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Führung : Große Schäden durch innere Kündigung

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Knapp 90 Prozent der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen verspüren keine echte Verpflichtung ihrem Arbeitsplatz gegenüber. Schuld daran sei schlechtes Management, ergab eine Studie.

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          Knapp 90 Prozent der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen verspüren keine echte Verpflichtung ihrem Arbeitsplatz gegenüber. 70 Prozent machen lediglich Dienst nach Vorschrift, 18 Prozent haben überhaupt keine emotionale Bindung zu ihrem Job - hier paßt der Begriff "innere Kündigung". Dabei ist die Gruppe der Unzufriedenen in den vergangenen zwei Jahren um vier Prozentpunkte gewachsen. Wie das Marktforschungsunternehmen Gallup in einer internationalen Studie weiter herausgefunden hat, verfügen die amerikanischen Unternehmen über weitaus mehr motivierte Mitarbeiter.

          Schuld am fehlenden Engagement der Angestellten seien vor allem die Vorgesetzten, so das Ergebnis der Befragung von 2001 Angestellten. Schlechtes Management zeige sich darin, daß gegenüber den Mitarbeitern mit Anerkennung und Lob gespart werde, die persönliche Entwicklung des einzelnen nicht gefördert werde und dieser Positionen auszufüllen habe, die ihm nicht lägen, heißt es weiter.

          Geringe Bindung kostet bis zu 260 Millionen Euro

          Für die Unternehmen entstehen durch die vergleichsweise große Gruppe der Unzufriedenen hohe Kosten. Mitarbeiter in den beiden Extremkategorien "hohe emotionale Bindung" und "keine emotionale Bindung" unterscheiden sich nämlich in erheblichem Maße voneinander. So fallen diejenigen, die loyal sind, ihre Arbeit als befriedigend empfinden und durch hohe Produktivität auffallen, wesentlich seltener krankheitsbedingt aus. Fünf Fehltagen bei dieser Gruppe stehen elf bei den Unzufriedenen gegenüber. Zudem gaben nur 18 Prozent der Mitarbeiter ohne emotionale Bindung zum Unternehmen an, die Produkte und Leistungen ihres Arbeitgebers weiterzuempfehlen. Dagegen sprechen 74 Prozent der Mitarbeiter mit einer hohen emotionalen Bindung zu ihrem Arbeitgeber solche Empfehlungen aus.

          Nicht einmal die Hälfte (42 Prozent) der Mitarbeiter ohne emotionale Bindung zum Unternehmen gaben an, über die kommenden zwölf Monate hinaus bei ihrem jetzigen Arbeitgeber bleiben zu wollen. In der Gruppe der Zufriedenen sind dies 89 Prozent. Die vergleichsweise wenigen Mitglieder dieser Gruppe sind zudem weniger gestreßt als ihre Kollegen ohne emotionale Bindung (24 zu 41 Prozent), haben mehr Spaß an der Arbeit (82 zu 14 Prozent) und sehen sich zudem seltener nicht optimal eingesetzt (10 zu 73 Prozent).

          Die gesamtwirtschaftlichen Folgen der geringen emotionalen Bindung der Mitarbeiter beziffert Gallup für Deutschland mit zwischen 247 und 260 Milliarden Euro im Jahr. (nr.)

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