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Frankreich : Die Wohlhabenden werden zur Kasse gebeten

Frankreichs Präsident Hollande Bild: AFP

Frankreich erhöht die Vermögensteuer vom Herbst an drastisch. Der neue Präsident Hollande hebt sogar die Obergrenze auf. Im Gegenzug wird eine Steuerflucht von den Wohlhabenden befürchtet.

          Die Vermögensbesteuerung wird sich in Frankreich für Wohlhabende vom Herbst an drastisch verschärfen. Am Mittwoch begann in der Nationalversammlung die Debatte über die geplanten Steuererhöhungen, deren Verabschiedung aufgrund der satten sozialistischen Mehrheit als sicher gilt. Für Vermögen von beispielsweise 4 Millionen Euro wird sich die Vermögensteuer in diesem Jahr um 143 Prozent auf 95.500 Euro erhöhen, sagte der haushaltspolitische Berichterstatter der sozialistischen Partei, Christian Eckert.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Nach Angaben von französischen Finanzberatern bereiten nun einige reiche Franzosen ihren Wegzug aus Frankreich vor. „Normalerweise erstellen wir 50 Gutachten für die Expatriierung im Jahr. Bis Juli haben wir schon 90 angefertigt“, sagt der Vermögensberater Bernard Monnassier. Die Immobilienagentur Sotheby’s International Realty meldete zunehmende Immobilienverkäufe von mindestens 5 Millionen Euro. „Eine bedeutende Zahl reicher Familien will wegen der Initiativen der Regierung das Land verlassen“, sagte der Agenturchef Alexander Kraft. Dazu gehört auch der neue Einkommens-Spitzensteuersatz von 75 Prozent für Einkommen ab 1 Million Euro. Details und Zeitpunkt seiner Einführung stehen allerdings noch aus.

          Angedeutete Vergünstigungen

          Hollande deutete zuletzt an, dass es Vergünstigungen geben könnte. „Neu ist jetzt, dass auch jüngere Franzosen mit hohen Einkommen an einen Wegzug aus Frankreich denken“, berichtet Vermögensberater Monnassier, „mit der Einkommensteuer von 75 Prozent, der Sozialsteuer CSG und der Vermögensteuer droht eine Steuerlast von mehr als 100 Prozent.“ Ob der französische Verfassungsrat eine solche Last akzeptieren würde, ist allerdings ungewiss. Frankreich hält mit Norwegen, der Schweiz und Luxemburg (nur für Kapitalgesellschaften) an einer Vermögensteuer fest, die keine Erträge oder Einkommen erfasst, sondern eine Substanzsteuer ist. In Spanien ist sie wieder eingeführt worden, in anderen Ländern wird dieser Schritt diskutiert. Präsident François Hollande und seine Regierung machen nun nicht nur die Senkung der Vermögensbesteuerung unter dem Vorgänger Nicolas Sarkozy rückgängig, sondern gehen darüber hinaus, indem sie die Obergrenzen aufheben.

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          An Einnahmen werden für 2012 etwa 5,7 Milliarden Euro erwartet, rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Angaben der Regierung wird der Anstieg der Vermögensteuer nur in diesem Jahr besonders hoch ausfallen; 2013 soll er zurückgeführt werden, denn dann sei der Ausgleich der Steuersenkungen durch Sarkozy abgeschlossen. Die Besteuerung der Einkommen und Vermögen sei keine „Bestrafung“, sondern im Zeichen der Krise ein „patriotischer Akt“, sagte kürzlich Finanzminister Pierre Moscovici.

          Die 1982 von den Sozialisten eingeführte Vermögensteuer ist seit jeher ein Zankapfel der Politik. Sie bringt etwa jene Bürger in Schwierigkeiten, die eine werthaltige Immobilie, aber keine hohen flüssigen Mittel besitzen. Die Steuer greift jetzt bei einem Vermögen von 800.000 Euro. Bislang lag die Schwelle bei 1,3 Millionen Euro. Zugleich wurde der Eingangsteuersatz auf 0,55 Prozent mehr als verdoppelt. In welchem Ausmaß die Vermögensteuer den Wegzug reicher Franzosen auslöst, ist umstritten. Sicher ist, dass sich viele wohlhabende Franzosen in Orten wie Brüssel, Genf und London niedergelassen haben. Das Finanzministerium spricht von jährlich 600 bis 800 Expatriierungen aus Steuergründen. Vermögensexperte Monnassier schätzt die Zahl einschließlich der Familienangehörigen dagegen auf rund 2000.

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