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„Fridays for Future“-Bilanz : Die Klimapolitik bekommt etwas Konkretes

  • -Aktualisiert am

Ikone des Klimastreiks Bild: dpa

Der vor einem Jahr gestartete Schülerprotest hat der Klimapolitik eine neue Dynamik gegeben. Die Intensität der Debatte hat zugenommen.

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          Der Schülerprotest gegen die Klimapolitik hat dem Thema eine neue Dynamik gegeben. Die Intensität der Debatte hat seither zugenommen. Unternehmen setzen sich öffentlichkeitswirksam neue Ziele, emissionsfrei zu produzieren. Selbst die Luftfahrtgesellschaften springen auf die Diskussion auf und zeigen auf ihrer wichtigsten Branchenschau die jüngsten Fortschritte. Keine Finanzmarktkonferenz kommt derzeit ohne das Thema nachhaltige Geldanlage aus. All das zeigt: Im Klimaschutz lassen sich die Ziele nur dann erreichen, wenn alle Gruppen dazu ihren Beitrag leisten.

          Insofern hat die „Fridays for Future“-Bewegung eine wichtige Akzentverschiebung gebracht. Durch den Schülerprotest fragen sich erstmals auch große Gruppen von Konsumenten, was sie selbst beitragen können, um das 1,5- oder 2-Grad-Ziel zu erreichen. Dadurch bekommt die Klimapolitik etwas Konkretes, im eigenen Leben Verhaftetes. Jetzt wird klar, dass die Opfer dafür – wenn man das so nennen will – machbar sind, aber man sich von mancher Lebensgewohnheit verabschieden muss.

          Antworten gesucht

          Doch bei der individuellen Analyse kann man nicht stehenbleiben. Es braucht politischen Beistand. Denn ohne ein flächendeckendes Mobilitätsnetz lässt sich ansonsten der Kohlendioxidausstoß nicht vermindern. Und wenn bislang die Emissionen aus Flügen der größte Brocken in der Umweltbilanz sind, muss es auch Antworten geben für mobile Berufstätige oder für Menschen, die Familienmitglieder in verschiedenen Ländern sehen wollen. Was auch die Proteste nicht geändert haben, ist, dass in privaten Gesprächen über Nachhaltigkeit weiterhin mehr über Bio-Essen als über Flugreisen diskutiert wird.

          Doch auch politische Parteien müssen sich daran erinnern, dass es um mehr als Schuldzuweisungen gegen Individuen geht. Sie sollten den Schwung der Demonstrationen nutzen. Dass die Energiewende komplex und teuer ist, haben viele Minister beklagt. In der Vergangenheit haben sich als Instrumente der Umweltpolitik Abgaben und Steuern, aber vor allem auch der Emissionszertifikatehandel bewährt. Er hat dazu beigetragen, die bisherigen Klimaziele zu erreichen. Ein solches Instrument kann vorbeugen, durch viele Einzelmaßnahmen die Bürger zu überfordern, und dazu beitragen, den effizientesten Weg zur Emissionsvermeidung zu erreichen.

          Das sollte Mut machen, dass man nicht wieder dazu verführt wird, das derzeit beliebteste Mittel der Politiker einzusetzen: Verbote. Denn sie sind immer eine Gefahr für den sozialen Frieden und führen zur Ächtung von Lebensstilen. CO2 sollte man intelligent bekämpfen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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