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Fragwürdige Studien : Armut und Statistik

In der zuweilen hysterisch geführten Armutsdebatte wird mit fragwürdigen Studien und Statistiken gearbeitet. Nicht nur, dass die Daten veraltet sind. Schon die Methode der Armutsmessung ist zweifelhaft. Es wird stur mit „relativer Armut“ gerechnet.

          In der zuweilen hysterisch geführten Armutsdebatte wird mit fragwürdigen Studien und Statistiken gearbeitet. Nicht nur, dass die Daten veraltet sind. Schon die Methode der Armutsmessung ist zweifelhaft.

          Was soll man nun von der jüngsten Studie über die Europäische Union halten, die dasselbe Armutsrisiko von 19 Prozent für Rumänien wie für Großbritannien behauptet? Noch schlechter steht es angeblich in Italien und in Spanien, wo jeweils 20 Prozent der Bevölkerung „armutsgefährdet“ sind, in Bulgarien hingegen nur 14 Prozent. Warum wandern dann so viele Rumänen und Bulgaren nach England oder Spanien, wenn sie dort ebenso viel oder gar mehr Armut erwartet?

          Im Elfenbeinturm der Statistiker interessieren solche Fragen nicht. Da wird stur mit Durchschnitten und „relativer Armut“ gerechnet. Wer weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens hat, der gilt als armutsgefährdet. Es geht nicht um die absolute Höhe der Einkommen, sondern um die Verteilung.

          So betrachtet hätte die DDR, in der fast alle gleich arm waren, mit einer niedrigen Armenquote glänzen können. Umgekehrt gilt: Dynamische Marktwirtschaften produzieren zwar mehr Ungleichheit, aber auch mehr Chancen.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

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