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Frauen im Beruf : „Wie ein Surfer auf der Welle reiten“

  • -Aktualisiert am

Bettina Langenberg, Managerin bei der Deutschen Bank - ein Audio-Porträt Bild: CIB Global Relationship Management Deutsche Bank AG

Sein Wissen immer aktuell halten - das gehört dazu, um im Arbeitsleben von morgen zu bestehen. Erkenntnisse einer Konferenz für Führungskräfte.

          Sein Wissen immer aktuell halten und eigenverantwortlich handeln - das gehört dazu, um im Arbeitsleben von morgen noch zu bestehen, sagt Juliane Wiemerslage. Als Arbeitsdirektorin und Mitglied der Geschäftsleitung bei IBM Deutschland gehört sie zu den 3,7 Prozent Frauen in Top-Positionen in Deutschland.

          Welche Anforderungen die Zukunft bringt und worauf besonders Frauen achten sollten, stand im Mittelpunkt bei der Konferenz der „Women in European Business“ in Frankfurt/Main. Zum dritten Mal brachten die Managerinnen der Deutschen Bank weibliche Führungskräfte aus verschiedenen Unternehmen zusammen, um so ein Netzwerk unter berufstätigen Frauen zu schaffen.

          Soziale Kompetenzen werden immer wichtiger

          Schon in der nahen Zukunft müssen sich nicht nur Frauen auf eine veränderte Arbeitswelt einstellen, mahnte der Zukunftsforscher Professor Horst Opaschowski. Trotz steigender Zuwanderung sinke die Zahl der Erwerbstätigen, während das Alter weiter steige. So komme es bald weniger auf fachliche, denn auf soziale Kompetenzen an, sagte Heike Day, Personalleiterin bei der Deutschen Bank 24. „Statt Disziplin zählt Eigenständigkeit“. Das Standardarbeitsverhältnis gehe zurück, der Arbeitsmarkt werde immer flexibler. „Deshalb muss man die Fähigkeit zur Selbstvermarktung haben“, sagte Day.

          Dass die Anforderungen an die Veränderungsbereitschaft weiter steigen, davon geht die IBM-Managerin Wiemerslage aus. In der Zukunft werde das Land am ehesten bestehen, das die besten Bildungsmöglichkeiten biete und wo sich die Mitarbeiter auf Veränderungen einstellten: „Man muss wie ein Surfer oben der Welle reiten“.

          Dass im europäischen Vergleich viel weniger deutsche Frauen berufstätig sind als in den Niederlanden oder etwa in Frankreich, hat nach Einschätzung von Wiemerslage verschiedene Gründe: „Wenn die Frauen in den ersten Jahren der Betriebszugehörigkeit sind, kommen die Kinder. Meistens wollen sie ihre Kinder selbst betreuen, weil sie sonst keine andere Möglichkeit haben oder weil sie sonst als Rabenmütter angesehen werden.“ Zu viele Frauen würden Studienfächer wählen, die für die Unternehmen weniger interessant seien. „Oft studieren sie Lehramt oder Medizin, aber nicht die Felder, die wir besetzen wollen.“

          Nicht nur als eine Frage der Gerechtigkeit, sondern als Notwendigkeit sieht Bundeskanzler Gerhard Schröder die höhere Beteiligung von Frauen im Arbeitsleben. „Deutschland ist in diesem Bereich rückständiger als es sein dürfte“, sagte er in seiner Eröffnungsrede vor den 1100 Teilnehmerinnen. Dabei müsse nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf materiell gestärkt werden. Über freiwillige Vereinbarungen versuche die Regierung die Kultur in den Unternehmen zu ändern.

          „Jeder ist für sich verantwortlich“

          Doch die Notwendigkeit, Frauen stärker ins Berufsleben einzubeziehen, ist nicht nur aus volkswirtschaftlicher und Unternehmenssicht wichtig, sagt Bettina Langenberg. Die Top-Managerin leitet bei der Deutschen Bank das Geschäft mit den Firmenkunden in der Schweiz und ist einer der weltweit 170 Frauen (6,1 Prozent) auf der Ebene direkt unterhalb des Vorstands. „Es gibt immer weniger feste Lebensgemeinschaften und die Altersvorsorge ist unsicher. Da ist jeder für sich verantwortlich“.

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