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Friseurhandwerk : Sorgenkind Dauerwelle - Hoffnungsträger Farbe

Friseurmesse „Hair & Beauty” in Frankfurt: Färben, ja bitte! Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Es gibt wohl kaum ein Handwerk, das sich so gerne inszeniert wie die Friseure. Doch es gibt wenig Grund zu feiern: Vom Aufschwung profitieren die Friseure kaum. Judith Lembke hat sich auf Europas größter Friseurmesse umgesehen.

          Sie heißen David Cameron, Toni&Guy und Boris Entrup. Wenn sie auf der Bühne stehen, verfolgen ihre Fans jede ihrer Bewegungen mit Ehrfurcht und saugen alle Kommentare gierig auf. Sie sind die Popstars der Branche, und wie sie das Haar verwuscheln oder die Schere benutzen, setzt Maßstäbe. Es gibt wohl kaum ein Handwerk, das sich so gerne inszeniert wie die Friseure.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dementsprechend gleicht die Hair & Beauty in Frankfurt, eine der größten Friseurmessen in ganz Europa, auch eher einem Schaulaufen als einer Verkaufsveranstaltung. An jedem Stand wird frisiert, vorgeführt und auch konkurriert. Im Untergeschoss wird gerade ausgemacht, wer bei der Europameisterschaft in der Kategorie „Hair by night Damen“ vorne liegt. Rosafarbene Wirbel in schwarzem Haupthaar treten gegen lange pinkfarbene Strähnen an. Das große Thema der Messe ist, wie man am besten die schräge Bobfrisur hinbekommt, die Kundinnen in ganz Deutschland geschnitten haben wollen, seitdem Victoria Beckham sie auch trägt.

          Männer wie Frauen lassen sich die Haare färben

          Die Branche ist wieder etwas optimistischer gestimmt: 2007 scheinen sich die Umsätze der Friseurbetriebe zu stabilisieren, nachdem die knapp 69.000 Salons in Deutschland im vergangenen Jahr nicht vom allgemeinen Aufschwung profitiert haben. Die Umsätze der Friseure gingen 2006 um 2,2 Prozent auf einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro zurück.

          Waschen, schneiden, legen: Der Ein-Mann-Betrieb wird immer häufiger bei Friseuren

          Besonders die Dauerwelle, die im vergangenen Jahr ihren hundertsten Geburtstag feierte, findet nicht mehr so viel Anklang, dafür lassen sich aber immer mehr Kunden - Männer wie Frauen - ihre Haare färben. Trotz des Rückgangs hat sich die Zahl der Betriebe im vergangenen Jahr leicht erhöht. Andreas Popp, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks, sieht diese Entwicklung vor allem darin begründet, dass die Zahl der Ein-Mann-Betriebe in der vergangenen Zeit stark zugenommen habe.

          Branchentrend: Zunahme der Kleinstbetriebe

          Neben der verstärkten Filialisierung sieht Popp die Zunahme der Kleinstbetriebe als einen großen Branchentrend. Laut Zentralverband könnte die Fragmentisierung der Friseurbetriebe mittelfristig jedoch zu einem Problem werden: „Die Kleinstunternehmen sind Betriebe, die weder beschäftigen noch ausbilden. Sie können daher kostengünstiger am Markt ihre Dienstleistungen anbieten. Die ausbildungsstarken mittleren Friseurbetriebe bleiben dabei schnell auf der Strecke“, sagt Popp.

          Er macht für diese Entwicklung vor allem den „Deregulierungseifer“ der Politik verantwortlich, der immer neue Ausnahmeregelungen von der Meisterpflicht geltend mache. Vehement wendet sich Popp auch gegen den Mindestlohn. „Das wäre für unsere Mitglieder in Bayern und Baden-Württemberg wohl kein Problem, aber in den neuen Bundesländern würde es zu einem großen Verlust an Arbeitsplätzen führen.“

          Training in neuesten Schnitt- und Colorationstechniken

          Trotz der beschriebenen Entwicklungen sind die Friseure noch immer eine mittelständisch geprägte Branche. Die meisten Betriebe sind Familienunternehmen, die nicht mehr als drei Mitarbeiter beschäftigen. An dieser Struktur orientieren sich auch die Hersteller von Friseurbedarf und Haarkosmetik. Sie treten auf einem hart umkämpften, sehr fragmentierten Markt in den Wettbewerb, auf dem sie immer wieder aufs Neue um die Gunst ihrer trendhungrigen Kunden kämpfen müssen.

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