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Bevölkerungsentwicklung : Frankfurt wird immer jünger

Jung und feierwütig: Zuschauer beim Karneval in Frankfurt Bild: EPA

Von wegen Berlin, von wegen München: In keiner anderen Stadt sinkt das durchschnittliche Alter der Einwohner so schnell wie in Frankfurt. Die Bankenmetropole ist inzwischen die jüngste Top-Stadt Deutschlands.

          Von allen Top-Immobilienstandorten in Deutschland hat Frankfurt die jüngste Bevölkerung. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die der F.A.Z. vorab vorlag. Der typische Frankfurter ist demnach 40,6 Jahre alt und somit ein bis zwei Jahre jünger als in den anderen sogenannten A-Städten. Zu diesen zählen auch München, Köln, Stuttgart, Hamburg, Berlin und Düsseldorf. Verglichen mit dem mittleren Alter aller Einwohner Deutschlands ist der typische Frankfurter sogar vier Jahre jünger.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Auch in einer zweiten Hinsicht liegt Frankfurt vorne: In keiner anderen Stadt in Deutschland sinkt das Durchschnittsalter schneller als in der Bankenmetropole. Lag es 2007 noch bei 41,9 Jahren, waren es zehn Jahre später knapp 16 Monate weniger. In München, Köln, Hamburg und Düsseldorf sank das Durchschnittsalter hingegen lediglich um etwa einen Monat, in Stuttgart um sieben Monate und in der eigentlich als jung geltenden Bundeshauptstadt überhaupt nicht.

          Auf einem anderen Blatt steht, ob Frankfurt dank der vielen jungen Menschen zugleich die Stadt mit der besten wirtschaftlichen Perspektive ist. „Das ist nicht so leicht zu beantworten“, erklärt Studienautor Christian Oberst. Eine Region, die viele junge Menschen verließen und die deshalb veralte, habe in jedem Fall Probleme. In ihr gehe Kaufkraft verloren und die Unternehmen zögen fort, wenn sie keine Nachwuchskräfte mehr fänden. Eine jünger werdende Region wie Frankfurt könne davon profitieren.

          „Die ganze Rhein-Main-Region ist sehr attraktiv“

          Trotzdem müsse man genau hinsehen, wer den Altersdurchschnitt senke. Viele junge Flüchtlinge beispielsweise seien wirtschaftlich zunächst nicht von Vorteil. Die insgesamt jüngste Stadt in Deutschland, Heidelberg, habe wiederum ungewöhnlich viele Studenten. Diese steigerten aber weder die Kaufkraft noch die Produktion nennenswert und zögen nach ihrem Studium meist aus Heidelberg fort. „Eine erfolgreiche Region muss sich bemühen, sie als junge Berufstätige zu halten“, sagt Oberst. Da habe das Rhein-Main-Gebiet wegen seiner vielen Unternehmen beste Chancen. Die ganze Region sei „sehr attraktiv“, davon profitiere Frankfurt stark.

          Zu einem gewissen Teil ist die Verjüngung Frankfurts allerdings auch durch eine statistische Besonderheit zu erklären. Im Gegensatz zu Berlin oder München hat Frankfurt ein relativ kleines Stadtgebiet. Das wirkt sich auf den Altersdurchschnitt aus, weil insbesondere die jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren in die Innenstadt ziehen. Wenn die Jungen dann älter werden, eine eigene Familie gründen und mehr Platz brauchen, ziehen sie in Berlin und München lediglich in die Außenbezirke, in Frankfurt aber oft in die eigenständigen Landkreise vor der Stadt. Das alte Vorurteil, wonach junge Familien nicht mehr raus ins Grüne ziehen, gilt IW-Immobilienfachmann Oberst zufolge schon seit fünf Jahren nicht mehr. „Seit 2014 ziehen die Deutschen wegen der hohen Mieten wieder aus der Stadt in die Vororte und Speckgürtel“, sagt er.

          Gäbe es nur die Binnenwanderung, würden die Großstädte sogar schrumpfen. Dieser Prozess werde aber durch die vielen EU-Ausländer und Flüchtlinge überdeckt, die es vor allem in die großen Städte ziehe. Statistisch gesehen ist ein Ausländer in Deutschland knapp sieben Jahre jünger als ein Einheimischer.

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