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Führung und Finanzierung : Mittelstand für Basel II nicht bereit

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Basel II ist für mittelständische Unternehmen nicht nur ein Finanzierungsthema. Vielmehr reichen die Wirkungen der neuen Regeln tief hinein in die Führungs- und Informationsprozesse derjenigen Unternehmen, die sich auch künftig in erster Linie über Kredite finanzieren möchten.

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          Basel II ist für mittelständische Unternehmen nicht nur ein Finanzierungsthema. Vielmehr reichen die Wirkungen der neuen Regeln tief hinein in die Führungs- und Informationsprozesse derjenigen Unternehmen, die auch künftig auf Kredite setzen - nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung also für 40 bis 45 Prozent der Firmen. Wer sich künftig zu günstigen Kreditkonditionen finanzieren möchte, muß vor allem auf seiten des Planungs- und Berichtswesens gut aufgestellt sein. Viele der Dinge, die den Banken bei der Bewertung im Rahmen eines Rating besonders gut gefallen - etwa eine nachvollziehbare strategische Planung oder ein gut ausgebautes Controlling - sind aber im Mittelstand alles andere als weit verbreitet.

          "Je kleiner die Unternehmen, desto seltener findet man ein ausreichendes Planungs- und Berichtswesen", hat Thomas Künzel vom Institut für Mittelstandsökonomie an der Universität Trier beobachtet. Aber auch in größeren Firmen gebe es selten eine Unternehmensplanung, die den Ansprüchen der Kreditgeber gerecht werde. "In vielen Unternehmen ist bislang nicht einmal eine Kostenrechnung vorhanden", sagt Gunter Kayser, Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Dank Basel II seien die Firmen nun gezwungen, hier Abhilfe zu schaffen. Damit einher gehe eine Professionalisierung der Unternehmensführung. Die für das Rating generierten Daten könnten beispielsweise auch die Steuerung des Unternehmens erheblich verbessern. "Basel II ist daher eine Chance für die Mittelständler, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern", sagt Künzel. Auch ihre Informationspolitik müssen viele Unternehmen grundlegend verändern. Der verschlossene Unternehmer, der so wenig wie möglich über seine Firma preisgeben möchte, wird es künftig schwer haben. "Wichtig ist, daß permanent mit der Bank kommuniziert wird", sagt Norbert Winkeljohann, Vorstandsmitglied beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen Price Waterhouse Coopers. Ohne aktive, zeitnahe und offene Finanzkommunikation gegenüber den Banken seien günstige Kreditkonditionen nicht zu haben. Dabei fordern die Banken häufig unterjährige Werte sowie Planzahlen.

          Zu rund 20 Prozent gehen sogenannte weiche Faktoren in die Bewertung im Rahmen eines internen Rating ein. Dazu zählt beispielsweise die Qualität des Management, der Informationssysteme oder der Personalentwicklung. Selbst Begriffe wie "Corporate Identity" und "Corporate Design" sollten Mittelständlern künftig nicht mehr fremd sein - auch die so benannten Faktoren haben Einfluß auf das Rating. Ferner zählt die Regelung der Nachfolge dazu - und zwar nicht nur hinsichtlich des Inhabers, sondern auch der übrigen Führungskräfte der ersten und zweiten Ebene. Auch hier gibt es noch deutliche Defizite. "75 Prozent der Unternehmer haben sich noch keinerlei Gedanken über ihren Nachfolger gemacht", moniert IfM-Geschäftsführer Kayser. Dabei geht die Nachfolgeregelung immerhin zu gut 5 Prozent in das Rating ein. (nr.)

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