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Früherer Wirecard-Vorstand : Jan Marsalek wohl nach Belarus geflohen

  • Aktualisiert am

Jan Marsalek Bild: © wirecard

Jan Marsalek hat den Finanzdienstleister Wirecard mitgeprägt bis zu seiner fristlosen Entlassung. Seither wird er gesucht. Nun führt eine Spur nach Belarus.

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          Neben dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Markus Braun gilt der frühere Vorstand Jan Marsalek als Schlüsselfigur im Wirecard-Skandal. Doch im Gegensatz zu Braun ist der Österreicher Marsalek untergetaucht, der für das operative Geschäft des Zahlungsdienstleister zuständig war. Nachdem er wegen des Bilanz-Skandals am 18. Juni freigestellt und am 22. Juni entlassen wurde, ist sein genauer Aufenthaltsort unklar. Mit ihm fehlt damit einer, der womöglich über die Unregelmäßigkeiten im Dax-Konzern aufklären könnte. Wo ist also Marsalek?

          Zunächst führte die Spur nach Asien: Nach den Daten der philippinischen Einwanderungsbehörde reiste Marsalek am 23. Juni in das südostasiatische Land ein und am 24. Juni über den Flughafen Cebu weiter nach China. Dann hieß es, dass Marsalek am 3. März in Manila gewesen sein soll, aber zwei Tage später abreiste, wie der philippinische Justizminister Menardo Guevarra sagte. Allerdings sollen die Daten von der Einreise im Juni gefälscht gewesen sein, wie Guevarra später bemerkte.

          Ankunft in Minsk

          Nun gibt es offenbar eine andere Spur, die nicht nach Asien führt, sondern nach Belarus. Nach Informationen von „Spiegel“ und seinen englischsprachigen Kooperationspartnern „Bellingcat“, „The Insider“ und „McClatchy Report“ soll Marsalek in der Nacht vom 18. Juni auf den 19. Juni über den Flughafen der Hauptstadt Minsk nach Belarus eingereist sein. Eine Wiederausreise sei dort nicht verzeichnet, weshalb vermutet wird, dass sich der frühere Wirecard-Vorstand weiterhin in Belarus oder Russland aufhalten könnte.

          Wirecard hatte eingestanden, dass in der Jahresbilanz 1,9 Milliarden Euro fehlen und das Geld bei zwei philippinischen Banken vermutlich gar nicht existiert. Der Börsenkurs des Dax-Konzerns sank und das Unternehmen meldete Insolvenz an. In dem Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft München I. Marsalek hatte Ende Juni über seinen Anwalt erklären lassen, sich nicht der Justiz stellen zu wollen. Er wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ihm werden Marktmanipulation, Bilanzfälschung und Untreue vorgeworfen.

          Für Marsalek könnte Belarus ein sicherer Hafen sein. Deutschland hat mit Belarus kein Auslieferungsabkommen. Jedoch ist eine Auslieferung aus Belarus nach Deutschland auf vertragsloser Grundlage möglich. Sie basiert auf internationalen Regeln. Rechtshilfeersuchen werden auf diplomatischem Weg übermittelt. Maßgeblich dafür sind die „Richtlinien für den Verkehr mit dem Ausland in strafrechtlichen Angelegenheiten“. Das Außenministerium leitet den Auslieferungsantrag an die jeweilige Regierung weiter.

          Belarus gilt als die letzte Diktatur in Europa. Machthaber Aleksandr Lukaschenka ist vor 26 Jahren zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt worden. Am 9. August finden in dem Land Wahlen statt.

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