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Früherer FDP-Generalsekretär : Döring ist jetzt Unternehmenschef

Patrick Döring verehrt Hans-Dietrich Genscher und bekennt sich zum Hund. Bild: Daniel Pilar

Einst sollte er die FDP retten. Doch die Partei scheiterte an der Fünfprozenthürde. Nach dem Wahldebakel konzentrierte sich Patrick Döring auf Tierversicherungen. Vor kurzem wurde er nun Chef der Wertgarantie.

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          Als Patrick Döring ein junger Mann war, etablierte sich etwas, das es zuvor nicht in dieser Ausprägung gegeben hatte: In etwa Gleichaltrige setzten voll auf eine Karte und wurden Berufspolitiker. Volles Risiko, ziemlich voller Gewissheit, dass sie der parlamentarische Betrieb irgendwann aufsaugen würde. Heute stehen Leute wie Jens Spahn, Dorothee Bär oder Christian Lindner an der Spitze – eines Ministeriums oder ihrer Partei.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Döring aber, der als FDP-Generalsekretär zum ungünstigsten Zeitpunkt seinen Kopf hinhielt (als Nachfolger Lindners und kurz bevor seine Partei zum ersten Mal aus dem Bundestag flog), hatte immer noch ein zweites Standbein. Mit 26 Jahren war der in Stade bei Hamburg geborene Niedersachse in die Dienste des Versicherers Wertgarantie getreten.

          Das Unternehmen ist eine der raren familiengeführten Versicherungsgesellschaften des Landes. Die hannoversche Familie Jodexnis hat seit den sechziger Jahren die Reparatur-Ersatzkasse für Elektrische Anlagen nach und nach zum führenden Garantieversicherer für Fernseher, Videorekorder und alle späteren Inkarnationen dieser Unterhaltungsmedien aufgebaut. Seit den achtziger Jahren wurde die Wertgarantie auch zunehmend zu einem internationalen Unternehmen.

          Vom zupackenden Liberalen zum Tierversicherungsvorstand

          Als Döring im Jahr 2011 zum FDP-Strategen aufstieg, begrüßte ihn die „Financial Times Deutschland“ als „zupackenden Verkäufer für die Liberalen“. Damals konnte er davon profitieren, dass er in der Wertgarantie den Tierversicherer Agila vorangebracht und viel von Vertriebsstrukturen und somit vom Verkaufen verstanden hat. Bis heute kann er sich für Schulungen begeistern, mit denen die 3300 Vertriebspartner in den Fachhandelsbetrieben auf die Beratung zu Garantieversicherungen trainiert werden.

          „Der Clou dabei ist, dass das nicht nur ein Verkaufstraining für Wertgarantie ist, sondern dass sie auch bessere Verkäufer werden“, sagt Döring im Gespräch. Von den 850 Mitarbeitern der Wertgarantie sind 60 als Betreuer für die Partner beschäftigt. „Wir verstehen den Handel und haben uns in die Warenwirtschaftssysteme integriert. Vertrieb haben viele unterschätzt“, sagt er – ein Satz, der sehr weit interpretiert werden kann.

          Viele der rein digitalen Angreifer, so ist bei Döring herauszuhören, hätten sich zwar viele kluge Gedanken über Produkte, Künstliche Intelligenz und Abläufe gemacht – aber wie sie ihre Policen an die Kunden bringen, da könnten sie den Platzhirschen noch nicht so viel vormachen. Es sei einfach ein Unterschied, ob der Kunde beim Fernsehkauf im stationären Handel die Garantie von einem gut informierten Verkäufer empfohlen bekomme oder ob im Internet ein zusätzliches Fenster aufgeht. So bleibe die Wertgarantie ein Riese in der Nische, vor dem Branchengrößen Respekt zeigten.

          Digitalisierung und Corona sind zwei große Herausforderungen

          Nach 20 Jahren im Unternehmen wurde der Versicherungsmanager am 1. Juli Vorstandsvorsitzender der Wertgarantie. Er kommt in eine Phase hinein, in der mit der Digitalisierung und der Corona-Pandemie zwei große Herausforderungen auf ihn warten. Doch mit solchen Aufgaben hat er sich auch als Politiker nicht schwer getan. Seine öffentliche Wahrnehmung wurde geprägt von einer Fahrerflucht-Affäre und von unglücklichen Interviewäußerungen, in denen er den damaligen Parteichef Philipp Rösler einen „Wegmoderierer“ genannt hatte. Nach innen aber hat der Wirtschaftsliberale Wirkung gezeigt. Er galt als gut vernetzt und kam ungeachtet der eigenen konservativen Haltung mit allen Flügeln der Partei gut aus.

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