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Bilanzskandal Wirecard : Markus Braun wehrt sich mit Haftbeschwerde gegen Vorwürfe

Markus Braun sitzt seit mehr als zwei Monaten in Untersuchungshaft. Bild: Reuters

Über seine Anwälte bestreitet der frühere Vorstandschef von Wirecard den dringenden Tatverdacht gegen sich sowie den Haftgrund. Gibt ein Gericht seiner Haftbeschwerde statt, könnte Braun die Untersuchungshaft verlassen.

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          Seit zwei Monaten sitzt Markus Braun im Gefängnis. Der einstige Vorstandsvorsitzende des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard verbringt die Untersuchungshaft in Gablingen nahe Augsburg. Es ist eine moderne Justizvollzugsanstalt mit Platz für 609 Insassen. Hier saß mit dem  ehemaligen Audi-Chef Rupert Stadler ein anderer prominenter Häftling ein, dem in der kommenden Woche der Prozess gemacht wird. Auf eine Anklage, geschweige denn ein Gerichtsverfahren muss Braun vermutlich noch lange warten.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Aber das will er nicht hinter Gefängnismauern. Über seinen Strafverteidiger Alfred Dierlamm hat Braun Haftbeschwerde eingelegt. Auf 70 Seiten hätten Brauns Anwälte dargelegt, warum ihr Mandant gar nicht in Haft sein dürfe, berichtete zuerst das „Handelsblatt“. Dierlamm wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht äußern.

          Die Staatsanwaltschaft in München ermittelt bekanntlich wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Untreue, unrichtige Darstellung und Marktmanipulation gegen Braun und weitere Beschuldigte. Durch die Tricks und Täuschungen des Wirecard-Vorstands um Braun und seinen flüchtigen Kollegen Jan Marsalek seien Banken und Investoren um 3,2 Milliarden Euro betrogen worden, ließ die Strafverfolgungsbehörde wissen. Als Kronzeuge dient offenbar ein früherer Wirecard-Manager aus Dubai, der sich der Justiz gestellt hat und nun ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt. Dem Vernehmen nach sollen Brauns Anwälte Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Kronzeugen schüren.

          Braun sieht sich als Opfer

          Braun, der zwischenzeitlich mehr als 7 Prozent der heute wertlosen Wirecard-Aktien besaß, sei selbst Opfer, auch er sei getäuscht worden. Der einstige Konzernchef bestreitet jedenfalls alle Vorwürfe. Ob er damit durchkommt? Braun soll noch am Tag vor seinem Rücktritt Ende Juni, als sich ein riesiges Bilanzloch von zunächst 1,9 Milliarden Euro auftat, jegliche Verantwortung dafür abgestritten haben. Aus Unternehmenskreisen heißt es heute, dass Braun gegenüber dem Aufsichtsrat steif und fest behauptete, es gebe die fraglichen Gelder auf den Konten bei zwei philippinischen Banken – und wenn deren Vorstände etwas anderes aussagten, dann sei das eine Lüge.

          Ob Braun unter Realitätsverlust leidet oder ob er wirklich nichts gewusst hat, muss ein Strafgericht beurteilen. Einstweilen wird der Haftrichter darüber entscheiden, ob der wohl prominenteste Häftling in Gablingen wieder auf freien Fuß kommt. Der damalige Audi-Chef Stadler, der wegen des Verdachts auf Betrug sowie versuchter Zeugenbeeinflussung in der Dieselaffäre einsaß, durfte die Justizvollzugsanstalt erst nach knapp fünf Monaten wieder verlassen.

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