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Früherer Deutsche-Bank-Chef : Anshu Jain mit 59 Jahren gestorben

Anshu Jan in seiner aktiven Zeit bei Deutschlands führendem Kreditinstitut Bild: dpa

Nach fast fünf Jahren verliert Anshu Jain den Kampf gegen den Krebs, wie seine Familie berichtet. In seiner Zeit in der Deutschen Bank hat der zwischenzeitliche Co-Vorstandsvorsitzende die Kultur des Instituts stark geprägt.

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          Der ehemalige Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Anshu Jain, ist gestorben. Fünf Jahre, nachdem er eine Darmkrebs-Diagnose erhielt, sei er im Alter von 59 Jahren der Krankheit erlegen, teilte seine Familie in einem öffentlichen Statement mit. Die Deutsche Bank bezeichnete Jain in einer Mitteilung als prägende Figur in der Entwicklung des internationalen Kapitalmarktgeschäfts.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Von 2012 bis 2015 hatte Jain gemeinsam mit Jürgen Fitschen Deutschlands größte private Bank geführt, bevor er den Posten verlor, weil er aus Sicht des Aufsichtsrats zu sehr an der Ausrichtung auf das Investmentbanking festhielt. Damals erhielt er von den Aktionären das schwächste Ergebnis in einer Vorstandswahl in der Geschichte der Bank. Zuletzt stand er seit 2017 als Präsident an der Spitze des New Yorker Finanzdienstleisters Cantor Fitzgerald.

          „In tiefer Trauer sind wir, dass unser geliebter Ehemann, Sohn und Vater, Anshu Jain, vergangene Nacht aus dem Leben geschieden ist“, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg aus einer Mitteilung der Familie. Nur wenige Menschen überlebten eine Darmkrebs-Diagnose wie Jain für eine so lange Zeit, hieß es darin. Willenskraft, neue Forschungsergebnisse und aufopferungsvolle Pflegekräfte hätten ihm weitere Jahre geschenkt.

          Der Inder hatte schnell Erfolg in angelsächsischen Investmentbanken

          Jain ist im indischen Bundesstaat Rahasthan geboren und gehörte der Religionsgemeinschaft der Jain an, mit seiner Ehefrau war er mehr als ein Vierteljahrhundert verheiratet. In der Deutschen Bank war er nach Stationen bei Kidder Peabody & Co. und Merrill Lynch von Mitte der neunziger Jahre an einer der führenden Investmentbanker, die die Ausrichtung des Instituts auf riskantere Geschäfte unterstützten.

          Vor der Finanzkrise war diese Einheit dafür verantwortlich, dass die Bank ihre ehrgeizigen Renditeziele erreichte. Das war aber auch die Basis für zahllose Rechtsstreitigkeiten und große Risikopositionen, die im Zuge der globalen Finanzkrise sichtbar wurden und anschließend abgebaut werden mussten. Er habe geholfen, die Position der Bank im globalen Geschäft mit Unternehmen auszubauen, urteilte Alexander Wynaendts, der Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. „Das ist heute nicht nur für die Deutsche Bank, sondern den Finanzstandort Europa insgesamt von strategischer Bedeutung“, wurde er zitiert.

          Er galt als ein brillanter und schneller Denker, der komplexe Sachverhalte erfassen konnte. „Viele von uns hat er mit seiner Energie und Loyalität zu unserer Bank zutiefst beeindruckt“, wurde der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing zitiert. Doch in einer Phase, in der die Reregulierung nach dem Wackeln der Bankenwelt ab 2007 Geschäftsmodelle stark einschränkte, wurde ihm mangelndes Gespür für die weitere Entwicklung nachgesagt. In den drei Jahren an der Spitze der Deutschen Bank blieb kaum Zeit für eine strategische Neuausrichtung, Jain blieb in der Defensive und musste zwischen Betrug mit Emissionszertifikaten und Geldwäsche problematisches Geschäftsgebaren korrigieren.

          An seiner letzten Station Cantor stärkte er den Standort London, an dem er neben New York auch viele Jahre lang seinen Wohnsitz hatte. Zu Deutsche-Bank-Zeiten lebte er auch in Frankfurt. Jain spielte Golf und Cricket – zwei Sportarten, denen er auch gern als Zuschauer folgte. Er hinterlässt seine Ehefrau Geetika und zwei Kinder.

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