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TTIP und Co. : Die Bremser der Globalisierung

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Prinzip Vorsicht: Die stockenden TTIP-Verhandlungen zeigen die Angst vor Marktöffnung. Bild: dpa

Seit der großen Finanzkrise wächst der Weltgüterhandel viel langsamer als vorher und nur noch unwesentlich schneller als die Weltproduktion. Ökonomen haben zwei Thesen, warum das so ist.

          9 Min.

          Stößt die Globalisierung an Grenzen? Wenn ja, an welche, und wodurch werden sie bestimmt? Diese Fragen werden im Gefolge der großen Wirtschafts-und Finanzkrise von 2008 drängender denn je gestellt, und sie haben einen realen Hintergrund. Seit der Krise wächst der Weltgüterhandel deutlich langsamer als vor der Krise und nur noch unwesentlich schneller als die Weltproduktion. Die Bremsfaktoren sind in deutlich langsamer wachsenden grenzüberschreitenden Wertschöpfungsketten, also im Handel mit Vor- und Zwischengütern, identifiziert worden. Ob wir es mit einem Trend, also einer dauerhaften Verlangsamung des Handelswachstums, oder einem vorübergehenden zyklischen Phänomen zu tun haben, ist angesichts der Kürze der Beobachtungszeit seit 2010 aber noch nicht eindeutig zu beantworten. Gründe lassen sich für beide Thesen finden.

          Für die zyklische Komponente spricht, dass in Zeiten langsamer wachsender Nachfrage Engpässe auf heimischen Beschaffungs- und Arbeitsmärkten aufgelöst werden. Es besteht nicht mehr der Druck, weitere Wertschöpfungsschritte auszulagern, weil beispielsweise die Lohnkosten im Ausland niedriger als im Inland sind. In Zeiten langsameren Nachfragewachstums kommt die Verlängerung der grenzüberschreitenden Wertschöpfungsketten an einen Haltepunkt. Inländische Standorte werden wieder wettbewerbsfähig. Die Zeit nach 2010 ist, verglichen mit der Phase vor 2008, weltweit von einer längeren Anpassung an die Schocks der Bankenkrise gekennzeichnet gewesen. Die Wachstumsraten der Vorkrisenzeit sind in fast allen Volkswirtschaften einschließlich der Schwellenländer nicht wieder erreicht worden. Der Glaube an eine zweite Wachstumsmaschine in den Schwellenländern, die unabhängig von der ersten Maschine in den alten Industriestaaten Wachstumskräfte antreibt, ist verflogen. Für das Argument eines zyklischen Phänomens spricht zudem, dass die Kosten der Finanzierung des Handels in Zeiten langsameren Wachstums und vor allem nach einer schweren Finanzkrise steigen. Die Banken scheuen unsichere Kreditnehmer, die sie vor allem im Ausland, weniger im Inland verorten. Auch dies kommt der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Produktionsstandorte zugute.

          Chinas Hinwendung zum Binnenkonsum ist beispielhaft

          Für eine strukturelle, also eine dauerhafte Verlangsamung des Handelswachstums sprechen ebenfalls eine Reihe Faktoren: technologisch-logistische Grenzen in der Länge grenzüberschreitender Wertschöpfungsketten, der Versuch von wichtigen Ländern wie Brasilien und China, die heimische Wertschöpfung durch eine Mischung aus Auflagen und Anreizen zu erhöhen, zunehmende Direktinvestitionen aus China in den Schwellen- und Industrieländern, um diese Märkte freier von der Gefahr des Protektionismus als bei Direktexporten zu erschließen und Risikostreuung bei der Anlagestrategie zu betreiben. Auch technologische Innovationen wie Industrie 4.0 oder die „Connectivity“-Strategie in der Automobilindustrie der Industrieländer finden ihren Absatz zunächst auf den heimischen Märkten, später auf den Märkten der Handelspartner.

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