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Hedgefondsmanager : Der Klub der reichen Männer

Chris Hohn Bild: ddp/intertopics/eyevine/Micha Th

Fünf Hedgefondsmanager haben im vergangenen Jahr jeweils mehr als eine Milliarde Dollar verdient. Der Spitzenverdiener hat sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet – und die Nummer Zwei ist ein früherer Mathematik-Professor.

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          Wer an der Wall Street zu den Superreichen aufsteigen will, muss einen Hedgefonds gründen. Gegenüber den Verdiensten der erfolgreichsten Hedgefondsmanager wirken selbst die Gehälter von Spitzenmanagern, Sport- und Filmstars wie Kleingeld. So haben im vergangenen Jahr laut einer Schätzung des Finanzdaten-Unternehmens Bloomberg fünf Hedgefondsmanager jeweils mehr als eine Milliarde Dollar verdient.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Rangliste der Spitzenverdiener führt dabei Chris Hohn an. Der 53 Jahre alte Brite bekam demnach rund 1,8 Milliarden Dollar. Sein 2004 gegründeter Fonds „The Children’s Investment Fund“ – kurz: TCI – erwirtschaftete im vergangenen Jahr laut Bloomberg eine Rendite von 41 Prozent für die Anleger, vor allem mit der Spekulation auf steigende Aktienkurse von Tech-Unternehmen wie Microsoft und der Google-Muttergesellschaft Alphabet. In Deutschland ist sein Name seit Mitte der 2000er Jahre bekannt, als er eine Gruppe aktivistischer Aktionäre anführte und damals die geplante Übernahme der Londoner Börse LSE verhinderte und damit den damaligen Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert zum Rücktritt zwang.

          Seither hat Hohns Fondsgesellschaft mehrfach Unternehmen auch mit Druck über die Medien zu radikalen Strategiewechseln gedrängt. Der Multi-Milliardär aus London – Kind einer Einwandererfamilie aus Jamaika, dessen Vater einst Automechaniker und dessen Mutter Sekretärin war – begann seine Karriere Ende der 80er Jahr in der amerikanischen Finanzbranche.

          Auf dem zweiten Rang auf der Liste der bestverdienenden Hedgefondsmanager folgt James Simons mit Bezügen von rund 1,7 Milliarden Dollar. Der 81 Jahre alte frühere Mathematik-Professor gehört mit seinem Fonds namens „Renaissance Technologies“ seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Hedgefondsmanagern der Welt. Simons studierte einst an der amerikanischen Elite-Universität Massachusetts Institute of Technology (MIT) und war in den 60er Jahren Professor in Harvard. Während des Vietnam-Krieges hat Simons für das amerikanische Verteidigungsministerium ein Team geleitet, das Codes der Gegenseite entschlüsselt. Später erfand Simons ein mathematisches Modell, um die Entwicklung der Rohstoffpreise zu prognostizieren, und wurde mit einer Wette auf Soja berühmt. Sein Fondsgesellschaft ist darauf spezialisiert, Datenreihen von den Finanzmärkten mit komplexen statistischen Methoden zu analysieren, um regelmäßige Muster in den Daten rechtzeitig zu erkennen. Das Fondsunternehmen verwaltet ein Vermögen von rund 75 Milliarden Dollar. Aus dem Tagesgeschäft hat sich Simons schon vor einem Jahrzehnt zurückgezogen. Seine Anteile garantieren ihm aber weiter einen steten Fluss außerordentlich hoher Einnahmen.

          Mit Bezügen von rund 1,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr bleibt Ken Griffin nur knapp hinter Simons zurück. Der 52 Jahre alte Amerikaner ist Gründer des Hedgefondsunternehmens Citadel. Sein wichtigster Fonds erwirtschaftet laut Bloomberg im vergangenen Jahr eine Rendite von rund 19 Prozent. Im vergangenen Jahr sorgte Griffin mit einem spektakulären Immobilienkauf für Schlagzeilen. Der Milliardär gönnte sich für 240 Millionen Dollar ein Penthouse in einem New Yorker Wolkenkratzer am Südrand des Central Parks – es war die teuerste Wohnung, die jemals in New York verkauft wurde.

          Hedgefonds-Gründer und Mathematiker: James Simons

          Für Hedgefonds war das vergangene Jahr das beste innerhalb eines Jahrzehnts. Laut Schätzungen des Investmenthauses LCH hat die Branche rund um die Welt Erträge von insgesamt 178 Milliarden Dollar verdient. Viele profitierten von steigenden Aktienkursen, nachdem die Zentralbanken die Geldpolitik locker ließen. Viele Hedgefondsmanager sind an ihren eigenen Fonds maßgeblich beteiligt. Am Anstieg des Fondsvermögens der anderen Teile profitieren die Hedgefondsmanager durch Gebühren in Höhe von mindestens 20 Prozent der Wertsteigerung.

          Insgesamt verdienten die 15 bestbezahlten Fondsmanager – unter ihnen keine einzige Frau – im vergangenen Jahr rund 12 Milliarden Dollar. Viele setzten dabei offenbar auf die gleichen Aktien. Bei mehr als der Hälfte der Befragten auf der Liste gehörten die Kursgewinne der Aktien von Alibaba und Facebook zu den größten Erfolgsfaktoren. Laut Bloomberg hat allerdings nur ein Drittel der 15 Manager auf der Liste im vergangenen Jahr den breiten amerikanischen Aktienindex S&P500 geschlagen, der im vergangenen Jahr um 29 Prozent gestiegen ist.

          Die Zahlen in der Rangliste beruhen auf Schätzungen des „Bloomberg Billionaires Index“. Das Finanzdaten-Unternehmen hat dafür auf verschiedene Quellen zurückgegriffen, etwa auf Daten der amerikanischen Börsenaufsicht, Nachrichtenberichten und Unternehmensangaben. Angaben über die Höhe der Fondsgebühren stammen dabei aus Akten der Börsenaufsicht. In Fällen, wo die Gebühr nicht veröffentlicht wurde, geht Bloomberg von einer Verwaltungsgebühr in Höhe von 2 Prozent und einer Erfolgsprämie von 20 Prozent aus.

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