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Frühjahrstagung : Visite in Washington, Name des Patienten: Weltkonjunktur

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Findet IWF-Direktor Horst Köhler Zustimmung? Bild: imf

Die Weltkonjunktur kränkelt. Die Spitzen von IWF, Weltbank und der G7-Staaten versammeln sich in Washington zur Visite.

          Sie haben sich viel vorgenommen: Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank sowie der G7- und G24-Staaten treffen sich von Donnerstag bis Montag in Washington. Themen des Zusammentreffens: Die zuletzt trübe Entwicklung des weltwirtschaftlichen Konjunkturverlaufs und deren Konsequenzen für die ärmeren Länder sowie die Reform des IWF.

          Schwache Konjunktur voraus

          Ein deutlich schwächeres Wachstum für die nächsten sechs Monate sagt der IWF in seiner Konjunkturprognose, dem World Economic Outlook (WEO) voraus. Der IWF nimmt damit seine optimistischen Prognosen vom vergangenen Herbst zurück. Auch für Euroland ist die Botschaft des WEO eher mau: Das Wachstum sinke von 3,4 Prozent im letzten auf 2,5 Prozent in diesem Jahr. Anlass genug für den Geschäftsführenden IWF-Direktor, Horst Köhler, wiederholt von der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Zinssenkung nach amerikanischen Vorbild zu fordern.

          Gelegenheit zur Zinsdiskussion bietet sich am Samstag. Dann kommen die Finanzminister und Notenbankchefs der G 7-Staaten in Washington zusammen, zu ihnen gehören die sieben wichtigsten Industrieländer, d.h. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA.

          Zinssenkungen: Pro und Contra

          Mit Spannung erwartet: Die Äußerungen der USA und der europäischen G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien zu den Gründen für die schwächelnde Konjunktur und für geeignete Schritte, diese wieder in den Griff zu bekommen. In diesem Punkt gingen die Ansichten beider Seiten in den letzten Wochen weit auseinander.

          Die USA sähen jetzt am liebsten eine rasche Zinssenkung seitens der Europäischen Zentralbank (EZB). Die US-Notenbank, die Fed, habe mit ihrer Zinssenkung letzte Woche einen ersten Schritt zur Konjunkturbelebung gemacht, die Europäer müssten nun nachziehen. Auch Köhler, legte zuletzt am vergangenen Dienstag der EZB diesen Schritt nahe.

          EZB-Präsident Wim Duisenberg hält dagegen: Die Fed habe zu lange der absehbaren Konjunkturüberhitzung untätig zugesehen. Außerdem bewege sich die europäische Entwicklung 2001/2002 im Rahmen des Erwarteten. Eine Zinssenkung seitens der EZB sei daher überflüssig.

          Reformen und Entschuldung angemahnt

          Bei der Sitzung des Währungs- und Finanzausschusses des IWF am kommenden Sonntag steht ebenfalls die Situation der Weltkonjunktur ganz oben auf der Tagesordnung. Voraussichtlich wird sich US-Finanzminister Paul O'Neill auch über die jüngsten Finanzkrisen einiger Staaten äußern. O'Neill mahnte letzte Woche an, kostspielige Rettungsaktionen für ökonomisch angeschlagene Länder, wie zuletzt für die Türkei und Argentinien, seien nicht die primäre Aufgabe der wohlhabenderen Länder. Verlässliche Vorsorgemaßnahmen, etwa eine Reform des Weltfinanzsystems, seien daher zu treffen.

          Vermutlich wird auch die Fortführung der 1999 begonnenen Entschuldungsinitiative zugunsten der ärmsten Staaten (HIPC-Initiative) kontroverse Diskussionen auslösen. IWF und der Weltbank verkündeten Erfolge bei der Entschuldung überschuldeter Staaten, internationale Hilfsorganisationen teilen diese Ansicht jedoch nur bedingt.

          Einigkeit in der Sache herzustellen wird den Sitzungsteilnehmern auch am Montag schwer fallen. Denn die USA haben im Vorfeld angekündigt, sich für höhere Zinsen bei den Krediten der Weltbank stark zu machen. Dem US-amerikanischen Vorstoß wird allerdings kaum eine Erfolgschance eingeräumt.

          Mit leidenschaftlichen, aber bloß verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern der Tagung ist zu rechnen. Auf den Straßen Washingtons hingegen soll es im Unterschied zum Treffen in Prag vom vergangenen Jahr ruhig bleiben: IWF- und Weltbankgegner haben ihre „Teilnahme“ nicht angekündigt.

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