https://www.faz.net/-gqe-9ajoy

Rechtsanspruch : Frauen fragen selten nach dem Gehalt

  • Aktualisiert am

Eine Frau deutet auf eine projizierte Grafik. Bild: dpa

Seit diesem Jahr können Frauen fragen, was Männer verdienen. Doch sie nutzen das Gesetz kaum.

          Das seit Januar geltende verschärfte Entgelttransparenzgesetz zur Überprüfung der Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen wird offenbar nur selten genutzt. Aus einer von der „Süddeutschen Zeitung“ in ihrer Wochenendausgabe veröffentlichten Umfrage bei etwa 20 großen deutschen Unternehmen geht hervor, dass die Zahl der Gehaltsanfragen nach fast einem Jahr zwischen null und 50 liegt. Dabei zählen die Konzerne teilweise mehr als 100.000 Beschäftigte.

          Bei der Deutschen Post, Henkel, Bosch, Audi, Continental und der Deutschen Bahn gab es beispielsweise weniger als 20 Anfragen. Bei Siemens waren es unter 100. RWE verzeichnete genau eine Anfrage einer Frau, bei Aldi-Süd gab es nicht eine einzige. Größeres Interesse bestand mit 293 Anfragen nur bei der Allianz, mit 120 bei der Deutschen Telekom und mit 164 bei der Deutschen Bank im ersten Quartal. Klagen wegen ungleicher Bezahlung wurden bei den befragten Unternehmen nicht registriert.

          Gemäß dem Entgelttransparenzgesetz können Beschäftigte in Betrieben mit mindestens 200 Beschäftigten Informationen darüber verlangen, was Kollegen mit vergleichbaren Tätigkeiten verdienen. Allerdings scheinen viele keine Kenntnis von diesem Rechtsanspruch zu haben. Andere befürchten offenbar bei entsprechenden Nachfragen Nachteile durch die Betriebsleitung. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ist weiterhin groß. Ute Klammer, Direktorin des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, sagte der Zeitung: „Dieses Gesetz ist ein völlig zahnloser Tiger“.

          Weitere Themen

          Indien muss Talsperre öffnen Video-Seite öffnen

          Monsun : Indien muss Talsperre öffnen

          Nach heftigen Regenfällen mussten die Behörden im Norden Indiens die Talsperre an einem Staudamm öffnen. Im nördlichen Bundesstaat Himachal Pradesh wurden die höchsten Niederschläge seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund 70 Jahren registriert. Der Monsun hat in diesem Jahr schon mehr als 1000 Todesopfer gefordert.

          Topmeldungen

          Soli und Negativzinsen : Die Koalition der Verzweifelten

          Der Soli wird zur verkappten Reichensteuer. Zudem entdeckt die Koalition jetzt auch noch den Sparer und will Negativzinsen verbieten. Wetten, dass das weder CDU noch SPD hilft?

          Overtourism : Urlaubsziele vor dem Touristen-Kollaps

          Ob Venedig oder Barcelona – viele Städte werden von Touristen überrannt. Auch in Deutschland gibt es Probleme: 2018 kamen 1,6 Millionen Touristen allein aus China. Lösungen gibt es nicht.
          Bugatti Veyron auf einer Automesse – Das Modell war auch bei den von Schweizer Behörden gesuchten Verdächtigen beliebt

          Milliarden-Raub : Verdächtige lebten in Saus und Braus

          Internationale Kriminelle haben den Staatsfonds von Malaysia ausgeraubt. Schweizer Ermittler sind den veruntreuten Milliarden auf der Spur – ein Krimi, der von einem mysteriösen Araber handelt und von superschnellen Luxusautos.
          Angeklagt: Der Unternehmer Alexander Falk (Mitte) wartet am Mittwoch mit seinen Anwälten im Frankfurter Landgericht auf den Prozessbeginn.

          Prozess gegen Alexander Falk : „Damit diese Bazille nicht mehr existiert“

          Hat Alexander Falk, der Erbe des Stadtplan-Verlags, den Auftrag erteilt, einen Anwalt zu töten? Vor Gericht bestreitet er das. Und was auf den ersten Blick ein logischer Schluss ist, beginnt beim Blick auf die Details zu wackeln.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.