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Frauenquote : Nur jeder siebte Vorstand ist weiblich

  • -Aktualisiert am

Diese kleine Playmobilkolonne hat eine bessere Frauenquote als Deutschlands größte Unternehmen. Bild: dpa

Mehr Frauen an die Macht? Die Dax-Konzerne tun sich schwer damit.

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          Deutschland kommt bei der Besetzung von Top-Positionen mit Frauen nicht voran: Der Frauenanteil in den Dax-Vorständen stagniert seit drei Jahren bei 14Prozent. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit hinten. Dabei hatten die Frauen phasenweise einen Spitzenposten nach dem anderen erobert, ihr Anteil in Dax-Vorständen hatte sich, getrieben nicht zuletzt von der Politik, innerhalb von vier Jahren verdoppelt; von 7 Prozent im Jahr 2014 auf knapp 14 Prozent 2018. Seither aber stockt es. Das hat eine Untersuchung der Personalberatung Russell Reynolds Associates ergeben.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Moment finden sich unter den 190 Vorständen der Dax-Unternehmen demnach 27 Frauen. Davon sind fünf Finanzchefin (CFO) und sechs Personalvorstand, allerdings gibt es keine einzige Vorstandsvorsitzende im Dax. Die Freude über Jennifer Morgan als Ko-Chefin von SAP währte nur kurz.

          Große Unterschieden zwischen den Dax-Unternehmen

          Frauen werden etwas früher Vorstand (im Schnitt mit 48,5 Jahren) und sind durchschnittlich drei Jahre jünger (51 Jahre) als ihre männlichen Kollegen. Allerdings halten sie sich auch kürzer im Amt: Die Verweildauer der Frauen beträgt 5,8 Jahre, Männer kommen im Schnitt auf sieben Jahre. „Die vor fünf Jahren durch das Gesetz zur Gleichberechtigung in Führungspositionen ausgelöste Diskussion hat die Ernennung von weiblichen Vorständen zunächst beschleunigt. Diese Dynamik ist seit drei Jahren zum Erliegen gekommen“, sagt Personalberater Jens-Thomas Pietralla von Russell Reynolds Associates. Ähnlich entwickle sich der Frauenanteil in Dax-Aufsichtsräten: „Seitdem die gesetzlich vorgeschriebenen 30 Prozent erreicht sind, verharrt der Frauenanteil bei einem Drittel.“

          Unter den Dax-Unternehmen gibt es große Unterschiede. Sechs Unternehmen haben im Vorstand einen Frauenanteil von 25 Prozent (Covestro, Daimler, Deutsche Telekom, Fresenius Medical Care, Vonovia, Wirecard), zwei kommen auf 20 Prozent (Allianz, Merck), während sieben Dax-Unternehmen keine einzige Frau im Vorstand haben: Bayer, Eon, Heidelberg-Cement, Infineon, MTU Aero Engines, RWE und Siemens.

          Auffällig ist, dass 44 Prozent der weiblichen Vorstände aus dem Ausland stammen. Unter den Männern sind es nur 30 Prozent. Die Internationalisierung aber schreitet auch dort voran, so wurden in den letzten zwei Jahren fast genauso viele Ausländer wie Deutsche zu Dax-Vorständen ernannt. Wer es auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden schafft, hat zu 83 Prozent seine Karriere innerhalb des Unternehmens vorangetrieben. Nur rund 17 Prozent aller aktuellen CEOs wurden direkt von außen berufen. Finanzvorstände dagegen werden eher außerhalb des Konzerns gesucht: Hier wurde nur jeder zweite aus den eigenen Reihen rekrutiert.

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