https://www.faz.net/-gqe-6xmcs

Frankfurter Flughafenchef : „Die Flugzeuge werden immer leiser“

  • Aktualisiert am

Flugzeug auf der neuen Landebahn Bild: dapd

Seit der Frankfurter Flughafen eine neue Landebahn in Betrieb genommen hat, hagelt es Protest von lärmgeplagten Anwohnern. Im Interview spricht Flughafenchef Stefan Schulte über Lärmopfer, Jobmotor Logistik und Schallschutz für 81.000 Familien.

          5 Min.

          Herr Schulte, Woche für Woche Demonstrationen gegen den Fluglärm durch die neue Landebahn, Frankfurt hat sein Stuttgart 21, oder?

          Das lässt sich nicht vergleichen. In Frankfurt demonstrieren Leute, die betroffen sind durch mehr Fluglärm. Diese Betroffenheit nehmen wir ernst, und ich habe dafür viel Verständnis.

          Haben Sie auch Verständnis für die Vielflieger unter den Demonstranten?

          Ja, auch die kann ich verstehen, dass es ihnen zu Hause zu laut ist.

          Warum ist es denn so viel lauter als erwartet?

          Die jetzt gemessenen Lärmwerte sind genau die, die wir vorher im Genehmigungsverfahren genannt hatten. Aber eine abstrakte Zahl ist eben das eine, die tatsächlich wahrgenommene Belastung das andere.

          „Öffentliche Forschungsgelder sollten verstärkt in die Schallreduzierung an Flugzeugen investiert werden“, sagte der Frankfurter Flughafenchef Stefan Schulte

          Aber es ist lauter geworden?

          Die Zahl der Flugbewegungen ist ungefähr gleich geblieben. Es sind aber andere Gebiete betroffen. Positiv ist, dass zunehmend mehr leisere Flugzeuge eingesetzt werden. Die lauten Militärflugzeuge der Amerikaner sind abgezogen. Und das Nachtflugverbot hat natürlich allen Bürgern nachts viel mehr Ruhe gebracht als noch bis Oktober, als jede Nacht bis zu 50 Flüge abgewickelt wurden.

          Aber tagsüber wird es laut.

          Tagsüber sind viele Menschen neu betroffen durch die Landebahn. Zum kompletten Bild gehört aber, dass die neuen Flugrouten auch viele Menschen entlastet haben.

          Brauchen wir wegen der aufgeheizten Proteste ein neues Mediationsverfahren, wie bei Stuttgart 21?

          Wir hatten ja eines, mit gutem Erfolg. Mehr als zehn Jahre haben wir die Vor- und Nachteile der neuen Landebahn diskutiert. Es ist eindeutig bestätigt worden, dass der Ausbau selbst nach Abwägung der unzweifelhaft bestehenden Belastungen im Interesse Hessens und Deutschlands ist. Wichtig ist, dass wir jetzt zeitnah Maßnahmen umsetzen, die Entlastung bringen - darum kümmern wir uns mit allen Beteiligten mit Hochdruck.

          Frankfurter Flughafen

          Befürchten Sie, dass die Politik angesichts der Proteste dem Flughafen den Rückhalt entzieht?

          Nein. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und viele andere Politiker haben sich eindeutig zum Ausbau des Flughafens bekannt und seine volkswirtschaftliche Bedeutung für die Region und ganz Deutschland betont. Wir reden über die größte Arbeitsstätte der ganzen Republik mit mehr als 70.000 Jobs, einen Flughafen, der darüber hinaus viele Tausende Arbeitsplätze sichert und schafft.

          Warum ist denn diese neue Landebahn so wichtig?

          Die großen deutschen Unternehmen erzielen heute zwei Drittel ihres Umsatzes im Ausland, vor 20 Jahren waren es erst 25 Prozent. Viele Arbeitsplätze hängen von der internationalen Arbeitsteilung ab. Dazu brauchen Sie einen internationalen Flughafen. Zwei Drittel der interkontinentalen Flüge landen und starten hier. Das kann nur Frankfurt leisten, weil es das größte Verbindungsnetz in die Welt und ein großes Einzugsgebiet in einer starken Wirtschaftsregion hat.

          Wir wollen den Flughafen ja nicht abschaffen, wir fragen nur nach dem Sinn der Landebahn.

          Wir haben mit der Landebahn die notwendige Wachstumsperspektive für Deutschland. Die Alternative ist der schleichende Abstieg. Ohne Wachstumsperspektive hätten sich kaum rund 150.000 Arbeitsplätze der Logistikbranche in der Region angesiedelt. Keine Branche ist hier in den vergangenen Jahren stärker gewachsen.

          Davon haben aber die vom Lärm geplagten Gemeinden wenig.

          Doch, auch die. Neue Betriebe haben sich besonders in den Orten nahe dem Flughafen angesiedelt.

          Demonstranten im Frankfurter Flughafen

          Aber wie kann man die Lärmopfer trösten?

          Wir sorgen für besseren Schallschutz. In besonders betroffenen Regionen bieten wir an, die Häuser zu kaufen. Dafür kommen etwa 230 Immobilien mit 500 Wohneinheiten in Frage. Es gibt über 200 Anträge, 92 Eigentümer haben sich für den Verkauf entschieden. Sie erhalten ein Angebot, bei dem der Verkehrswert von einem neutralen Gutachter ohne Berücksichtigung der Landebahn ermittelt wird.

          Was wird aus diesen Häusern?

          Viele Eigentümer bleiben trotz Verkauf zunächst in ihrem Haus wohnen und mieten die Häuser zurück. Es ist übrigens nicht zwangsläufig, dass es für die Immobilien keine Käufer gibt. In den vergangenen Jahren ist die Bevölkerung auch in den vom Fluglärm betroffenen Anrainergemeinden stark gewachsen.

          Was machen Sie noch an Schallschutz?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.