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Softbank Group : Das Ende des amerikanischen Abenteuers

Der japanische Softbank-Konzern will seine finanzielle Basis stärken. Bild: AFP

Die Softbank Group verkauft Aktien im Wert von etwa 21 Milliarden Dollar an T-Mobile, der amerikanischen Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Mit dem Rückzug aus Amerika will der japanischen Konzern seine finanzielle Basis zu stärken.

          3 Min.

          Der japanische Technologie-Investor Softbank Group verkauft fast zwei Drittel seines Anteils an amerikanischen Telefondienstleister T-Mobile US im Wert von derzeit etwa 21 Milliarden Dollar (18,6 Milliarden Euro). Zugleich räumt Softbank der Deutschen Telekom AG, der Muttergesellschaft von T-Mobile, die Option ein, den größten Teil seiner restlichen Aktien zu erwerben. Wenige Tage vor der Hauptversammlung nähert der japanische Konzern sich mit der Transaktion dem angekündigten Ziel, durch Verkäufe von Beteiligungen die Barreserven um 41 Milliarden Dollar aufzustocken. Nach einigen schiefgelaufenen Investitionen in amerikanische Internet-Unternehmen hatte Softbank im vergangenen Geschäftsjahr mit 9 Milliarden Dollar den größten Verlust in der Unternehmensgeschichte gebucht.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Für den charismatischen Softbank-Gründer Masayoshi Son bedeutet der Verkauf der T-Mobile-Aktien das Ende vom amerikanischen Abenteuer. Son hatte mit Softbank 2013 den amerikanischen Mobil-Telekommunikationsanbieter Sprint für 21,6 Milliarden Dollar übernommen und gehofft, den dominierenden Anbietern AT&T und Vodafone Konkurrenz zu machen. Die Erwartungen waren groß. Schon in Japan hatte Son mit dem Anbieter Softbank Corp. mit aggressiven Angeboten und günstigen Preisen den dortigen Markt für Mobiltelefonie in Schwung versetzt.

          Expansion ohne nachhaltigen Erfolg

          Dabei half vor allem, dass es Son in Verhandlungen mit dem Apple-Gründer Steve Jobs der Coup gelungen war, das iPhone 2008 exklusiv nach Japan zu bringen. Ein solcher Vorteil aber fehlte Softbank in Amerika und es gelang nie, den kleineren Anbieter Sprint zum Konkurrenten der beiden Großen zu entwickeln. Ein Versuch, Softbank mit den damals noch kleineren Anbieter T-Mobile zu fusionieren, scheiterte unter der Regierung von Barack Obama am Bedenken der Kartellbehörden. Im April endlich gelangt die Fusion, diesmal unter Führung von T-Mobile.

          Mit dem am Dienstag verkündeten Geschäft wird Softbank bis zu 198 Millionen Anteile an T-Mobile im Wert von etwa 21 Milliarden Dollar an das amerikanische Unternehmen übergeben. T-Mobile wird dieser Aktien öffentlich am privat an Investoren anbieten. Auch Marcelo Claure, einer der Direktoren von T-Mobile, wird ein Teil der Anteile kaufen. Für diese Verkaufsdienstleistung zahlt Softbank T-Mobile 300 Million Dollar plus anfallende Gebühren.

          In einem zweiten Schritt erhält die deutsche Telekom die Option, in den kommenden vier Jahren weitere 101 Millionen Aktien an T-Mobile von Softbank zu kaufen, die derzeit einen Wert von etwa 10,8 Milliarden Dollar haben. Softbank verringert damit insgesamt seinen Anteil an von 24,6 Prozent auf weniger als 0,4 Prozent. Deutsche Telekom hält derzeit 43,6 Prozent an T-Mobile und hat mit der Auktion die Chance, die Mehrheit zu übernehmen.

          Investoren sind kritisch

          Son und seine Softbank Group stehen seit Monaten unter strikter Beobachtung der Kapitalmärkte, nachdem der Technologie-Investor mit einigen Investitionen des fast 100 Milliarden Dollar schweren Softbank Vision Fund in die Bredouille gekommen ist. Der Börsengang des amerikanischen Internet-Fahrdiensts Uber entsprach nicht den Erwartungen und der Versuch, mit weiteren Milliarden Dollar den angeschlagenen Büroraumvermieter Wework zu stützen, hängt in der Luft. Softbank hat Schwierigkeiten, Investoren für den schon angekündigten Vision Fund II zu finden und hat dieses Projekt vorerst zurückgestellt. Das im März endende Geschäftsjahr schloss Softbank Group mit einem Verlust von 961,6 Milliarden Yen (7,9 Milliarden Euro) ab. Softbank wird nach Medienberichten etwa 15 Prozent der 500 Stellen des Vision Fund streichen.

          Im März kündigte Softbank Group an, bis zu 4,5 Billionen Yen (41 Milliarden Dollar, 36 Milliarden Euro) seiner Beteiligung zu monetisieren, um Aktien zurückzukaufen und Schulden zu bezahlen. Damit kommt Softbank auch den Wünschen von Investoren wie dem amerikanischen Hedgefund Elliott Management entgegen. Seither hat Softbank schon 11,5 Milliarden Dollar erlöst durch die Zusage, Aktien des chinesischen Internetkaufhauses Alibaba zu verkaufen. Etwa 3 Milliarden Dollar soll der Verkauf von Aktien der Mobiltelefon-Tochtergesellschaft Softbank Corp. einbringen.

          Der Aktienkurs von Softbank hat sich seit dem Tief im März, als unter dem Eindruck der Corona-Krise global die Börsenkurse nachgaben, mehr als verdoppelt. Die Ankündigung am Dienstag verhalf der Softbank-Aktie zunächst zu einem Plus von bis zu 3 Prozent. Zum Börsenschluss aber ging Softbank Group mit 5497 Yen und einem Minus von 0,3 Prozent aus dem Handel.

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