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Führungswechsel : Die Krise der Commerzbank

Die Bankentürme von Frankfurt: Die Geldpolitik der EZB gilt für alle Banken in der Eurozone, von denen sich nicht wenige besser schlagen als die Commerzbank. Bild: Frank Röth

Die Strategie der Commerzbank war viel zu optimistisch. Jetzt wird es düster. Eine Reduzierung des Filialnetzes und ein einschneidender Personalabbau werden sich nicht vermeiden lassen.

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          Die Turbulenzen in der Commerzbank stehen für eine Malaise, die sich nicht nur im deutschen Kreditwesen beobachten lässt: Nachdem die Anpassung an die drei großen Trends Digitalisierung, Niedrigzins und hohe Regulierungsdichte schon seit Jahren Schwierigkeiten bereitet, kommt nun ein für eine unbestimmte Zeit schwieriges gesamtwirtschaftliches Umfeld hinzu. Diese schwierigen Rahmenbedingungen gelten auch für die Banken in anderen Ländern, aber viel zu hohe Kapazitäten setzen den deutschen Markt unter einen besonders starken Anpassungsdruck. Neben der Suche nach neuen Geschäftsfeldern bleibt eine deutliche Reduzierung von Kosten unabdingbar, die ohne Fusionen und Übernahmen nicht denkbar ist.

          Die bisherige Führung der Commerzbank ist gescheitert, weil sie diese Logik allenfalls halbherzig akzeptiert hat. Nach dem Scheitern des von ihr mit guten Gründen vorangetriebenen Zusammenschlusses mit der Deutschen Bank war der Vorstand der Commerzbank nicht bereit, sich von seinem auf unrealistischen Ertragshoffnungen basierenden Geschäftsmodell zu verabschieden und einen harten, aber unumgänglichen Sparkurs zu fahren. Stattdessen hielt man an einem überdimensionierten Filialnetz fest; überdies wurden Kunden mit außerordentlich günstigen Angeboten ins Haus gelockt, die sich zumindest aus der Sicht vieler Konkurrenten kaum rechnen konnten. Wer die Internetseite der Commerzbank anklickt, stößt sogleich auf einen Hinweis auf ein kostenloses Girokonto. Geschäftspolitische Großzügigkeiten gingen so lange halbwegs gut, wie dank eines stabilen Wirtschaftswachstums kaum Kredite ausfielen. Das wird nicht so bleiben. Die Idee, mit wachsenden Erträgen in einen zu weit geschneiderten Kostenmantel hineinzuwachsen, ließ sich nicht verwirklichen.

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