vier Milliarden Euro aufgetürmt, viele Teams verordnen sich Sparkurse, um die Pleite abzuwenden. Die europäische Dachorganisation Uefa ist tief besorgt, zumal die Mehrheit der europäischen Proficlubs regelmäßig rote Zahlen schreibt.

          Fußballclubs sind nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet

          Die notorische Schwäche ist zwangsläufig: Neben der Fähigkeit zentraler Spielerfiguren, zusätzliche Erlöse in die eigene Taschen zu lenken, gibt es ein zentrales Hemmnis: Die Clubs sind gerade nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet. Sie wollen nur am Leben bleiben, vor allem aber wollen sie Meisterschaften gewinnen oder zumindest europäische Wettbewerbe erreichen. Jedes Jahr kalkulieren mehr Clubs den Geldsegen aus dem Erreichen europäischer Wettbewerbe ein, als ihn erreichen können. Deshalb sind unerwartete Verluste die Regel im Bundesligaalltag.

          Eine große Finanzkraft ist nicht das Ziel der betriebswirtschaftlichen Bestrebungen, sondern eine Voraussetzung für guten und für erfolgreichen Fußball. Wären Clubs ganz normale Unternehmen, dann gäbe es einige, die sich auf den Spielerhandel konzentrierten. Sie würden gute Nachwuchskräfte suchen, schnell ausbilden, ins Schaufenster stellen und von der Handelsspanne leben. Das macht kein Club, zumindest nicht freiwillig. Er würde es sich mit seinen Konsumenten verderben, den Fans.

          Man darf natürlich trotzdem Fußball-Aktien kaufen. Und dann übers Bett hängen als Souvenir.

          In wenigen AGs ist der Erfolg von so wenigen Figuren abhängig wie in Fußball-AGs.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Matthew McCarthy ist Vorstandschef von Ben & Jerry‘s: Der Eishersteller malt den Kunden in seiner Werbung eine heile Welt aus.

          Eishersteller Ben & Jerrys : Politik an der Eistheke

          Die amerikanische Eismarke Ben & Jerry’s wurde einst von Hippies gegründet – seit jeher haben faire Bezahlung und nachhaltige Produktion Priorität. Heute kämpft der Chef Matthew McCarthy gegen Präsident Donald Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.