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Rente mit 67 : Die Koalition will Ältere länger im Berufsleben halten

„Ein längeres Erwerbsleben ist für die Beschäftigten keine Bedrohung, sondern eine Chance auf mehr Wohlstand und Teilhabe.“ Bild: dpa

Nicht nur die Linke, auch die SPD hadert mit der Anhebung der gesetzlichen Regelaltersgrenze. Doch im neuen Bericht zur „Rente mit 67“ bekräftigt die Bundesregierung den damaligen Beschluss.

          3 Min.

          Die „Rente mit 67“ taugt immer wieder zum politischen Streit. Nicht nur die Linke, auch die SPD hadert zuweilen mit der Anhebung der gesetzlichen Regelaltersgrenze, die SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering 2007 auf den Weg brachte. Im neuen Bericht zur „Rente mit 67“ bekräftigt die schwarz-rote Bundesregierung nun den damaligen Beschluss. „Im Ergebnis hält die Bundesregierung die im Jahr 2007 beschlossene Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre weiterhin für notwendig und für vertretbar“, heißt es in einer Mitteilung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Und im Bericht steht der Satz: „Ein längeres Erwerbsleben ist für die Beschäftigten keine Bedrohung, sondern eine Chance auf mehr Wohlstand und Teilhabe.“

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die stufenweise Einführung über den langfristigen Zeitraum bis 2031 schaffe Planungssicherheit und verhindere, dass Beschäftigte und Unternehmen überfordert würden. Zuvor hatte das Kabinett am Mittwoch den Rentenversicherungsbericht und den Bericht über die Entwicklung der Arbeitsmarktlage sowie die wirtschaftliche und soziale Situation älterer Arbeitnehmer gebilligt.

          Zurzeit liegt die Regelaltersgrenze bei 65 Jahren und sieben Monaten. Erst für 1964 Geborene gilt die Rente mit 67 im Jahr 2031 tatsächlich. Nach dem Regierungsbericht hat sich die Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer „ausgesprochen dynamisch entwickelt“. Die Erwerbstätigenquote in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen sei seit 2000 stärker gestiegen als in allen anderen EU-Ländern – und zwar von 20 Prozent auf gut 58 Prozent 2017. Besonders bemerkenswert sei die Entwicklung bei den älteren Frauen. Während sich die Erwerbstätigenquote der Männer in der Altersgruppe seit 2000 auf gut 63 Prozent mehr als verdoppelt habe, liege die Quote der Frauen mit mehr als 53 Prozent sogar mehr als vier Mal so hoch wie im Jahr 2000. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 60 bis 64 sei in der Zeit um rund 1,5 Millionen auf 2,1 Millionen gestiegen.

          „Langfristaufgabe für Betriebe, Sozialpartner und Politik“

          Dieser Zuwachs geht mit einer steigenden Beschäftigungsquote einher. Sie liegt in der Altersgruppe von 60 bis 64 mittlerweile bei rund 40 Prozent (2000: 20,5 Prozent). Während unter den Arbeitnehmern unter 55 Jahren der Anteil geringfügig Beschäftigter seit 2013 um 17,6 Prozent sank, nahm er in der Altersgruppe 60 bis 64 Jahre um 8,4 Prozent zu. Der Anteil der Älteren an allen erwerbstätigen Arbeitslosengeld-II-Beziehern, den „Aufstockern“, erhöhte sich von 2013 bis 2017 von 15,8 auf 17,3 Prozent.

          „Immer mehr Unternehmen stellen sich den Herausforderungen des demografischen Wandels, zum Beispiel durch eine stärkere Einbindung Älterer in betriebliche Weiterbildung oder durch eine altersgerechte Ausstattung der Arbeitsplätze“, heißt es in dem Bericht. Insofern sei das längere Arbeiten auch ein Mittel, die Fachkräfteengpässe einzudämmen, die sich schon jetzt in einigen Berufen, Branchen und Regionen abzeichneten. Die Arbeitswelt alters- und alternsgerechter zu gestalten und stärker auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse Älterer auszurichten sei eine „Langfristaufgabe für Betriebe, Sozialpartner und Politik“. Hier seien aber schon „beachtliche Fortschritte“ erzielt worden. Weiterbildung müsse stärker als bisher unterstützt werden sowie den Veränderungs- und Flexibilisierungsbedürfnissen entsprechen. Die Regierung verweist hier auf das Qualifizierungschancengesetz, das der Bundestag nun an diesem Freitag beschließen will.

          Nach diesem Gesetz wird die Bundesagentur für Arbeit künftig mit bis zu einer Milliarde Euro im Jahr zusätzlich ausgestattet, um die Weiterbildung zum längeren Verbleib im Erwerbsleben zu fördern – unabhängig von Ausbildung, Lebensalter und Betriebsgröße. Davon sollen gerade in Zeiten der Digitalisierung und des schnellen technologischen Wandels auch Ältere profitieren. Wie der Bericht zeigt, sind die Älteren im Hinblick auf die Beteiligung an Fördermaßnahmen aber weiter „unterrepräsentiert“. Im Jahr 2017 begannen fast knapp 2,5 Millionen Personen eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme. Ältere Teilnehmer – Personen zwischen 55 und 65 Jahren – stellten fast 10 Prozent aller Geförderten. In den Jahren zuvor lag die Quote stabil bei 9 Prozent. Der Bericht liefert eine Erklärung: Die Älteren seien „naturgemäß bei Maßnahmen zur Berufswahl und Berufsausbildung wenig vertreten“.

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