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Ministerinnen im Kabinett : So kann Angela Merkel die Frauenquote anheben

Julia Klöckner und Angela Merkel beim Wahlkampf in Neustadt Bild: dpa

Angela Merkel plant schon ihr nächstes Kabinett: 50 Prozent der Minister sollen Frauen sein, zumindest auf Unionsseite. Aber wo könnten diese Frauen herkommen? Eine Suche.

          630 – 243 – 37: Das sind die Maße, die den Umfang weiblicher Macht in der Bundespolitik beschreiben. Der Deutsche Bundestag hat aktuell 630 Abgeordnete, davon sind 234 Frauen – ein Anteil von 37 Prozent. Im nächsten Parlament werden aller Voraussicht nach weniger weibliche Abgeordnete reden und abstimmen. Schuld daran sind zwei Parteien, die heute nicht im Bundestag vertreten sind, aber wahrscheinlich einziehen werden: FDP und AfD haben nur wenige Frauen auf ihren Kandidatenlisten nominiert. Da können sich SPD, Grüne und Linke noch so sehr um Geschlechtergerechtigkeit bemühen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Während also vermutlich weniger Frauen Abgeordnete werden, plant Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die nächste Regierung schon mit mehr Frauen: Jedes zweite Regierungsmitglied solle weiblich sein, hat sie mehrfach betont – wenn auch mit der Einschränkung, dass sie schlecht für mögliche Regierungspartner reden könne. Da gäbe es noch Platz nach oben. Die Kanzlerin dirigiert derzeit ein Kabinett aus 15 Mitgliedern, darunter sechs Frauen. Merkel eingerechnet, sind 43 Prozent der Regierungsmitglieder weiblich. Ähnlich sieht das Bild aus, bezieht man die 32 Parlamentarischen Staatssekretäre ein. Unter ihnen gibt es 13 Frauen. Damit haben die Frauen 20 von 47 Posten inne, was einem Anteil von 43 Prozent entspricht.

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          Auf den (samt Kanzleramt) zehn Kabinettsposten der Union sind Frauen allerdings zurzeit unterrepräsentiert. Sie führen drei Ressorts: Kanzlerin Merkel, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Forschungsministerin Johanna Wanka. Bezieht man auch hier die zweite Ebene der Parlamentarischen Staatssekretäre ein, wird es nicht besser. Unter den 22 „PST“ sind gerade einmal sechs Frauen, weniger als ein Drittel. Merkel hat also, wenn sie den Frauenanteil in ihrem Kabinett auf 50 Prozent aufstocken will, in den eigenen Reihen noch einiges nachzuholen. Doch welche Frauen kämen für die erste und zweite Reihe in Frage – neben jenen, die wie von der Leyen und Wanka heute schon einen Platz haben?

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          Die Prominenten unter den Unionsfrauen muss man derzeit eher außerhalb Berlins suchen – in den Ländern. Da wäre zum Beispiel Julia Klöckner. Die Vierundvierzigjährige ist seit 2010 CDU-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz und seit Ende 2012 stellvertretende Vorsitzende der Bundespartei. Regelmäßig gehört sie zu den Stellvertretern Angela Merkels, die auf Parteitagen die besten Wahlergebnisse einfahren. Sie ist eine Sympathieträgerin, die ehemalige Weinkönigin mit Lehramtsexamen in Religion und Sozialkunde, die gut mit „de Leut’“ kann, um Kurt Beck zu zitieren, jenen ehemaligen SPD-Ministerpräsidenten, den Klöckner 2011 vergeblich vom Thron zu stoßen versuchte. Vergangenes Jahr verlor sie wieder die Landtagswahl. Dieses Mal gegen SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer und nicht mehr als Newcomerin, die besser abschnitt als gedacht, sondern als Herausforderin, die schlechter abschnitt, als Umfragen hatten erwarten lassen.

          Ein Wechsel nach Berlin, als Ministerin etwa, wäre für Klöckner eine Rückkehr. Von 2002 bis 2011 saß sie im Bundestag, zuletzt war sie Parlamentarische Staatssekretärin im Verbraucherministerium von Ilse Aigner (CSU). Klöckner ist ein Berlin-Profi – sie meldet sich auch von Mainz aus über Landesthemen hinaus zu Wort, zum Beispiel zum Burka-Verbot. Sie käme zwar als Politikerin, die es zweimal nicht geschafft hat, ihr Bundesland für sich zu gewinnen. Aber in der CDU ist die Bereitschaft zu vernehmen, die zweite Niederlage in der Kategorie „Pech“ einzuordnen, schließlich verlor sie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise.

          Kandidatinnen aus ganz Deutschland

          Neben der umtriebigen Rheinland-Pfälzerin gibt es noch eine andere CDU-Landespolitikerin, die viele auf dem Zettel haben: Annegret Kramp-Karrenbauer, 55 Jahre alt, Ministerpräsidentin im Saarland und seit vielen Jahren Mitglied im Präsidium ihrer Partei. Anders als Klöckner hat die Politik- und Rechtswissenschaftlerin Kramp-Karrenbauer nicht zwei Wahlen verloren, sondern gewonnen – die erste nach dem Scheitern der saarländischen Jamaika-Koalition 2012, die zweite Anfang dieses Jahres, mitten im Rummel um den frischgekürten SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Anders als Klöckner aber hatte Kramp-Karrenbauer, die eher dem linken Spektrum ihrer Partei zuzuordnen ist, auch Glück: Das rot-rot-grüne Szenario, das mit Schulz plötzlich im Raum stand, missfiel den saarländischen Wählern offenbar. Für sie könnte der Schritt von Saarbrücken nach Berlin reizvoll sein, um sich auf dem Bundesparkett zu bewähren – und sich so zu empfehlen für höhere Aufgaben in ihrer Partei.

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