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Die Woche an der Börse : Furcht vor Inflation setzt Anleger unter Stress

Die Angst vor der Inflation ist zurück. Bild: AP

Die Anspannung der Anleger lässt sich deutlich an den Volatilitäts-Indizes ablesen, die Schwankungen an den Märkten messen und prognostizieren. Doch ist Furcht ein guter Ratgeber?

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          Angst ist nie ein guter Ratgeber. Das gilt im realen Leben wie an der Börse. Das Monster, das nun unter dem Bett lauert, hört auf den Namen Inflation. Und das macht die Investoren an den Aktienmärkten deutlich nervös, man könnte fast sagen: Ängstlich. Das schöne an der Börse ist: Man kann diese Angst sogar ganz rational messen. Dafür gibt es verschiedene Indizes, etwa in den Vereinigten Staaten den VIX.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der VIX drückt die erwartbare Schwankungsbreite des breit aufgestellten amerikanischen Index S&P 500 aus. Zur Berechnung werden Optionspreise herangezogen. Und in dieser Woche ist der Index von weniger als 17 Punkten auf mehr als 28 Punkte hochgeschnellt – ein Plus von rund 70 Prozent in der Spitze. Bis Freitagnachmittag beruhigte sich der Index wieder auf rund 22 Punkte, liegt aber immer noch mit 40 Prozent stark im Plus. Das ist ebenfalls das höchste Niveau seit Anfang März.

          Auch an den Deutschen Börsen hat die Nervosität zugenommen, wenn auch nicht so stark. Der VDAX-NEW, der die Nervosität der Dax-Investoren misst, sprang in der Spitze um 45 Prozent nach oben, um am Freitagnachmittag noch immer 30 Prozent höher zu liegen als zu Wochenbeginn.

          Das drückt sich natürlich auch in den Kursen aus: Der deutsche Aktienindex DAX verlor in dieser Woche 1,1 Prozent und notierte zum Freitagnachmittag auf 15247 Punkten. Damit konnte er sich von seinem Wochentief von 14816 Punkten, als er zeitweise fast 4 Prozent im Minus notierte, deutlich erholen.

          Doch was ist eigentlich mit dem Monster unter dem Bett, der Inflation, das die Kurse diese Woche auf Talfahrt geschickt hat? Aufgeschreckt wurden die Börsianer vom Inflationssprung in den Vereinigten Staaten: Die Teuerung stieg im April um 4,2 Prozent, nach plus 2,6 Prozent im Vormonat – also über dem Inflationsziel von 2 Prozent.

          Notenbanken zeigen sich gelassen

          Noch geht aber zum Beispiel die amerikanische Notenbank Fed davon aus, dass der starke Anstieg der Teuerung in den Vereinigten Staaten nur vorübergehend ist und für ein Anziehen der Wirtschaft spricht. Stellt sich die Inflation dagegen als dauerhaft heraus, müssen die Notenbanken intervenieren und die Geldpolitik straffen. Auch die Zinsen könnten dann wieder steigen. Das ist so lange kein Problem, wie sie unter dem Wirtschaftswachstum oder der Inflation liegen.

          Auch diesseits des Atlantiks erwarten Anleger eine vorzeitige Straffung der Geldpolitik. Daher trennten sie sich von Staatsanleihen. Das trieb die Rendite der zehnjährigen Bundestitel zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Hoch von minus 0,096 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hält aber den Anstieg auch hier nur für temporär.

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