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Führungswechsel : Ein neuer Martin für die Commerzbank

Der Turm der Commerzbank in Frankfurt Bild: Setzer, Claus

Martin Zielke folgt Martin Blessing an der Spitze der Commerzbank. Noch lieber hätte der Aufsichtsrat eine Frau für den Posten gefunden. Nun rückt immerhin eine bald in den Vorstand auf.

          Nach vier Monaten Suche hat die Commerzbank am Sonntag einen Vorstandsvorsitzenden gekürt und zwei neue Vorstandsmitglieder, darunter eine Frau, berufen. Auf einer kurzfristig anberaumten Sitzung wählte der Aufsichtsrat Privatkundenvorstand Martin Zielke zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Der 53 Jahre alte Zielke soll die Nachfolge von Martin Blessing am 1. Mai antreten. Blessing hatte im Herbst das Angebot ausgeschlagen, seinen im Oktober 2016 auslaufenden Vertrag zu verlängern. Blessings letzter großer Auftritt als Vorstandsvorsitzender des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts wird nun die Hauptversammlung am 20. April sein.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der neue Vorstandsvorsitzende Zielke hat seit November 2010 als Privatkundenvorstand das lange defizitäre Filialgeschäft der Commerzbank mit einer engeren Vertriebssteuerung, pfiffigen Werbekampagnen und besseren Onlineangeboten auf Wachstumskurs gebracht. Die nach zwei Runden „sozialverträglichem“ Personalabbau rund 11000 Mitarbeiter in etwa 1000 Filialen sind nun besser ausgelastet. Der Sprung über die Gewinnschwelle gelang 2014. Unter Zielke agiert ebenfalls seit November 2010 Michael Mandel, der zuvor zweieinhalb Jahre die Commerzbank-Tochtergesellschaft Comdirect als Vorstandsvorsitzender geführt hat. Der 49 Jahre alte Mandel rückt nun zum Privatkundenvorstand der Commerzbank auf, wie der Aufsichtsrat am Sonntag auch beschloss. Damit wird der Verkäufertyp Mandel (Spitzname: Magic Mandel) zum fünften Mal in seiner Berufslaufbahn unter Zielke als Chef tätig.

          Der neue Chef: Martin Zielke

          Während sich die Entscheidung für Zielke wie berichtet abgezeichnet hat, gelang dem Aufsichtsrat auch eine echte Überraschung: Die 45 Jahre alte Bettina Orlopp, bisher Bereichsvorstand für Konzernentwicklung und Strategie, wird künftig das neue Vorstandsressort Compliance, Personal und Recht verantworten. Wann Orlopp von der Generalbevollmächtigten zum Vorstand aufrückt, hängt von der Bankenaufsicht ab. Dass die zweifache Mutter und promovierte Betriebswirtin die Zulassung erhalten wird, steht wohl außer Frage. Sobald es soweit ist, wird Zielke einen achtköpfigen Vorstand mit ihr als einziger Frau führen.

          Was zeichnet den neuen Vorstandsvorsitzenden aus? Man unterschätzt Martin Zielke leicht. Im Gegensatz zu Bereichsvorstand Mandel oder auch Blessing hat Zielke für Effekthascherei wenig übrig. Anders als Blessing, Mandel und auch Orlopp, die vor ihrer Bankkarriere für McKinsey tätig waren – Orlopp etwa immerhin von 1995 bis 2014 – war Zielke nie Unternehmensberater. Seit 1983, als der in Hofgeismar geborene Zielke eine Lehre bei der Deutschen Bank in Kassel begann, ist er Banker, unterbrochen nur von einem Betriebswirtschaftsstudium in Göttingen. 1990 stieß Zielke zur Dresdner Bank, unterstützte 1999 den damaligen Dresdner-Bank-Privatkundenvorstand Blessing, als er mit Herbert Walter und Rainer Neske von der Deutschen Bank Verhandlungen über den später gescheiterten Zusammenschluss zur Deutschen Bank 24 führte.

          Seit 2002 ist Zielke für die Commerzbank tätig. Er kennt sich nicht nur im Privatkundengeschäft aus, sondern war auch für Firmenkunden und im Rechnungswesen tätig, etwa als Finanzvorstand der Immobiliengesellschaft Eurohypo. Von Januar 2008 bis November 2010 war Zielke mitten in der Finanzkrise wichtiger Bereichsvorstand für Konzernrechnungslegung (Group Finance). „Es war dem Aufsichtsrat sehr wichtig, dass der neue Vorstandsvorsitzende breit aufgestellt ist, um den positiven Weg der Bank als international agierende Geschäftsbank auf der einen und als führende Privatkundenbank auf der anderen Seite erfolgreich weiterzuentwickeln“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller am Sonntag zu den Mitarbeitern.

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