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Frank Bsirske Bild: Andreas Pein

Erst Verdi, nun Bundestag : Frank Bsirskes Unruhestand

  • Aktualisiert am

Mit seiner Amtszeit übertrifft Frank Bsirske sogar Angela Merkel und den früheren Arbeitgeberpräsidenten Hundt. Nun ist der frühere Verdi-Chef Grünen-Abgeordneter - und feiert an diesem Donnerstag seinen 70. Geburtstag.

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          Nimmt man die Amtszeit in öffentlichen Spitzenfunktionen zum Maßstab, dann übertrifft Frank Bsirske sogar Helmut Kohl, Angela Merkel und den früheren Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt: Bsirske wurde 2001, dank einer zufallsreichen Vorgeschichte, Gründungsvorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi – und füllte diese Rolle dann mehr als 18 Jahre lang unangefochten aus. Als ungewöhnlich galt der Niedersachse seinerzeit schon deshalb, weil er als erstes Grünen-Mitglied in die Riege sozialdemokratischer Spitzengewerkschafter stieß.
          Unkonventionell gestaltet Bsirske nun aber auch die Lebenszeit, in der normale Arbeitnehmer ihren Ruhestand genießen: Nachdem er den Verdi-Vorsitz im Alter von 67 Jahren abgegeben hatte, bewarb er sich bei den Grünen sogleich um eine Kandidatur für den Bundestag – und gehört seit Herbst als deren Abgeordneter zur Ampelkoalition. Zeitweilig hatte es gar Spekulationen gegeben, dass Bsirske Arbeitsminister werden wolle. Das ließ die SPD aber doch nicht zu; nun koordiniert er die Arbeits- und Sozialpolitik der Grünen.

          Schon als Gewerkschafter hatte er in bis dahin ungewohnter Deutlichkeit ein Programm für mehr Sozialausgaben und gesetzliche Mindestlöhne vertreten. Blickt man auf die tatsächliche Entwicklung der Politik seither, dann hatte er einigen Erfolg damit. Indirekt gilt das sogar für seine stete Kritik an der Anhebung des allgemeinen Rentenalters: Die „Rente mit 67“ wurde zwar nicht wieder abgeschafft – neue Erhöhungen schließt der Koalitionsvertrag aber strikt aus. An diesem Donnerstag kann der Politiker Bsirske seinen 70. Geburtstag feiern. dc.

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