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Frankreichs Staatshilfe : 8 Milliarden Euro für die Autohersteller

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron besuchte im Jahr 2018 ein Werk Autoherstellers Renault in Maubeuge. Bild: dpa

Das Land will den Kauf schadstoffarmer Autos bezuschussen und auch eine temporäre Abwrackprämie. Davon ist nicht jeder Autohersteller begeistert. Präsident Macron zwingt Renault an einen Tisch mit Politikern und Gewerkschaften.

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          In Deutschland wird um die Kaufprämien noch gerungen; ein Entscheidung wird im kommenden Monat erwartet. Frankreich hat unterdessen am Dienstag einen umfangreichen Plan zur Rettung seiner Autoindustrie vorgelegt. Nicht weniger als 8 Milliarden Euro plant die französische Regierung an Hilfen ein, wie Präsident Emmanuel Macron am Dienstag bei einem Besuch des Autozulieferers Valeo bekanntgab.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Das Ziel laute, Frankreich zum führenden Produktionsstandort für schadstoffarme Fahrzeuge zu machen. 2025 sollen in Frankreich 1 Million schadstoffarme Autos gebaut werden Der Plan sieht hohe Subventionen sowohl für die Autokäufer als auch für die Hersteller vor. Die schon bestehende Unterstützung werde „massiv ausgebaut“, sagte Macron.

          Am frühen Morgen hatte er erhebliche staatliche Unterstützung per Twitter angekündigt. Den ganzen Tag widmete er Gesprächen mit Industrievertretern. Die Autoindustrie sei ein Herzstück der französischen Wirtschaft, das durch die Coronavirus-Krise zu einem „brutalen Stillstand“ gezwungen wurde, ließ der Präsident wissen. 400.000 Autos warten derzeit auf einen Käufer. Die Verkäufe gingen allein im April um 89 Prozent zurück, berichten Verbandsvertreter.

          Prämien für verschiedene Automodelle

          Daher will die französische Regierung jetzt umfangreich die Nachfrage stützen – vor allem die nach schadstoffarmen Fahrzeugen. Mit einer Milliarde Euro sollen die Käufe insgesamt gestützt werden. Die Subventionen für jeden Käufer eines Elektroautos sollen von maximal 6000 auf 7000 Euro steigen. Erstmals sollen auch Hybridfahrzeuge mit einem Zuschuss von 2000 Euro unterstützt werden. Abwrackprämien für Privatkäufer sowie Beihilfen für Firmenflotten kommen hinzu. Eine temporäre Abwrackprämie von jeweils 3000 Euro werde für unverkaufte Autos zur Verfügung stehen. Drei Viertel der Franzosen sollen darauf Anspruch haben. Auch neue Diesel- und Benzin-Fahrzeuge werden von der Abwrackprämie profitieren (beim Kauf von Elektroautos sind es 5000 Euro). Allerdings gelte die Prämie nur, bis 200.0000 Autos verkauft sind, sagte Macron.

          Für Flottenkäufer hatte die Regierung zu Jahresanfang die Subventionen für Flottenkäufer gerade halbiert, für Fahrzeuge zum Preis von 45.000 bis 60.000 Euro lag der Öko-Bonus nur noch bei 3000 Euro. Jetzt soll er wieder auf 5000 Euro erhöht werden. Für die Installation von Aufladestationen gibt es ebenfalls neue Hilfen. Auf der Industrieseite erwartet der Hersteller Renault einen staatlich garantierten Kredit von 5 Milliarden Euro.

          Hilfe nötig? Autos von Renault in Aubergenville

          Macron, der einst der Marktwirtschaft das Wort redete, stellt nun aber Bedingungen für die angekündigte Restrukturierung: Vor Genehmigung des Kredits soll Renault an einem „runden Tisch“ eine Einigung mit Gewerkschaften und mit Lokalpolitikern finden, forderte er. Grundsätzlich verlangt Macron, dass die französischen Hersteller Wertschöpfung in der Heimat ansiedeln oder zurückbringen, vor allem wenn es um schadstoffarme Technologien oder das autonome Fahren geht. Erste Erfolgsmeldungen gebe es: PSA habe entschieden, dass die Elektroversion des Peugeot 3008 im französischen Sochaux gebaut werde. Renault wolle zudem einen Elektromotor nicht mehr in Asien herstellen lassen, sondern in Frankreich. Der Konzern habe sich vorgenommen, die Produktion von Elektroautos bis 2024 auf 240.000 Fahrzeuge zu vervierfachen.

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