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Frankreich : Cantonas Revolution scheitert

Geringe Resonanz: Eric Cantonas Aufruf fand wenig Beachtung Bild: dapd

Der ehemalige französische Ex-Fußballprofi Eric Cantona hatte in einem Interview seinen Landsleuten empfohlen, am vergangenen Dienstag massenweise Spareinlagen abzuheben. Denn nur so könne man „Revolution machen“. Doch an den Bankschaltern in Frankreich blieb es ruhig.

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          Die Revolution des Eric Cantona fand nicht statt. Der französische Ex-Fußballprofi, der einst durch einen Kung-Fu-Hieb gegen einen Zuschauer in England berühmt wurde, hatte zum Schlag gegen die Banken ausgeholt. Am gestrigen Dienstag sollten die Franzosen massenweise ihre Spareinlagen abheben, hatte er in einem Interview empfohlen, denn nur so könne man „Revolution machen“. Doch auch wenn mehr als 37 000 Menschen übers Internet angekündigt hatten, die Drohung wahr zu machen, blieb es an den Bankschaltern in Frankreich ruhig. Eine Handvoll Aktivisten im Trikot von Manchester United, dem Ex-Club von Cantona, hob in Paris ein paar hundert Euro ab und legte sie danach wieder bei einer Genossenschaftsbank an.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Prominente Reaktionen bemerkenswert

          Nach französischen Medienberichten soll auch Cantona 750 000 Euro von der exklusiven Banque Leonardo abgehoben, sie aber beim Crédit Agricole wieder deponiert haben. Eine Bankfiliale von BNP Paribas im Département Somme hatte der Franzose verständigt, dass er am Dienstag mehr als 1500 Euro abheben wolle. Doch bis zum Nachmittag lungerten Journalisten und Fotografen vergeblich vor der Filiale herum.

          Journalisten warten vor der BNP-Bank-Filliale vergeblich auf Eric Cantona
          Journalisten warten vor der BNP-Bank-Filliale vergeblich auf Eric Cantona : Bild: AFP

          Der Franzose, der heute ein erfolgreicher Schauspieler ist, weilte bei Filmaufnahmen auf einem nahe gelegenen Flughafen und war nicht zu sprechen. Seine Glaubwürdigkeit litt etwas darunter, dass seine Freundin kürzlich noch in Werbespots für die Bank LCL auftrat, eine Tochtergesellschaft vom Crédit Agricole. Sozialministerin Roselyne Bachelot wies auf dieses Detail hin.

          Überhaupt waren die prominenten Reaktionen auf Cantonas Initiative bemerkenswert, die ihr erst Schwung verliehen. Von der Finanzministerin Christine Lagarde bis zum BNP-Paribas-Chef Baudouin Prot verurteilten alle den Aufruf. Selbst Sozialisten-Chefin Martine Aubry sprach von einem „Eigentor“.

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