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Neue Seidenstraße : Das Zentrum der Welt hat sich verschoben

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Asien bereitet sich auf eine sich verändernde Welt vor und Europa spielt dabei Frankopan zufolge eine nachrangige Rolle. Neben Chinas „Belt and Road“-Initiative entsteht zum Beispiel eine Eurasische Wirtschaftsunion zwischen Russland, Weißrussland, Kasachstan, Armenien und Kirgistan. Kasachstan plant eine „Helle Straße“, Vietnam das Projekt „Zwei Korridore, ein wirtschaftlicher Kreis“, die Türkei einen „Mittleren Korridor“. An keinem dieser Pläne ist ein westeuropäisches Land beteiligt.

Was die Europäische Union dem entgegenzusetzen hat, dazu ist Frankopan pessimistisch: Europa bewege sich „nicht so sehr in unterschiedlichem Tempo, sondern in eine andere Richtung“. Während in Asien die Vernetzung der Länder erst richtig beginne, erlebten wir in Europa eine Zeit der De-Globalisierung, vom Brexit über das Erstarken nationalistischer Parteien bis hin zu Unabhängigkeitsreferenden in Schottland und Katalonien.

Europa marschiert in eine andere Richtung

Frankopan hält die Erzählung für falsch, dass die Globalisierung ein Kampf des Westens gegen China sei: „Wenn (der deutsche Roboterhersteller) Kuka ein besseres Angebot von anderswo erhalten hätte, hätte es dieses sicher angenommen.“ Überhaupt seien die globalen Versorgungsketten schon jetzt viel komplizierter, als dass man alleine auf ein Unternehmen wie Huawei fokussieren könne: „90 Prozent aller PCs werden in China produziert, solche mit nicht-chinesischen Markennamen eingeschossen.“ Für zielführender hält er mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung in Europa. Amerika sei da mit seinem großen Technologiesektor heute schon unabhängiger als die EU.

Anstatt sich zu isolieren müsse Europa eher selbst besser werden. „Wir sollten viel mehr in Technologien wie Künstliche Intelligenz und Robotik investieren“, fordert er: „Weltklasse-Ingenieure wachsen nicht auf Bäumen. Und sie brauchen Arbeitsbedingungen auf dem neuesten Stand der Technik.“

Dass Italien nun der „Belt and Road“-Initiative beitritt, sieht er gelassen: „Hier in Europa scheinen wir halb hysterisch in unseren Reaktionen auf Veränderungen in der Welt zu sein, und haben uns schnell selbst überzeugt, dass wir uns existenziellen Bedrohungen von allen Seiten gegenübersehen“, urteilt er. „Das Abkommen Chinas mit Italien hat eine eher begrenzte Bedeutung, abgesehen davon, dass Investitionen in italienischen Häfen in Zukunft willkommen sein könnten, solange die Bedingungen stimmen.“

Dabei zitiert er auch den kambodschanischen Premierminister Hun Sen: „Andere Länder kommen zu uns mit einer Menge Ideen, aber keinem Geld. Wenn China zu uns mit einer Idee kommt, dann bringt es auch Geld mit.“

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