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Frankfurter Flughafen : Vorfeld-Arbeiter wollen auch am Freitag streiken

Fluglotsen Im Tower Bild: dpa

Auf Deutschlands größtem Flughafen droht ein zweitägiger Stillstand. Vorfeld-Arbeiter streiken an diesem Donnerstag von 15 bis 22 Uhr. Die Lufthansa hat 100 Flüge annuliert, die Bahn bietet einen Umtausch der Tickets in Bahn-Gutscheine.

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          Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) weitet ihren Streik am Frankfurter Flughafen aus. Gestreikt werde auch am Freitag von 8 bis 22 Uhr, sagte ein GdF-Sprecher am Donnerstag. Bislang wollten die Beschäftigten lediglich an diesem Donnerstag zwischen 15 und 22 Uhr streiken. Die Wirkung der bislang angekündigten Arbeitsniederlegung sei aber „bisher nicht groß genug“.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, bei dem die Mitarbeiter der Verkehrsaufsicht und der Kontrolle des Vorfelds unter Vertrag stehen, kündigte indessen an, trotz des Warnstreiks den „Betrieb so weit wie möglich aufrechtzuerhalten“. Danach sollen mindestens 50 Prozent aller Verbindungen in der Streikzeit zwischen 15 und 22 Uhr wie gewohnt abgewickelt werden, teilte Fraport mit, wobei die Interkontinental-Verbindungen Priorität hätten.

          Bahn fährt Lufthansa- und Air Berlin-Passagiere kostenfrei

          Für Donnerstag hat die Lufthansa 100 Flüge gestrichen. Es handele sich um 50 Flugpaare mit Start und Landung in Frankfurt, erklärte eine Sprecherin der Fluggesellschaft. Unter den annullierten Flügen seien nur zwei Interkontinentalverbindungen.

          Am Freitag streicht die Lufthansa 125 Flugpaare, insgesamt würden damit 250 Verbindungen von und nach Frankfurt ausfallen. Davon sind auch wiedervor vor allem Kurz- und Mittelstreckenflüge betroffen.

          Die Bahn will gestrandete Passagiere vom Flughafen Frankfurt zu ihren Zielen in Deutschland fahren. Wer wegen des Streiks seinen Flug bei Lufthansa und Air Berlin nicht antreten kann, könne seinen Flugschein gegen einen Bahn-Gutschein für die Strecke eintauschen, teilte das Unternehmen mit. Gäste anderer Fluggesellschaften müssten einen Fahrschein kaufen. Die Bahn kündigte an, ihre Züge falls nötig zu verlängern und Personal aus anderen Abteilungen auf die betroffenen Bahnhöfe zu schicken.

          „Kompromisslose Haltung“

          Der Betreiber habe im Vorgriff auf die Streikaktionen zusätzliches Personal geschult, um personelle Lücken zu füllen, teilte Fraport mit: „Wir bedauern sehr, dass die kompromisslose Haltung der GdF auf dem Rücken der Passagiere, Fluggesellschaften und unserer Mitarbeiter ausgetragen wird“, sagte Herbert Mai, der für die Tarifverhandlungen zuständige Personalvorstand von Fraport.

          Hintergrund des Konflikts sind die gescheiterten Tarifverhandlungen für die 200 Beschäftigten, die als Verkehrsdisponenten, Vorfeld-Lotsen oder als Fahrer der „Follow-me“-Fahrzeuge (Einweiser) arbeiten. Sie wurden über Jahre von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vertreten, fühlten sich dort aber nur unzureichend repräsentiert. Um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne durchzusetzen, schloss sich das Gros der Flugfeld-Kontrolleure der Branchengewerkschaft GdF an, die im vergangenen Herbst den monatelangen Tarifkonflikt mit der Deutschen Flugsicherung zu ihren Gunsten beigelegen konnte.

          Fraport fordert strengere Gesetze

          Die seit vergangenem Herbst unter der Regie von GdF geführten Tarifverhandlungen für die Flugfeld-Kontrolleure schienen bis zuletzt ohne Konflikte zu verlaufen. Unter dem Vorsitz des ehemaligen CDU-Politikers Ole von Beust handelte kürzlich eine Schlichtungskommission einen Kompromiss aus, der von der Fraport-Führung jedoch abgelehnt wurde. Knackpunkt war die Laufzeit des Tarifvertrages. Der Flughafenbetreiber lehnte die vorgeschlagene Dauer von vier Jahren ab und favorisiert sechs Jahre. Nach dem Scheitern des Schlichtungsverfahrens votierten die rund 190 Mitglieder der GdF für den heutigen Warnstreik. Danach sollen weitere Streikmaßnahmen jeweils 24 Stunden vorher angekündigt werden.

          Für Fraport ist diese Reaktion der Gewerkschafter nicht nachvollziehbar: „Die Forderungen beinhalten Anpassungen bei Gehalt, Arbeitszeit und Sonderleistungen um 50 bis zu 70 Prozent. Wer darauf ohne nennenswertes Entgegenkommen beharrt, handelt unverantwortlich“, sagte Mai. Die am stärksten betroffene Lufthansa, die Frankfurt als Heimatbasis nutzt, forderte strengere gesetzliche Auflagen für kleinere Gewerkschaften, um einen laufenden Betrieb in der Verkehrsinfrastruktur sicherzustellen.

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