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Zwangsversteigerung : Früheres Quelle-Versandzentrum verkauft

  • Aktualisiert am

Der Quelle-Turm neben dem ehemaligen Versandzentrum Bild: Jens Gyarmaty

Lange war es das Herzstück des Versandhaus-Riesen Quelle. Seit der Pleite des Konzerns vor sechs Jahren steht der wuchtige Klinkerbau im Westen Nürnbergs leer. Nun wurde Deutschlands zweitgrößte leerstehende Immobilie zwangsversteigert - aber es gab nur einen Bieter.

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          Die jahrelange Hängepartie bei der Suche nach einer neuen Zukunft für das frühere Quelle-Versandzentrum in Nürnberg ist beendet. Der portugiesische Investor Sonae Sierra erwarb am Dienstag Deutschlands zweitgrößte leerstehende Immobilie nach dem Flughafen Tempelhof für 16,8 Millionen Euro. Der Shopping-Center- Spezialist war bei der Zwangsversteigerung der einzige Bieter. Ein Gerichtssprecher hatte zuvor den Verkehrswert des Komplexes noch mit 31,7 Millionen Euro beziffert. Wer den Zuschlag erhalten wolle, müsse mindestens die Hälfte der Summe bieten. Viel mehr wurde es auch nicht.

          Dabei hatte das Amtsgericht die Auktion des 6,8 Hektar großen Areals im Westen Nürnbergs wegen des vermuteten großen Interesses in das frühere Kasino des Quellebaus verlegt. Der Gebäudekomplex war einst von dem Bauhaus-Architekten Ernst Neufert entworfen worden.

          Hier kamen einst die Lastwagen an: Quelle-Versandzentrum in Nürnberg
          Hier kamen einst die Lastwagen an: Quelle-Versandzentrum in Nürnberg : Bild: dpa

          Der Deutschland-Chef von Sonae Sierra, Thomas Binder, sprach nach der Ersteigerung der Immobilie von einem „Meilenstein“ für sein Unternehmen. Für das mit großen Objekten durchaus vertraute Unternehmen sei es die größte Immobilie, die man jemals erworben habe. Wegen seiner Größe und seiner überregionalen Ausstrahlung halte er das Quelle-Gelände für ausgesprochen attraktiv. Es habe eine Alleinstellung weit über Nürnberg hinaus, unterstrich Binder.

          Die Sonae Sierra-Tochter Sierra Project Nürnberg, die bei der Versteigerung offiziell als Käufer auftrat, plant nach Binders Worten in dem 250.000 Quadratmeter großen Versandzentrum einen Mix aus Handel, Büros und Wohnungen. Dabei sollen rund 300 Millionen Euro investiert werden. Mit dem Umbau soll Mitte kommenden Jahres begonnen werden. Binder rechnet mit einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren. Auch den bislang in dem Quelle-Komplex untergebrachten 150 Künstlern und Kreativen versprach Binder eine Zukunft. Sie sollen zu tragbaren Mieten in einem „Kreativzentrum“ Platz finden.

          Weithin sichtbar: der Quelle-Turm
          Weithin sichtbar: der Quelle-Turm : Bild: dpa

          Die im Verein Quelle-Kollektiv zusammengeschlossen freischaffenden Künstler zeigten sich derweil enttäuscht. Sie rechnen nun mit einer Kündigung. Sie luden daher nach der Versteigerung zu einer improvisierten Trauerfeier vor dem Quelle-Bau ein - inklusive Trauerkranz. Der Quellekollektiv-Sprecher Hannes Hümmer sagte, für ihn sei der Verkauf an Sonae Sierra keine große Überraschung. Das Unternehmen interessiere sich schon seit Jahren für das Areal. Den Weg der Zwangsversteigerung habe das Unternehmen nur gewählt, um den Mietern auf einfachem Wege kündigen zu können. Das von Sonae Sierra angekündigte „Kreativzentrum“ sieht Hümmer skeptisch.

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