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Frankreich : Taxifahrerprotest gegen Uber eskaliert

  • Aktualisiert am

Zu Fuß zur Abflughalle: Gesperrte Flughafenzufahrt am Flughafen Paris Orly Bild: Reuters

Blockierte Flughafen-Zufahrten, gestrandete Passagiere - in Paris nehmen die Proteste von Taxifahrern gegen den privaten Fahrdienst Uber immer extremere Formen an. Mittendrin berichtet Rocksängerin Courtney Love von gewalttätigen Szenen.

          Französische Taxifahrer haben die Zugänge zu den beiden Pariser Hauptstadt-Flughäfen Roissy Charles de Gaulle und Orly blockiert. Der Grund: Sie protestieren gegen den umstrittenen Fahrdienstanbieter Uber, der ihnen das Geschäft streitig macht. Die Flughafenbetreiber in Paris rieten Reisenden schon am Morgen, die Regionalzüge RER nach Roissy und die Straßenbahn nach Orly zu nutzen, weil sich auf den Straßen der Verkehr stark staute. Flugpassagiere stiegen zum Teil mitten auf Hauptzufahrtsstraßen genervt aus den Autos und überwanden die letzten Meter zum Flughafen zu Fuß.

          Im Lauf des Tages eskalierte der Streik auf den Zufahrtsstraßen zu den Pariser Flughäfen zusehends. Empörte Uber-Nutzer äußern sich auf Twitter unter dem Hashtag #ParisUberStrike. Die Rocksängerin Courtney Love, die offensichtlich höchstpersönlich in die Proteste hineingeraten ist, erklärt dort gar, die Demonstranten hätten ihren Fahrer in ihre Gewalt gebracht und würden mit Metallprügeln auf Autos einschlagen. Sie fordert den französischen Präsidenten Francois Hollande auf, „seinen Arsch“ sofort zum Flughafen zu bewegen.

          Taxifahrer in ganz Frankreich sind in einen unbefristeten Streik getreten. Sie fordern, die Regierung solle gegen Uber aktiv werden, da das Unternehmen sich Fahrern ohne Lizenz bediene. Die Taxifahrer sind sauer: Denn eine Taxilizenz in Paris kostet bis zu 100.000 Euro; Uber-Fahrer müssen eine solche Lizenz nicht erwerben. Sie könnten sich somit die Kosten sparen und ihre Dienste deutlich billiger anbieten, argumentieren die Taxifahrer.

          In Deutschland darf Uber bereits nach einem Gerichtsbeschluss keine Fahrten mit Privatleuten mehr vermitteln. Das Unternehmen hat hierzulande aber schon mit seinem neuen Angebot Uber X reagiert - das wiederum legal sein soll.

          Die Taxifahrer begründeten ihren Ärger gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg wie folgt: „Viele Taxifahrer sind verärgert. Wir fordern, dass das Thevenoud-Gesetz umgesetzt wird, das klar verbietet, dass unlizensierte Fahrer auf den Straßen unterwegs sind“; sagte Abdelkader Morghad, ein Vertreter der Taxigewerkschaft FTI. Es fehle am politischen Willen, einzuschreiten. Nach Angaben von Morghad, sind die Umsätze von Taxis in Frankreich um 30 und 40 Prozent in den vergangenen beiden Jahren gefallen, weil ihnen Dienste wie Uber Konkurrenz machen.

          Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve hat hingegen angeblich schon reagiert und die Pariser Polizei angewiesen, das Operieren von Uber Pop im Pariser Stadtgebiet zu stoppen. Das jedenfalls berichtet der Fernsehsender BFM TV auf seiner Website. Dort ist von 2800 Taxifahrern die Rede, die sich allein am Morgen an den Streiks beteiligt hätten.

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