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Für 44,6 Milliarden Dollar : Microsoft will Yahoo übernehmen

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Der News-Ticker am Times Square in New York zeigt die Nachricht über einer Yahoo-Leuchtreklame Bild: AP

Der Softwarekonzern Microsoft will für knapp 45 Milliarden Dollar den Internet-Konzern Yahoo kaufen und greift damit frontal den Suchmaschinen-Primus Google an. Die Übernahme wäre eine der größten in der Branche.

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          Mit einer Milliardenübernahme von Yahoo will Microsoft den Internet-Marktführer Google angreifen. Der Software-Gigant legte am Freitag ein Angebot für Yahoo im Volumen von 45 Milliarden Dollar vor. Die Übernahme wäre eine der bislang größten in der Branche. Das Direktorium des unter Druck stehenden Internet-Dienstleisters bezeichnete die Offerte zwar als unerwünscht, sagte aber eine Prüfung zu. Yahoo-Aktien legten im vorbörslichen Handel um 56 Prozent zu.

          Microsoft rechnet mit Kosteneinsparungen von mindestens einer Milliarde Dollar. Microsoft-Chef Steve Ballmer erklärte, Yahoo habe vor rund einem Jahr eine Offerte Microsofts abgelehnt mit dem Hinweis, man rechne mit besseren Geschäften. „Ein Jahr ist vorbei und die Wettbewerbsitution hat sich nicht verbessert“, begründete Ballmer den überraschenden zweiten Vorstoß. „Wir haben großen Respekt vor Yahoo, zusammen können wir spannende Lösungen für Endkunden, Verlage und Werbetreibende kreieren.“

          Als Reaktion auf die Nachricht baute der DAX in Frankfurt seine Gewinne aus und lag etwa zunächst zwei Prozent im Plus. Die Dow-Jones-Futures sprangen ebenfalls in die Höhe. Die EU-Kommission lehnte eine Stellungnahme ab.

          „Wir haben großen Respekt vor Yahoo, zusammen können wir spannende Lösungen für Endkunden, Verlage und Werbetreibende kreieren”: Microsoft-Chef Steve Ballmer

          31 Dollar je Yahoo-Aktie

          Microsoft bietet nach eigenen Angaben von Freitag 31 Dollar pro Yahoo-Aktie, was einen Aufschlag von 62 Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag bedeutet. Die Yahoo-Aktionäre sollen zwischen einer Barauszahlung und Microsoft-Aktien wählen können. Der Kauf soll im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden. Die Wettbewerbsbehörden müssen dem allerdings zustimmen und die Yahoo-Aktionäre müssen das Angebot annehmen. Yahoo will das Übernahmeangebot schnell prüfen. Der Verwaltungsrat werde die „unaufgeforderte“ Offerte sorgfältig und rasch abwägen, teilte Yahoo am Freitag mit. Man wolle das beste Vorgehen im Sinne der Aktionäre wählen.

          Ballmer geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der Yahoo-Verwaltungsrat seine bisherige Haltung überdenken wird. Microsoft behalte sich zugleich das Recht vor, alle notwendigen Schritte einzuleiten, um den Aktionären des Online-Unternehmens die Möglichkeit zu eröffnen, den Wert der Offerte zu erkennen. Damit schloss er indirekt einen feindlichen Übernahmeversuch nicht aus.

          Microsoft unter Handlungsdruck

          Microsoft ist der weltweit größte Hersteller von Computerprogrammen und liegt laut Studie der amerikanischen Beratungsgesellschaft Interbrand beim Image auf dem zweiten Platz weltweit nach Coca-Cola. Der Konzern besitzt bei Betriebssystemen eine fast monopolartige Stellung, tut sich aber schwer, in dem immer wichtiger werdenden Geschäft mit Internet-Diensten gegen Konkurrenten wie Google entscheidend Fuß zu fassen.

          „Wir wissen alle, warum sie das machen“, sagte Robert Breza von RBC Capital Markets. Ziel sei es, sich im Kampf gegen Google zu stärken. „Microsoft hat eine Kriegskasse voller Geld“, sagte er. Jeden Monat komme eine weitere Milliarde Dollar hinzu. Auch strategisch sei der Kauf günstig, schon allein wegen der Anteile am Suchmaschinenmarkt. Dort führt Google mit großem Abstand vor den beiden anderen Firmen. Colin Gillis von Canaccord Adams sprach ebenfalls von einem Manöver im Kampf Microsoft gegen Google. „Wer am meisten davon profitieren wird ist der Kunde - der Benutzer dieser Produkte.“

          Analysten uneins

          Einige Analysten halten den Preis aber für zu hoch. Tim Smalls von Execution sagte: „Für ein kränkelndes Unternehmen ist der Aufschlag aus meiner Sicht exorbitant. Ich für meinen Teil sehe nicht, wie die Microsoft-Yahoo-Synergien sich gegen Google durchsetzen sollen.“ Dagegen sprach Paul Mendelsohn von Windham Financial Services von einem sinnvollen Geschäft, weil Yahoo derzeit Schwierigkeiten habe, gegen Google zu bestehen.

          Yahoo gilt seit geraumer Zeit als Übernahmekandidat, im vergangenen Jahr kam Microsoft ins Spiel (lesen Sie dazu Mai 2007: Microsoft nimmt Yahoo ins Visier). Das Onlineunternehmen war zwar bald nach der Gründung durch Jerry Yang und seinen Kommilitonen David Filo im Jahr 1995 die Nummer eins im Internet. Inzwischen aber ist Yahoo bei den Werbeeinnahmen längst von Google überholt. Google nimmt in zwei Monaten so viel Geld ein wie Yahoo in einem ganzen Jahr.

          In den vergangenen zwölf Monaten hatte die Yahoo-Aktie mehr als ein Viertel ihres Wertes eingebüßt. Die Situation hatte sich derart zugespitzt, dass Firmenmitgründer Jerry Yang im vergangenen Sommer an die Konzernspitze zurückgekehrt war und durchgreifende Veränderungen angekündigt hatte. Erst diese Woche hat Yahoo einen massiven Gewinneinbruch im vierten Quartal bekanntgegeben und angekündigt, rund 1.000 Stellen zu streichen. Das sind sieben Prozent der bislang 14.300 Beschäftigten. Auch die Aussichten für das laufende Jahr beurteilte das Unternehmen verhalten.

          Microsoft hatte dagegen Ende Januar glänzende Zahlen für das zweite Geschäftsquartal vorgelegt, die besser ausfielen als von Analysten erwartet. Der Gewinn stieg um 79 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro). Die Einnahmen kletterten um 31 Prozent auf 16,4 Milliarden Dollar (11,2 Milliarden Euro).

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