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Frankfurter Privatbank : Schramm verlässt Hauck & Aufhäuser

  • -Aktualisiert am

Michael Schramm Bild: Eilmes (Archivbild aus dem Jahr 2006)

Der Vorstandssprecher der vornehmen Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser verlässt das Institut. Dem überstürzten Abgang von Michael Schramm ging ein Zerwürfnis mit dem maßgeblichen Aufsichtsratsmitglied Heraeus voraus.

          Michael Schramm, Sprecher der Geschäftsführung von Hauck & Aufhäuser, wird die Privatbank verlassen. Der 44 Jahre alte Schramm ist seit Wochenbeginn formal bis Ende des Jahres in Urlaub. Der Trennung ging ein nicht mehr zu kittendes Zerwürfnis Schramms mit dem maßgeblichen Aufsichtsratsmitglied von Hauck & Aufhäuser, dem Hanauer Unternehmer Jürgen Heraeus voraus, erzählt man sich in der Bank. Heraeus war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

          Hauck & Aufhäuser bestätigte am Dienstag den Abgang des für Investmentbanking verantwortlichen Schramm, der aus eigenem Antrieb erfolge. Führen soll die Bank künftig der einzige verbliebene, im Dezember 2010 zum persönlich haftenden Gesellschafter berufene Finanz- und IT-Vorstand Jochen Lucht sowie die beiden Partner Michael Bentlage und Stephan Rupprecht. Vermutlich wird der seit Herbst 2009 für Hauck & Aufhäuser tätige Bentlage, womöglich später auch Rupprecht zum persönlich haftenden Gesellschafter aufsteigen. In der Regel verlangt die Bankenaufsicht Bafin, dass die Geschäftsführung aus zwei persönlich haftenden Gesellschaftern besteht. Rupprecht stieß erst im Juli 2012 von der UBS zu Hauck & Aufhäuser. Gewöhnlich verlangen die Aufseher, dass ein neuer Geschäftsleiter mindestens ein Jahr in einer Bank tätig ist.

          Der überstürzte Abgang von Schramm zeigt, dass die traditionsreiche, 1796 gegründete Privatbank weit von personeller Kontinuität entfernt ist. Fast auf den Tag vor zwei Jahren war Schramm in die hervorgehobene Position des Vorstandssprechers berufen worden. Daraufhin hatte der bis dahin mit ihm gemeinsam die Bank führende Volker von Rüth die Bank enttäuscht verlassen, sobald mit Lucht ein zweiter persönlich haftender Gesellschafter gefunden war. Die Entscheidung für Schramm war damals als Richtungsentscheidung für die Positionierung der Bank in der Öffentlichkeit gewertet worden. Dem überaus selbstbewussten Schramm war die vornehme Bank zu leise gewesen. Spötter meinen, der gebürtige Kieler habe sich den Werbeslogan seines neuen Aktionärs Jägermeister („Achtung wild“) allzu sehr zu Herzen genommen, wenn er etwas untypisch für gemeinhin verschwiegene Privatbankiers in Interviews zum Besten gab: „Seit 20 Jahren betreue ich viele Millionäre und Milliardäre. Von den Top 300 der vermögendsten Deutschen habe ich vielleicht mit 100 schon mehrmals zu Mittag gegessen.“

          Gerade aber den neuen Aktionären, die Hauck & Aufhäuser in den vergangenen Monaten gewonnen hat wie den Solarword-Gründer Frank Asbeck oder die Familie Mast (Jägermeister) schien diese hemdsärmelige Art Schramms indes zu gefallen. Jedenfalls schreckte sie auch der Abgang von Partner Hanns-Alexander Klemm vor einem Jahr nicht, der auch wegen atomosphärischer Störungen mit Schramm die Bank verließ.

          Das Bankhaus in der Frankfurter Innenstadt

          Gleichwohl soll der Grund für die jetztige Trennung von Schramm nicht an den passablen, aber keineswegs guten Geschäftsergebnissen liegen, sondern an Schramms Stil liegen. Die drei verbliebenen Partner sind deutlich zurückhaltender als Schramm, sie traten hinter ihm bisher kaum in Erscheinung. Alle drei verkörpern, wenn auch durchaus humorig, den vorsichtigen Privatbankier, der sich um den langfristigen Erhalt des Vermögen seiner reichen Kunden sorgt. Der 47 Jahre alte Bentlage, voraussichtlich bald neuer persönlich haftender Gesellschafter, ist für die Vermögensverwaltung (Asset Management) und Betreuung von unabhängigen Vermögensverwaltern und deren 175 Fonds zuständig. Das Asset Management wurde gestärkt, in dem die drei Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Pioneer abgeworben wurden, womit sich Schramm seinerzeit gebrüstet hatte. Rupprecht kann darauf aufbauen, dass die Bank mit zuletzt 27 Milliarden Dollar verwalteten Vermögen über einen stabilen Kundenkreis verfügt. Der 42 Jahre Lucht, der lange für die BHF-Bank tätig war, hat die Aufgabe, die Hauck & Aufhäuser drückenden Kosten zu begrenzen. Bis Jahresende will die Bank ihre IT-Welten verschmolzen und bis 2015 rund 15 ihrer IT-Kosten gespart haben.

          An der strategischen Ausrichtung – etwa dem von Schramm forcierten Kreditgeschäft mit dem unternehmerisch geprägten Aktionärskreis, dem Aufbau einer großen Aktienanalyse für kleine und mittlere Unternehmen und der Immobilienprojektfinanzierung – soll sich nichts ändern. Ohne Schramm aber wird sich ganz sicher der Stil der Bank ändern – zumindest ihr Auftritt in der Öffentlichkeit.

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