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Gerechtes Deutschland : Ein Buch als kalkulierte Provokation

  • -Aktualisiert am

Hartz IV abschaffen: Wäre das gerecht? Bild: dpa

Ist Deutschland wirklich „gerechter, als wir meinen“? Georg Cremer fordert in seinem neuen Wirtschaftsbuch gesellschaftliche Gerechtigkeit vom Staat. Ein Gastbeitrag von Franz Müntefering.

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          Der Titel dieses Buches ist eine kalkulierte Provokation: „Deutschland ist gerechter, als wir meinen“. Was heißt „meinen“? Wer ist „wir“? Vor allem: Was heißt „gerechter“? Gleichwohl: Der Titel ist stimmig, und die Provokation macht Sinn. Georg Cremer schenkt, wie bei seinen früheren Positionierungen, dem Staat nichts und fordert von ihm Anstrengungen für mehr Gerechtigkeit. Er sieht, dass die gesellschaftlichen Bedingungen sich verändern und damit auch die Herausforderungen an Gerechtigkeit. Viel zu tun, sagt er.

          Aber Cremer nennt richtige Schritte, auch richtige Schritte, die Mut machen. Er nennt das Mögliche nüchtern beim Namen, also möglich, und er bezieht persönliche Mitverantwortung des Einzelnen mit ein. Das sind gute Voraussetzungen fürs Gelingen. Der Sozialstaat ist stabil und passt sich der Zeit an. Wer das Skandalisieren liebt, kann aus dem Buch einen Katalog von Missständen ableiten und den Notstand ausrufen. Die Konsequenz, die Cremer zieht, ist eine andere: „Der Niedergangsdiskurs, der sich in Deutschland breitgemacht hat, ist gefährlich. Er lähmt und entmutigt. Er spielt populistischen Kräften in die Hände, da er die Ängste in der Mitte der Gesellschaft verstärkt.“ Wir brauchen eine Debatte zum „Sozialstaat, die das mühsame Stückwerk der Reform unterstützt“. Cremer will einen Kontrapunkt setzen: „Deutschland ist gerechter, als wir meinen, aber es kann noch gerechter werden. Ruhig zurücklehnen dürfen wir uns daher nicht.“

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