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Freihandelsvertrag : Südkorea muss den Brexit nicht fürchten

Südkorea unterhält insgesamt 15 Freihandelsverträge. Der Hafen in Incheon zählt zu den größten Umschlagplätzen der Welt. Bild: Reuters

Als einziges Land in Asien hat Südkorea schon einen Freihandelsvertrag mit dem Vereinigten Königreich geschlossen. Wie Mexiko ist Südkorea eines der Länder, die sich durch Freihandelsverträge am meisten dem freien Warenhandel geöffnet haben.

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          Auf den eskalierenden Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China sucht Südkorea eine kluge Antwort. Das Land wolle durch neue Freihandelsverträge mit Schwellenländern seine Abhängigkeit von den beiden Schwergewichten im Welthandel verringern, erklärte das Handelsministerium in Seoul. Das ist leichter gesagt als getan.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Südkorea wickelt 24 Prozent seines gesamten Handels mit China ab und weitere 12 Prozent mit den Vereinigten Staaten. Mit Abstand sind das die größten Handelspartner, danach folgen Japan mit 7,5 Prozent und Vietnam mit 6 Prozent. Die Zahlen verdeutlichen, dass der Versuch, den Außenhandel stärker zu streuen, wenn überhaupt nur auf sehr lange Sicht Erfolg haben kann. Die Zahlen zeigen auch, warum der aktuelle Handelskrach mit Japan, seinem drittgrößten Handelspartner, für Südkorea so bedrohlich wirkt.

          Südkorea unterhält 15 Freihandelsverträge

          Dabei ist Südkorea schon heute wie Mexiko eines der Länder, die sich durch Freihandelsverträge am meisten dem freien Warenhandel geöffnet haben. 15 Freihandelsverträge zählt das Land, darunter mit China und den Vereinigten Staaten, mit der Europäischen Union und den Staaten des Efta-Raums, mit Indien, Australien und dem Asean-Bund. Seoul ist damit aber nicht zufrieden und arbeitet weiter an neuen Freihandelsverträgen. Erst im August einigte die Regierung sich auf den Freihandel mit Israel. Wenn alles gut geht, werden bis November spezielle Freihandelsverträge mit den Asean-Staten Indonesien, Malaysia und Philippinen fertig sein.

          Den für die kommenden Wochen wichtigsten Freihandelsvertrag aber unterzeichnete Südkorea im August mit dem Vereinigten Königreich. Wenn die Briten wahrscheinlich Ende Oktober die Europäische Union verlassen, wird Südkorea mehr oder weniger unter den gleichen Bedingungen wie derzeit Waren ins Vereinigte Königreich liefern oder von dort beziehen können. Die Regierung in Seoul macht Druck, dass der Vertrag noch rechtzeitig vorher das Parlament passieren wird.

          Mit 1,2 Prozent des gesamten südkoreanischen Handelsvolumens steht das Vereinigte Königreich zwar nur auf Rang 21 der wichtigsten Handelspartner. Zum Vergleich: Deutschland mit 2,7 Prozent teilt sich mit Australien und Saudi-Arabien Rang 7. Dennoch bringt der vorbeugend geschlossene Freihandelsvertrag mit dem Vereinigten Königreich den südkoreanischen Unternehmen ein wenig mehr Ruhe in den turbulenten Wochen nach dem Brexit.

          Diese vorausblickende Handelspolitik zeichnet Südkorea in Asien derzeit aus. Bislang ist kein anderes asiatisches Land durch einen Freihandelsvertrag mit dem Vereinigten Königreich auf den Brexit vorbereitet. Australien und Neuseeland haben nach Angaben der britischen Regierung immerhin Verträge zur wechselseitigen Anerkennung von Produktstandards geschlossen.

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