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Fujifilm-Präsident Shigetaka Komori : „Wir haben dieses Geschäft neu definiert“

  • Aktualisiert am

Das macht Olympus angreifbar. Deren Geschäft mit Endoskopen hätte gut zu Fujifilm gepasst. Warum nutzten Sie die Möglichkeit nicht?

Wir waren bereit.

Also wollte Olympus nicht verkaufen?

Olympus ist nach wie vor eine börsennotierte Gesellschaft, die mit Tokyo Mitsubishi und Mitsui Sumitomo zwei starke Hausbanken hinter sich stehen hat. Wäre Olympus von der Börse gegangen, hätten wir eine andere Lage.

Die Chance ist vorbei?

Nun, wir haben Olympus ein Angebot zur Zusammenarbeit gemacht. Ende April haben sie ein neues Management ernannt. Das muss nun entscheiden.

Wie sieht das Angebot aus?

Darüber will ich jetzt nichts sagen.

Eine Übernahme ist ausgeschlossen?

Wenn ich im Management von Olympus wäre, würde ich auch alles daran setzen, selbständig zu bleiben.

Sie haben Leica nicht kaufen wollen, Sie haben Olympus nicht kaufen können. Wo wollen Sie mit Fujifilm hin?

Das Filmgeschäft ist unsere Wurzel, das wird es auch bleiben. Doch wir haben dieses Geschäft neu definiert. In Zeiten massenhafter Digitalfotografie sind klassische Fotofilme ja fast schon vom Markt verschwunden. Schauen Sie nur, was mit unseren einstigen Wettbewerbern passiert.

Shigetaka Komori in der Fujifilm-Fabrik in Tilburg.
Shigetaka Komori in der Fujifilm-Fabrik in Tilburg. : Bild: AFP

Wohin wollen sie denn nun?

Wir sind nach wie vor sehr erfolgreich im Geschäft mit Kameras, Objektiven und Fotobüchern. Dazu kommen Drucker und Bürotechnik. Wir sind schon vor Jahrzehnten mit Röntgenbildern in den Medizinbereich eingestiegen. Wir haben uns vor rund zehn Jahren dann aufgemacht, diese Entwicklungspfade weiterzugehen.

Was genau haben Sie da gemacht?

Wir haben das Unternehmen neu positioniert, haben uns vor sechs Jahren die Struktur einer Holding gegeben, haben gezielt zugekauft und über Jahre hinweg 6 und 8 Prozent unseres Erlöses in die Forschung und Entwicklung investiert. Das ist selbst für ein japanisches Unternehmen eine sehr hohe Quote.

Und was ist das Ergebnis?

Das Ergebnis ist, wir haben heute sechs Geschäftsfelder, in denen wir kräftig wachsen können: Medizinische Systeme, Grafische Systeme, Optische Geräte, Büro-Kommunikation, Digital Imaging und Funktionale Materialien. Alle diese Bereiche haben in irgendeiner Art und Weise mit Filmtechnologie zu tun.

Inwiefern?

Nun, das Geschäft mit Fotofilmen ist ein sehr komplexes und ein sehr kompliziertes. Schauen Sie sich nur mal an, was für Techniken und Technologie in so einen Film stecken. Sie müssen mehr als ein Dutzend Farbschichten auf ein Trägermaterial auftragen und keine darf in die andere übergehen, das bedeutet Präzisionsarbeit mit rund hundert hochfunktionalen Materialien. Das ist eine technische Höchstleistung. Das braucht Erfahrung, Methoden und Patente, die sie auch jenseits der Fotofilme einsetzen können.

Diese technischen Höchstleistungen aber haben andere auch vollbracht.

Sicher, aber wir haben sie konsequent weiterentwickelt. Wir sind in das Geschäft mit Kosmetik eingestiegen, wir sind in der Nano- und Biotechnologie tätig, und auch im Pharmageschäft.

Was bringt das?

Was das bringt? Das gibt uns Spielraum. Das stellt unser Geschäft auf eine breite Basis. Heute machen wir vielleicht noch 1 Prozent unseres Umsatzes mit traditionellen Fotofilmen.

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