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FTI Touristik : Nächster Reiseanbieter bekommt Unterstützung vom Staat

Bekommt Darlehen vom Bund: Der Reiseveranstalter FTI aus München Bild: dpa

Das Sommergeschäft war mäßig, der Winter wird düster. Nach dem Reisekonzern TUI bekommt nun auch der Konkurrent FTI Touristik Geld vom Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes.

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          „Nachhaltig und langfristig“ sei man nun auf die schwierige Situation in der Corona-Pandemie vorbereitet, erklärte Dietmar Gunz, Chef von FTI Touristik Anfang April, als ein Hilfspaket für den Reiseveranstalter geschnürt war. Es kam anders, die Krise fiel länger und schwerwiegender aus. Europas drittgrößter Reiseveranstalter, der unter der Marke Big Xtra auch Angebote für Prospekte von Discountern liefert, bekommt weitere Hilfe. „Die FTI Group hat einen Antrag für ein Darlehen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds über 235 Millionen Euro gestellt und bewilligt bekommen“, teilte das Münchener Unternehmen am Dienstagabend mit.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Nach dem Marktführer TUI ist FTI damit der zweite Reiseveranstalter, der den Fonds nutzt. Im Frühjahr hatten die Münchener Unterstützung vom Bund, dem Land Bayern und der Unicredit-Bank erhalten, der Staat bürgte für Darlehen. Zudem sprang der ägyptische Tourismusinvestor Samih Sawiris bei und stieg zum FTI-Mehrheitseigner auf. Dass auch aus dem Kreis der Gesellschafter eine Beteiligung an den Hilfsmaßnahmen erfolgte, begünstigte nicht nur im Frühjahr die Unterstützung. „Auch jetzt war Sawiris' Entscheidung für die Gruppe mit entsprechender finanzieller Unterstützung mit ausschlaggebend für die erfolgreiche Antragstellung“, sagte FTI-Chef Dietmar Gunz. Die 235 Millionen Euro gewährt der Fonds des Bundes als Nachrangdarlehen.

          Branche erlebt zweiten Lockdown

          Das Unternehmen hat zudem einen Sparkurs eingeschlagen, Geschäft aufgegeben und das Kreuzfahrtschiff „Berlin“  verkauft, das Management verzichtet auf eine Teil des Gehalts. Für das erste Halbjahr 2021 rechne man noch mit „einem starken Kurzfrist-Push“ bei den Buchungen, sagte Geschäftsführer Ralph Schiller. Im Inland sehen sich Tourismusbetriebe seit dem Wochenbeginn mit verbotsähnlichen Einschränkungen mindestens für November konfrontiert. Anbieter, die stark auf Auslandsurlaube fokussiert sind, klagten schon davor, dass ihr Geschäft fast zum Erliegen gekommen ist. „Durch Reisebeschränkungen und Quarantänevorschriften erlebt die Reisewirtschaft bereits jetzt einen zweiten Lockdown“, heißt es vom Deutschen Reiseverband (DRV).

          Viele mögliche Auslandsziele sind der Branche nicht geblieben. Für die Türkei läuft zum Ende der Woche eine Sonderregelung aus, die Strandurlaub mit Pflichttests vor der Rückreise ermöglichte. Die Kanarischen Inseln, die nach einem Rückgang der Infektionszahlen kein Risikogebiet mehr sind, verlangen vom 14. November an von ankommenden Urlaubern, dass sie ein negatives Testergebnis zum Check-in im Hotel mitbringen. Angesichts der Entwicklung in Deutschland ist das aber immer schwerer kurzfristig zu bekommen.

          Sommergeschäft um 78 Prozent eingebrochen

          Der DRV warnt schon, dass Reiseveranstalter 2020 Umsatzeinbrüche von 80 Prozent erleiden. Daten des Tourismusmarktforschers TDA stützen die Prognose. Für die Sommersaison bis Ende September errechnet TDA ein Minus von 78 Prozent. Für den Winter liegen 66 Prozent weniger Buchungen als in der Vorjahressaison vor, Last-Minute-Hoffnungen sind gering.

          Schon die erste Pandemie-Großhilfe des Bundes für Konzerne war in die Reisebranche gegangen, TUI bekam Ende März einen KfW-Kredit über 1,8 Milliarden Euro zugesagt – im August erfolgte mit Blick auf den bevorstehenden Winter der Nachschlag um 1,2 Milliarden Euro. Laut den letzten verfügbaren Zahlen hatte TUI Ende September einschließlich dieser noch nicht ausgezahlten zweiten Tranche rund 2 Milliarden Euro an Liquidität, 400 Millionen Euro weniger als Mitte August.

          Für das gerade begonnene erste Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 rechnet TUI jeden Monat mit einem Mittelabfluss „im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich“. Hält dieser an, bedeutet das rein rechnerisch, dass es spätestens an Ostern abermals eng werden könnte. Entlastung erhofft sich TUI durch eine Kapitalerhöhung. Ob und wann der Konzern darüber entscheide, stehe noch nicht fest, hieß es zuletzt. Das gilt auch für die mögliche Höhe. Nur so viel: Im Fall der Fälle werde das Volumen „sehr deutlich geringer“ als die am Markt kolportierten 1 bis 1,5 Milliarden Euro ausfallen, teilte der Konzern mit.

          Andere Großveranstalter beteuern, ohne Staatsgeld auskommen zu wollen. „Es ist nach wie vor nicht geplant, Staatskredite in Anspruch zu nehmen“, sagt ein Sprecher von DER Touristik. Allerdings hat DER mit der Rewe-Gruppe einen finanzstarken Eigner, der mit Supermärkten und Toom-Baumärkten weniger von Pandemiefolgen betroffen ist. DER sei weiter so gut wie schuldenfrei, ein Sparprogramm, das Kosten um 30 Prozent senken soll, gibt es dennoch. Für Alltours hatte Unternehmensgründer Willi Verhuven im Sommer betont, außer Kurzarbeit keine finanzielle Unterstützung des Staates zu beanspruchen. „Das hat nach wie vor Bestand“, sagt ein Unternehmenssprecher. Hohe Rücklagen aus früheren Jahren machten dies möglich.

          Kleinere Anbieter sowie Reisebüros verfügen nicht über solche Polster und hoffen auf im Sommer aufgelegte Überbrückungshilfen, von denen bis heute nur ein Bruchteil ausgezahlt ist. Mehrere Verbände aus der Reisebranche mahnten daher am Dienstag schnelle Hilfe im November-Lockdown an – nicht nur für Hotels im Inland, sondern für die gesamte Branche. Die Betriebe brauchten die Hilfen nicht morgen oder übermorgen, sondern sofort, hieß es. Aus Sicht von Michael Rabe, Generalsekretär des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), ist die Branche schon jetzt „ein wirtschaftlicher Corona-Intensivpatient“.

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