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Energiepolitik : Frankreich verschiebt den Ausstieg aus der Kernenergie

Das französischen Atomkraftwerk Cattenom nahe der deutschen Grenze Bild: dpa

In der Haltung zur Atomkraft gibt es einen himmelweiten Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich. 62 Prozent der Franzosen halten Kernenergie für eine Trumpfkarte. Im Wahlkampf hatte Hollande noch einen Teilausstieg angekündigt, doch eilig hat er es damit nicht.

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          In der Energiepolitik tun Deutschland und Frankreich gerne so, als zögen sie an einem Strang – zuletzt wieder beim deutsch-französischen Ministerrat in Metz vor einer Woche. Dabei zeigen die jüngsten Entscheidungen der französischen Regierung einen himmelweiten Unterschied: Die Umweltministerin Ségolène Royal hat in einem Gespräch mit „Le Monde“ angekündigt, dass die ersten Schritte zum Teilausstieg aus der Atomenergie auf die Zeit ab 2019 und damit in die nächste Legislaturperiode verschoben werden. Die Gründe sind vielfältig: Nach einer Umfrage vom März halten 62 Prozent der Franzosen die Atomkraft für eine Trumpfkarte; gerade die lokale Bevölkerung in der Nähe der Reaktoren verteidigt sie mit den Gewerkschaften. Zudem ist die Atomkraft das Kerngeschäft der Staatskonzerne Eléctricité de France (EdF) und Areva. Sie leiden zwar auch unter den überschießenden Kosten für Kraftwerksneubauten, doch ein abrupter Ausstieg würde sie wirtschaftlich arg schwächen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Wir gehen jetzt in zwei Schritten vor“, sagte Royal, „zuerst bauen wir die erneuerbaren Energien aus. Damit machen wir sie unabhängig vom Thema der Atomkraft, das komplizierter und mit mehr Konflikten behaftet ist.“

          Ségolène Royal

          Das Wahlkampfversprechen von Präsident François Hollande sah vor, bis zum Jahr 2025 den Anteil der Atomenergie an der Stromproduktion von rund 75 auf 50 Prozent zu reduzieren. Nach einer Studie des französischen Rechnungshofes müssten dafür aber 17 bis 20 von Frankreichs 58 Reaktoren stillgelegt werden. Oder der Stromverbrauch müsste bei einem starken Ausbau der alternativen Energien enorm zunehmen. Doch der Konsum von Elektrizität stagniert praktisch seit 2010.

          Die erneuerbaren Energien schreiten in Frankreich voran, allerdings vor allem zu Lasten von Kohle und Gas. „Frankreich hat beim Ausbau der erneuerbaren Energien seine bisherigen Ziele weitgehend überschritten. So wurde 2010 beschlossen, die Produktionskapazität der Solarenergie auf 5 Gigawatt zu erhöhen. Über dieses Niveau ist man heute deutlich hinaus“, sagt Sven Rösner, stellvertretender Geschäftsführer des Deutsch-Französischen Büros für die Energiewende in Paris. Bei Wasserkraft durch Staudämme war Frankreich schon immer stark, nun holt das Land auch bei Wind- und Solarenergie auf. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch schon bei 18,7 Prozent.

          „Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat in jüngster Zeit auch Unternehmen aus Deutschland angelockt, darunter beispielsweise einige Stadtwerke“, berichtet Rösner. Frankreich habe seiner Ansicht nach gute Voraussetzungen für alternative Energien, zumal es mehr Wind und Sonne als in Deutschland gäbe. Den Hinweis auf die immer wieder unterbrochene Verfügbarkeit dieser Energieträger lässt er nicht gelten. „Das Argument, dass erneuerbare Energien nur produziert werden könnten, wenn Wind weht oder die Sonne scheint, relativiert sich in einem großen Land wie Frankreich. Denn meistens scheint immer irgendwo die Sonne oder es weht der Wind.“ Es müssten nur genügend neue Anlagen gebaut werden.

          Nur Fessenheim soll 2018 vom Netz gehen

          Ein Kernkraftwerk will die Regierung nach heutigem Stand indes abschalten: Die älteste Anlage des Landes in Fessenheim soll 2018 vom Netz gehen. Royal schlug kürzlich vor, dass der amerikanische Elektroautohersteller Tesla den Standort übernehmen könne. Der Tesla-Gründer Elon Musk „hat nicht nein gesagt“, berichtete Royal. Dabei fällt Frankreich indes der Übergang in die neue Nuklear-Generation schwer. Gerade hat die Aufsichtsbehörde ASN an der Baustelle im normannischen Flamanville Unregelmäßigkeiten im Stahl des EPR3-Reaktorbehälters festgestellt. Es handelt sich um den gleichen Reaktortyp, der auch für den Export ins britische Hinkley Point vorgesehen ist.

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