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Frankreich : Reform durch die Hintertür

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Paris: Die Vermögensteuer setzt bei 730.000 Euro ein Bild: picture-alliance / dpa

Die französische Regierung widersetzt sich zwar Rufen nach Abschaffung der Vermögensteuer, sie weicht sie aber langsam auf. Niemand soll künftig mehr über dem Grenzwert von 60 Prozent des Einkommens Steuern zahlen.

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          Die französische Regierung widersetzt sich zwar Rufen nach Abschaffung der Vermögensteuer, sie weicht sie aber langsam auf.

          Zum einen geschieht dies dadurch, daß die Regierung vom kommenden Jahr an eine Obergrenze für die steuerliche Gesamtbelastung einzieht; niemand soll künftig mehr über dem Grenzwert von 60 Prozent des Einkommens Steuern zahlen. Die andere Maßnahme betrifft die Eigentümer von Aktien an ihrem Arbeitgeber. Sie sind künftig zu 75 Prozent von der Vermögensteuer befreit, wenn sie die Anteile länger als sechs Jahre halten.

          Familienunternehmen werden zum Verkauf gedrängt

          Die Steuer namens Impot de Solidarite sur la Fortune (ISF) belastet nicht nur untätige Vermögende, sondern auch jene, die Arbeitsplätze schaffen. Zwischen 1997 und 2002 haben nach Angaben des Finanzministeriums 10 Milliarden Euro das Land verlassen. Rund 360 Personen zogen so pro Jahr ihr Kapital aus dem Land ab.

          Familienunternehmen werden zudem zum Verkauf gedrängt: Die auf Hotels und Champagner spezialisierte Taittinger-Gruppe ließ sich in diesem Jahr von einem amerikanischen Finanzinvestor übernehmen, weil Familienmitglieder ihre Anteile veräußern wollten, um die Steuerschuld zu begleichen. Von der neuen Obergrenze für die Gesamtsteuerlast profitieren auch Personen mit geringem Einkommen, die in teuren Feriengegenden leben. Einige von ihnen sind mit einer solch hohen Steuerschuld konfrontiert, daß sie Grundstücke verkaufen mußten.

          Vermögensteuer ab 730.000 Euro

          Die Vermögensteuer setzt bei 730.000 Euro ein. Ausgenommen sind Kunstgegenstände, Sammlungsobjekte, Stiftungen und selbstverwaltetes Unternehmensvermögen. Bei Immobilien gilt der aktuelle Marktwert. Für die Erstresidenz gibt es einen Abschlag von 20 Prozent. Außerdem bezieht sich die Steuerschuld auf das Nettovermögen, womit Immobilienkredite abgezogen werden können. Der Steuertarif liegt progressiv zwischen 0,55 und 1,8 Prozent der Vermögenswerte.

          Nach Angaben des Finanzministeriums müssen die Steuerpflichtigen bei einem Nettovermögen von 2 Millionen Euro und zwei Kindern rund 8.300 Euro im Jahr zahlen, bei 10 Millionen Euro sind es fast 117.000 Euro.

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