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Flüchtlingskrise : Weise wird neuer Chef des Bundesflüchtlingsamtes

Frank-Jürgen Weise Bild: dpa

Frank-Jürgen Weise soll künftig nicht nur die Bundesarbeitsagentur leiten, sondern als neuer BAMF-Chef auch den Zustrom an Flüchtlingen bewältigen. Die Herausforderung könnte kaum größer sein.

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          Der bisherige Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, wird neuer Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Das gab Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Freitag bekannt. Manfred Schmidt, der bisherige Leiter der Behörde, hatte am Donnerstag inmitten der Flüchtlingskrise „aus persönlichen Gründen“ seinen Rücktritt erklärt. Die Opposition sprach angesichts erheblicher Kritik an der Behörde und dem zuständigen Innenminister von einem Bauernopfer. Ende August lagen in der Behörde 276.000 sogenannte Altfälle von Asylbewerbern, ein Viertel davon wurde vor mehr als einem Jahr gestellt. Weise soll seinen Posten als BA-Chef jedoch behalten.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Weise werde beide Ämter nun „in Personalunion“ ausüben, sagte de Maizière. Der 63-Jährige sei einer der hervorragendsten Manager in Deutschland, diese Qualitäten würden nun angesichts der schwierigen Lage des BAMF in der Flüchtlingskrise gefordert. Das Amt des BAMF-Präsidenten sei einer der schwierigsten Posten, der in Deutschland zur Zeit zu vergeben sei. Weise habe ohne den „Hauch einer Bedingung“ seine Bereitschaft erklärt, diese große Aufgabe zu übernehmen, sagte de Maizière.

          Zwei Ämter : Arbeitsagentur-Chef Weise übernimmt auch die Flüchtlingsbehörde

          Die Herausforderung könnte kaum größer sein. Deutschland braucht dringend ein effizientes Verfahren, um die Flüchtlingsströme zu kanalisieren und die Neuankömmlinge zu registrieren, ihre Potentiale zu erfassen und letztlich eine Idee zu entwickeln, wie diese Menschen am besten in Gesellschaft und Arbeitsmarkt integriert werden könnten.

          Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Aufgabe ausgerechnet Frank-Jürgen Weise zutraut, kommt nicht überraschend. Denn der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass er sich in Mammutaufgaben des öffentlichen Sektors geradezu verbeißen kann. 2004 übernahm er die Leitung der Arbeitsmarktverwaltung mit rund 100 000 Mitarbeitern und verwandelte Milliardendefizite in der Folge in satte Überschüsse.

          Weise verfügt über Erfahrung aus der Wirtschaft

          Verbindlich im Ton, entschieden und wenn nötig knallhart in der Sache, setzte Weise seine Prinzipien von Wirkung und Wirtschaftlichkeit um. Kein Geld für Maßnahmen, die nichts bringen - mit dieser Marschroute machte sich der Betriebswirt und Finanzer im politischen Umfeld auch Gegner unter denen, die die Arbeitsmarktpolitik bis dahin vor allem als Mittel zur Alimentierung ihrer Klientel betrachteten. Gegen Weises Macht der Zahlen kamen sie letztlich jedoch nicht an. Deshalb gelang es dem CDU-Mann, die Behörde ein Stück weit unabhängig vom Zugriff aus Berlin zu machen.

          Seine nüchterne Art, gepaart mit hoher Sachkenntnis, ließ den Oberst der Reserve (d. R.) auch zur ersten Wahl werden, als der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg einen Vorsitzenden für die Bundeswehrreformkommission suchte. Seitdem ist Weise eine Art Manager d. R., sein Name wird regelmäßig ins Spiel gebracht, wenn es um große Reformen im öffentlichen Sektor geht. Zuletzt waberte aus der Gerüchteküche, er werde für eine Übergangszeit Chef der Deutschen Bahn.

          Kurz vor seinem 64. Geburtstag steht Weise nun vor seiner wohl größten Herausforderung. Ein funktionierendes Management für die Erstaufnahme von Asylbewerbern zu entwickeln, ist eine der zentralen Aufgaben, damit Deutschland der Flüchtlingsströme Herr wird. Den dafür geschaffenen Arbeitsstab wird Weise neben seinem Hauptberuf in Nürnberg und dem Vorsitz der Hertie-Stiftung in Frankfurt leiten. Ähnlich koordinierte er einst die Bundeswehrkommission, auch wenn ihm die Strapazen der Pendelei bisweilen anzumerken waren.

          Weise bringt - ungewöhnlich für den öffentlichen Dienst - reichlich Erfahrung aus der Wirtschaft mit. Der geborene Sachse fing als Controller in der Automobilbranche an, in der er anschließend Karriere bei großen Mittelständlern machte. Ende der neunziger Jahre gründete er eine Logistikfirma, die er zur Hochzeit des neuen Marktes an die Börse brachte und noch rechtzeitig verkaufte. Weil die Zeit vor dem Sprung auf das Börsenparkett damals enorm drängte, habe man auf Feldbetten in der Firma geschlafen, erzählt Weise gern mit einem Schmunzeln. Lange, arbeitsreiche Tage und kurze Nächte könnten ihm bald wieder bevorstehen.

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