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Frankfurter Flughafenchef : „Die Flugzeuge werden immer leiser“

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Wir verbessern jetzt schon den passiven Schallschutz, indem wir in den Häusern betroffener Bürger etwa dichtere Fenster einbauen. Dazu kommen noch andere Maßnahmen. Das ist ein großes Programm: Immerhin sind 81.000 Haushalte anspruchsberechtigt. Wir haben bereits angekündigt, dass die Menschen, die in den von Anflügen auf die Landebahn Nordwest neu betroffenen Gebieten leben, Ansprüche aus dem Programm zum passiven Schallschutz dort sofort geltend machen können. Damit werden 17.000 Haushalte deutlich früher als gesetzlich vorgesehen Ansprüche auf Schallschutz geltend machen können. Außerdem soll es Maßnahmen geben, um das Fliegen für die Anwohner leiser zu machen, etwa durch veränderte Anflugwinkel und weitere Maßnahmen des aktiven Schallschutzes. Ende des Monats werden wir ein Bündel an Maßnahmen zur Lärmentlastung vorstellen.

Alle Planungen sind sinnlos, wenn sich die Flugkapitäne nicht an vorgegebene Routen halten.

Nach unseren Erkenntnissen halten sich die Piloten an die Flugrouten. Es gibt aber Hinweise, dass einige Piloten manchmal zu tief fliegen sollen. Die Flugbewegungen werden überwacht, um ein qualifiziertes Monitoring zu haben und dann systematisch Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.

Spannend wird es Ende März, wenn das Bundesverwaltungsgericht über die Rechtmäßigkeit von Landebahn und vom Nachtflugverbot entscheidet. Könnten die Richter die Landebahn wieder dichtmachen?

Wir gehen fest von der Bestandskraft des Beschlusses aus, weiter will ich nicht spekulieren.

Mit welcher Entscheidung zum Nachtflugverbot könnten Sie leben?

Lufthansa Cargo hat klargemacht, wie wichtig einzelne Frachtflüge in der Nacht sind, insbesondere für den Nachtsprung nach Nordamerika und Fernost. Im interkontinentalen Passagierverkehr sind die Randstunden von 22 bis 23 Uhr und von fünf bis sechs Uhr unverzichtbar.

Also könnten Sie mit einem Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr leben?

Nachtflüge sind strategisch ein Thema, wir sind der größte Frachtflughafen in Deutschland und Europa. Im Januar hatten wir bereits einen Rückgang der Frachtmenge von über 15 Prozent. Die Möglichkeit, dass verspätete Flüge anders als jetzt noch landen dürfen, ist für uns ausgesprochen wichtig.

Würden Sie eine Beschränkung der Zahl der Flugbewegungen akzeptieren, wie es mancher Politiker erwägt?

Die Landesregierung hat deutlich gesagt, dass wir einen Ausgleich brauchen zwischen dem, was technisch machbar ist, und den Interessen der Bürger. Deswegen arbeiten wir an dem Lärmminderungspaket.

Und wachsen trotzdem jedes Jahr.

Um es klar zu sagen: Der Frankfurter Flughafen wächst nicht aus Selbstzweck. Wir erfüllen das Mobilitätsbedürfnis der Unternehmen und von Millionen Menschen, die von hier zum Urlauben oder Arbeiten in alle Welt fliegen. Wir werden langfristig 700.000 Flugbewegungen im Jahr abwickeln, das aber eher in zehn bis 15 Jahren. Heute sind es etwa 500.000. Bis dahin müssen wir deutliche Fortschritte in der Lärmreduzierung erzielen.

Wie soll das gehen?

Bis dahin werden wir deutlich leisere Flugzeuge sehen. Die Fluggesellschaften tauschen schon jetzt alte durch leisere Maschinen, zumal die auch weniger Brennstoff verbrauchen. So ist der Airbus A380 rund 30 Prozent leiser als die Vorgängermodelle. Gleiches gilt für die Boeing 747-800, die Lufthansa ab 2012 in den Dienst stellen wird. Wir werden auch Fortschritte beim aktiven Schallschutz an den Flugzeugen und bei den An- und Abflugverfahren machen.

Die Entwicklung von Passagierzahlen und Luftfrachtaufkommen am Frankfurter Flughafen

Denken Sie auch an höhere Landegebühren für laute Flugzeuge?

Wir sind mit der Preisdifferenzierung nach den Lärmemissionen schon vor Jahren weltweit als Erste vorangeschritten. Und wir wollen das weiterentwickeln. Wir wollen die Anreize so setzen, dass die Luftfahrtgesellschaften animiert sind, leisere Flugzeuge einzusetzen. Ich wünsche mir zudem, dass öffentliche Forschungsgelder auch verstärkt in die Schallreduzierung an Flugzeugen investiert werden.

Beschleicht Sie in diesen Tagen gelegentlich das Gefühl, dass es in Deutschland schwer geworden ist, große Projekte durchzusetzen?

Deutschland ist gut beraten, sich eine Veränderungsbereitschaft zu erhalten. Andere Regionen, etwa in Asien oder Südamerika, verändern sich viel schneller, als es manchen hier offenbar bewusst ist. Viele unserer Arbeitsplätze hängen aber - mit zunehmender Tendenz - davon ab, dass wir wettbewerbsfähig zu diesen Regionen bleiben.

Schultes Landebahn

Der promovierte Betriebswirt Stefan Schulte ist Vorstandsvorsitzender der Fraport AG. Die Aktiengesellschaft betreibt den Frankfurter Flughafen, der im Oktober eine neue Landebahn in Betrieb genommen hat. Mit der Bahn haben sich die Flugrouten geändert, so dass plötzlich Gemeinden und Regionen mit Fluglärm belastet werden, die früher verschont waren. Seitdem hagelt es Protest, die Demonstrationen häufen sich. Schultes Programm sieht so aus: Die Region friedlich stimmen, den Ausbau finanzieren und beten, dass das Bundesverwaltungericht, wo Klagen anhängig sind, ihm nicht das Geschäft verdirbt. "Viele Bürger wurden durch die neuen Flugrouten auch von Lärm entlastet."

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